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Einbruch durch Corona Schnäppchenjagd statt Bauboom: Experten rechnen mit anhaltender Hotel-Krise

Der Branche drohen durch die Coronakrise Insolvenzen, vor allem in Messestädten. Auch Banken sind davon betroffenen – es drohen Kreditausfälle.

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Das traditionsreiche Frankfurter Hotel überlebt die Coronakrise nicht und schließt nach fast 70 Jahren. Quelle: dpa

Im Frankfurter Grandhotel Hessischer Hof übernachten seit fast 70 Jahren Menschen aus aller Welt, die goldene Handläufe und Fünf-Sterne-Luxus lieben. Selbst der Dalai Lama war schon zu Gast. Dann kam Corona - und nun ist das im gediegenen Frankfurter Westend gelegene Hotel am Ende. Wegen der Pandemie blieben Messegäste weg, eine Erholung sei nicht in Sicht und die drohenden Verluste seien zu hoch, erklärte die Firmengruppe Prinz von Hessen, der das Hotel gehört.

Das Aus des Luxushotels ist nur ein Beispiel für die missliche Lage der ganzen Branche. Die Corona-Pandemie legt auf der ganzen Welt das Hotelgeschäft lahm. Geschäftsreisen sind tabu, Touristen wagen sich nur zögerlich vor, in vielen Ländern drohen neue Lockdowns. Für Hotelbetreiber, Immobilien-Konzerne und Banken haben schwere Zeiten begonnen. Auch Fondsgesellschaften, die in Hotels investieren, bekommen die Krise zu spüren.

„Die Lage in der Branche ist brisant“, sagt Hotelexpertin Ursula Kriegl von der Beratungsfirma EY. „Man kann im Moment kaum vorhersagen, wie es weitergeht.“ Die in Wien ansässige UBM Development, einer der führenden Hotelentwickler Europas, hatte zu Jahresbeginn nach eigenen Angaben 16 neue Projekte in der Pipeline, sieben befanden sich schon im Bau, der Rest wurde auf Eis gelegt oder neu geplant.

In Frankfurt soll etwa statt eines Hotels der Leonardo-Gruppe ein Büro- und Wohngebäude entstehen. „Im Moment gibt es keine Nachfrage nach neuen Hotelprojekten zu vernünftigen Preisen“, sagt UBM-Chef Thomas Winkler. „Es ist die Zeit der Schnäppchen-Jäger und es wird ein langer, steiniger Weg zurück.“

„Es wird Insolvenzen geben“

Das Kompetenzzentrum Tourismus des Bundes rechnet damit, dass die Umsatze im internationalen Tourismus erst 2023 das Niveau aus 2019 wieder erreichen können - wenn überhaupt. Die Auslastung der insgesamt knapp 11.000 Hotels in Deutschland lag nach Daten des Branchenspezialisten STR Global im zweiten Quartal bei 15 Prozent. Die Zimmerumsätze der deutschen Hotels brachen EY zufolge in den ersten fünf Monaten 2020 um rund die Hälfte ein. „Zwar öffnen Hotels nach und nach wieder ihre Türen, doch von Profitabilität sind die meisten weit entfernt“, sagt Hotelexpertin Kriegl. Oft könne die Pacht nicht bezahlt werden. „Es wird Insolvenzen geben“, warnt sie.

Für Banken kann das zum Problem werden. Die Ratingagentur Moody's warnte bereits vor Wochen vor erheblichen Risiken aus der gewerblichen Immobilienfinanzierung. Notleidende Kredite dürften steigen, die Risikovorsorge in den Bankbilanzen auch, sinkende Gewinne oder gar Verluste könnten die Folge sein. Die deutschen Banken gehören in Europa zu den Instituten, die am stärksten in der gewerblichen Immobilienfinanzierung aktiv sind.

Bei der Aareal Bank in Wiesbaden herrscht trotz allem Gelassenheit - obwohl der Immobilienfinanzierer aus dem MDax per Ende Juni ein Hotelportfolio von 8,7 Milliarden Euro in den Büchern hat. „Die Hotels haben gelitten, sie werden weiter leiden aber das Geschäft wird auch wiederkommen“, ist sich Aareal-Vorstandsmitglied Christof Winkelmann sicher. Die Kredite seien vergleichsweise hoch besichert, mehr Darlehensausfälle als zu Jahresbeginn gebe es bis dato nicht. Der Bank hilft auch, dass sie sich zur Zeit mehr auf Logistikimmobilien konzentriert, die von der Corona-Krise sogar profitieren.

Fonds listen Hotelkonzerne aus

Investoren gehen dennoch auf Nummer sicher und lassen lieber die Finger von Aareal-Aktien - seit Ende Februar haben die Titel gut ein Viertel an Wert verloren. Auch die auf Einzelhändler, Hotels und Büros fokussierte Immobilienfirma Aroundtown steht unter Druck, ihre Aktien brachen im selben Zeitraum um mehr als die Hälfte ein. Aroundtown wertete das Hotelportfolio, das rund ein Viertel des Gesamtportfolios von 26 Milliarden Euro ausmacht, zum Ende des zweiten Quartals ab und erhöhte die Risikovorsorge für Pachtausfälle. Dagegen stehen Wohnimmobilien-Konzerne wie Vonovia und Deutsche Wohnen besser da, denn Mietausfälle gibt es dank staatlicher Hilfen bislang kaum. Die Preise für Wohnimmobilien ziehen sogar an.

Fondsgesellschaften wie die zur Deutschen Bank gehörende DWS schauen bei Hotelinvestments inzwischen genauer hin. „Wir kaufen nicht mehr so viel zu, wie wir es in der Vergangenheit gemacht haben“, sagt Matthias Naumann, bei der DWS verantwortlich für Immobilien-Investments in Europa. Vor allem bei Märkten wie München oder Frankfurt, die stark von Geschäftsreisen abhängig seien, sei man vorsichtiger geworden.

Für Donatus Landgraf von Hessen, Chef der Unternehmensgruppe Prinz von Hessen, wird der Hessische Hof und damit das Hotelgeschäft in Frankfurt spätestens am Jahresende Geschichte sein. Er will sich künftig mehr auf die Produktion von Riesling vom hauseigenen Weinberg konzentrieren. Ein Geschäft mit Zukunft - der Konsum von Alkohol hat in der Coronakrise zugenommen.

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