Endor: US-Konkurrent plant schnelle Endor-Übernahme
Eine Nachricht, die der deutsche Hardwarehersteller Endor am Mittwochabend veröffentlichte, sorgt für Unruhe unter den Aktionären. Das Unternehmen aus Landshut kündigte „exklusive Verhandlungen“ mit dem US-Mitbewerber Corsair über eine Übernahme an. Zudem ist eine Restrukturierung nach dem StaRUG-Verfahren angestrebt. „Wir freuen uns sehr, mit Corsair einen strategischen Investor gefunden zu haben, der unseren Markt gut kennt und langfristig investieren möchte“, sagte Endor-CEO Andres Ruff. An der Börse sorgte die Meldung für einen Kurssturz. Die Endor-Aktie rauschte in kurzer Zeit von etwa 1 Euro auf 20 Cent.
Erwirtschaftete Endor 2019 noch 36 Millionen Euro, schraubte das Unternehmen den Umsatz drei Jahre später auf 119 Millionen Euro hoch. Doch mittlerweile befindet sich Endor schon seit einiger Zeit im Krisenmodus. In den vergangenen Jahren traf das Management einige schwerwiegende Fehlentscheidungen. Neben zwischenzeitlichen Umsatzrückgängen drücken auch Verbindlichkeiten von etwa 70 Millionen Euro auf die wirtschaftliche Stabilität. Laut Endor müsse das Unternehmen „aufgrund einer drohenden Insolvenz nach dem Gesetz zur Stabilisierung und Restrukturierung von Unternehmen (StaRUG) saniert werden.“
Aktionäre werden enteignet
Der US-Mitbewerber Corsair ist ein globaler Entwickler und Hersteller von Hochleistungsgeräten für Videospieler, der zuletzt etwa 1,5 Milliarden US-Dollar umsetzte. „Der Vorstand hat nach ergebnisoffener und intensiver Prüfung verschiedener Angebote von Investoren und nach Rücksprache mit den kreditgebenden Banken ein Term Sheet abgeschlossen, um exklusiv mit dem US-amerikanischen Marktführer“ zu verhandeln, teilte Endor am Mittwochabend mit.
Die Übernahme soll nach dem StaRUG-Gesetz erfolgen – und das bereits innerhalb weniger Wochen. „Nach Abschluss der Due Diligence wird für Ende Mai die Unterzeichnung einer verbindlichen Vereinbarung erwartet, die zeitnah beim Restrukturierungsgericht in München eingereicht wird“, teilt Endor mit. Sollte das Gericht dem Restrukturierungsplan zustimmen, wird Corsair das Landshuter Unternehmen nach einer vollständigen Kapitalherabsetzung komplett übernehmen.
Das führt zu einem „entschädigungslosen Ausscheiden der derzeitigen Aktionäre aus dem Unternehmen und zu einem Delisting der Endor AG-Aktien vom Open Market“, wie Endor mitteilt. Die Aktionäre würden damit komplett enteignet. Ein Investor, den die WirtschaftsWoche am Donnerstag erreicht hat, ist über das Vorgehen entsetzt. „Das ist alles ziemlich link. Wenn ich sage, dass ich enttäuscht bin, dann ist das noch harmlos ausgedrückt“, sagt er. Der Investor fühle sich hinters Licht geführt, ergänzt er.
Ex-CEO erhöhte Rettungsangebot
Endor-Mehrheitsaktionär Thomas Jackermeier äußerte sich am Donnerstag auf Anfrage nicht zu der möglichen Übernahme durch Corsair. Der im März abgesetzte Endor-CEO, der das Unternehmen 1996 gründete, hatte aber zuletzt einen eigenen Rettungsplan vorgelegt und sein Finanzierungsangebot Anfang der Woche erneuert. Am Montag teilte er mit, dass er mit Hilfe einer Investorengruppe mehr als 48 Millionen Euro eingesammelt und das Angebot auch gegenüber dem Vorstand eingereicht habe. Endor erklärt dazu in einer aktuellen Meldung, dass der Vorstand „die Bemühungen des derzeitigen Hauptaktionärs, ein eigenes tragfähiges Konzept zu erstellen“ geprüft habe. „Ein solches Konzept ist jedoch noch nicht erfolgreich erstellt worden“, heißt es weiter.
Unruhig geht es bei Endor bereits seit mehreren Monaten zu: Ein vermeintliches Investorenangebot durch das Unternehmen Birkenstein Capital sorgte zuletzt für Kritik von Anlegerschützern und Aktionären. Was das Angebot wohl brisant macht: Birkenstein Capital soll dem Management um den ehemaligen Unternehmenschef Thomas Jackermeier im Falle eines erfolgreichen Abschlusses der Transaktion eine Erfolgsbeteiligung in Aussicht gestellt haben. In Form von „Sweet Equity“ könnten sie laut einer internen Präsentation am wirtschaftlichen Erfolg der Transaktion per StaRUG-Verfahren beteiligt werden. Laut Fachliteratur steht Sweet Equity regelmäßig für eine anreizorientierte Vergütung bestimmter Personen mit verbilligten Eigenkapitalanteilen an einem Unternehmen.
Thomas Jackermeier, dem das Angebot während seiner Zeit als CEO unterbreitet worden sein soll, lehnte das Angebot ab. Ein Endor-Sprecher teilte mit, dass mit den übrigen Vorstandsmitgliedern über Sweet Equity „weder gesprochen noch verhandelt“ wurde.
Fragen warf auch die Nähe zwischen dem Endor-Finanzchef Matthias Kosch und dem potenziellen Investor Tobias Hoffmann-Becking auf. Beide arbeiteten zuvor bei der Blue Cap AG eng zusammen. Endor bestätigt das. Beide hätten „kollegial und professionell zusammengearbeitet“. Ein Sprecher von Birkenstein Capital teilte mit, zu den zur Endor AG gestellten Fragen keine Stellungnahme abgeben zu wollen.
Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger fordert personelle Konsequenzen
Bei der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) werfen die Vorgänge der vergangenen Monate ebenfalls viele Fragen auf. Die Anlegerschützer haben daher die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung beantragt. Dabei soll der Vorstand Gelegenheit bekommen, sich zur aktuellen Situation zu äußern. Zudem fordert die SdK, dass dem „Vorstandsmitglied Matthias Kosch das Vertrauen entzogen“ werde. Kosch ist seit November als Finanzchef bei Endor tätig. Zudem soll „das Aufsichtsratsmitglied Ingo Weber abberufen“ und durch ein neues Aufsichtsratsmitglied ersetzt werden. Bis zur Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung können aber noch Wochen vergehen. Bis dahin könnte die Übernahme durch Corsair bereits in trockenen Tüchern sein.
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