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Flugzeughersteller in der Krise Schwarzer Tag für Boeing

Boeings 737 Max sorgt für einen schweren Gewinneinbruch beim Konzern. Und die Jets müssen weiter am Boden bleiben. Quelle: dpa

Auch im dritten Quartal läuft es nicht für Boeing. Das Flugverbot für den 737 Max sorgt für einen herben Gewinneinbruch, Ermittler machen Boeing für den 737-Absturz verantwortlich und ein Topmanager verlässt den Konzern.

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Das anhaltende Flugverbot für Boeings Mittelstreckenjet 737 Max hat dem US-Flugzeugbauer auch im dritten Quartal einen herben Gewinneinbruch eingebrockt. Unter dem Strich verdiente der Airbus-Rivale mit umgerechnet rund 1,1 Milliarden Euro nur knapp halb so viel wie ein Jahr zuvor, wie er am Mittwoch in Chicago mitteilte. Der Umsatz sackte wegen der gestoppten Auslieferung des zuvor meistgefragten Flugzeugtyps um 21 Prozent auf knapp 20 Milliarden Dollar ab.

Nach zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Toten hatten Aufsichtsbehörden in aller Welt im März ein Flugverbot für den Typ verhängt. Boeing hatte im zweiten Quartal deshalb sogar einen Milliardenverlust verbucht.

Für einen der beiden 737 Max Abstürze machten die Ermittlungsbehörden Boeing am Mittwoch verantwortlich. So sei die Absturzursache vor einem Jahr in Indonesien nach den Erkenntnissen auch auf unzureichende Angaben des US-Herstellers im Umgang mit Problemen im Bordsystem zurückzuführen. Dies geht aus dem Abschlussbericht hervor, der am Mittwoch in Indonesiens Hauptstadt Jakarta den Familien von Todesopfern vorgestellt wurde.

Bei dem Absturz einer Maschine des Billigfliegers Lion Air kurz nach dem Start in Jakarta am 29. Oktober 2018 kamen alle 189 Insassen ums Leben. Der Bericht wurde den Hinterbliebenen vorab präsentiert.

Dabei ging es insbesondere um das Steuerungsprogramm Maneuvering Characteristics Augmentation System (MCAS), das von Boeing eigens für die 737 Max entwickelt wurde. Die Piloten können das System mittels zweier Schalter im Cockpit wieder abstellen, was aber offensichtlich nicht geschah. Offenbar lieferte ein außen angebrachter Sensor falsche Daten. Die Piloten hatten immer wieder versucht, die Maschine nach oben zu ziehen – ohne Erfolg.

Im Bericht heißt es nun, während der Entwicklung und Zertifizierung der Maschine seien von Boeing Angaben zum Umgang mit „Fehlfunktionen“ gemacht worden, die zwar im Einklang mit den Richtlinien gestanden hätten. Trotzdem seien sie aber „unkorrekt“ gewesen. So heißt es: „Auf der Grundlage von falschen Annahmen über die Reaktion der Piloten und eine unvollständige Überprüfung der damit verbundenen Auswirkungen mehrerer Flugfehler wurde die Abhängigkeit von MCAS von einem einzigen Sensor als angemessen erachtet.“ Das System sei allein auf diesen Sensor ausgerichtet gewesen, was es für einen Fehler „anfällig“ gemacht habe. Der Bericht soll in den nächsten Tagen der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Bereits gestern verließ Top-Manager Kevin McAllister inmitten der Krise um den Unglücksjet 737 Max den Konzern. Neuer Chef der Verkehrsflugzeugsparte ist nun Stan Deal, der seit 1986 im Konzern ist und zuvor den für Kundendienstleistungen zuständigen Geschäftsbereich Global Services führte.

Neben den großen Problemen um die 737-Abstürze und dem Abgang des Managers machen dem Hersteller auch noch andere Baustellen zu schaffen: So drosselt der Konzern ab Ende 2020 vorläufig die Produktion seines Großraumjets 787 „Dreamliner“. Zudem verschiebt er die erste Auslieferung des modernisierten Großraumjets 777X nach technischen Problemen jetzt auf Anfang des Jahres 2021. „Höchste Priorität hat weiterhin die sichere Rückkehr der 737 Max in den Flugbetrieb“, sagte Boeing-Chef Dennis Muilenburg.

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