Vor dem Fed-Entscheid: Anleger fiebern der Zinssenkung entgegen
Anleger warten gespannt auf die Worte des Chefs der mächtigsten Notenbank der Welt. Am Mittwoch entscheidet die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) über ihren weiteren Zinskurs. Fed-Chef Jerome Powell hat mit seinen Aussagen in der Vergangenheit regelmäßig für starke Bewegungen an den Märkten gesorgt.
Große Überraschungen sind jetzt zumindest kurzfristig nicht zu erwarten. Die Anleger rechnen fest mit einer Zinssenkung um 0,25 Prozentpunkte. Der Leitzins in den USA läge dann in einer Spanne von 4,0 bis 4,25 Prozent. Es wäre die erste Zinssenkung seit einem Jahr.
Für Spannung könnte der Ausblick sorgen, den die Notenbank zeitgleich mit ihrem Zinsentscheid veröffentlicht. In ihrer vierteljährlich aktualisierten Wirtschaftsprognose legt sie dar, wie sie das Wachstum, die Arbeitslosigkeit und die Inflation in den nächsten Quartalen einschätzt. Daraus lässt sich ableiten, ob weitere Zinssenkungen geplant sind.
Powell hat zuletzt abgewartet, wie sich die Preise im Umfeld der von den USA verhängten Importzölle entwickeln. Auch, wenn Donald Trump seit seinem Amtsantritt vehement niedrigere Leitzinsen fordert: Zinssenkungen dürften die Inflation anheizen. Beim Notenbankertreffen in Jackson Hole stellte Powell gleichwohl eine Zinssenkung im September in Aussicht.
Wall Street auf Rekordjagd
Die Aussicht auf niedrigere Zinsen beflügelt die Wall Street. Vor allem Technologiewerte und Aktien, die vom Hype um künstliche Intelligenz (KI) profitieren, treiben US-Indizes auf neue Rekorde.
Der Technologieindex Nasdaq Composite schloss zum Wochenstart am Montag mit einem Plus von 0,94 Prozent. Im Tagesverlauf hatte er ein neues Rekordhoch von 22.352 Zählern erreicht. Der Nasdaq 100 stieg zeitweise auf einen neuen Spitzenwert von 24.293 Punkten. Der marktbreite S&P 500 rückte bis auf 6619 Punkte vor. Auch er knackte damit einen neuen Rekord. Seit Jahresbeginn hat der S&P 500 zwölf Prozent zugelegt. Der Dow Jones hingegen schloss nur minimal höher bei 45.883 Punkten und damit unterhalb seines jüngsten Rekordhochs.
Wie lange die überraschend starke Rally an den US-Aktienmärkten noch anhalten wird, hängt auch von den Zinsaussichten ab. Sollte Powell die Zinsen doch nicht senken oder weiteren Zinsschritten nach unten eine klare Absage erteilen, könnte das den Optimismus an den Märkten dämpfen.
Dax tritt auf der Stelle
Während die US-Börsen auf Rekordjagd sind, tendiert der Dax seitwärts. Vor dem Fed-Zinsentscheid bleiben Anleger am deutschen Aktienmarkt vorsichtig. Nach einem soliden Wochenauftakt schwächelte der deutsche Aktienmarkt zum Handelsstart am Dienstag. Der Dax gab in den ersten Handelsminuten leicht nach, auf 23.706 Punkte. Auch der kleinere MDax und der europäische Euro Stoxx 50 gingen zum Start in den Dienstag leicht zurück.
„Aus charttechnischer Sicht steckt der deutsche Leitindex in einer Konsolidierung knapp unterhalb der 100-Tage-Linie fest“, schreiben Analysten der Schweizer Bank UBS. Der Dax bewegt sich seit Juni seitwärts. Frische Impulse könnten der am Dienstag veröffentlichte ZEW-Konjunkturindex sowie die Produktionsdaten der Industrie in der Euro-Zone und den USA bringen.
Asien profitiert von Zinshoffnung
In Asien wurde die Aussicht auf sinkende Zinsen in den USA positiv aufgenommen. Für Optimismus sorgt zudem die Hoffnung auf eine Entspannung im Verhältnis zwischen den USA und China. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans erreichte kürzlich den höchsten Stand seit mehr als vier Jahren. In Taiwan, Südkorea und Japan verzeichneten die jeweiligen Leitindizes neue Rekorde. Der japanische Nikkei überschritt erstmals die Marke von 45.000 Punkten.
„Es scheinen inzwischen eine ganze Reihe von Zinssenkungen eingepreist zu sein“, so Thomas Mathews, Experte für den asiatisch-pazifischen Raum bei Capital Economics, gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Doch nicht alle asiatischen Börsen teilen den Optimismus. In China gaben die Kurse nach. Der Shanghai-Index SSE Composite verlor 0,4 Prozent, der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen CSI 300 sogar 0,7 Prozent.
Firmenbonds sind beliebt
Am Anleihemarkt richten Investoren den Blick weiterhin nach Frankreich. Die Ratingagentur Fitch hat die Bonität des Landes wegen wachsender Schulden zuletzt von AA- auf A+ herabgestuft. An den Märkten löste der Schritt jedoch kaum Reaktionen aus, da er weitgehend erwartet worden war.
Auffälliger ist eine andere Entwicklung: Französische Unternehmensanleihen rentieren zum Teil niedriger als Staatsanleihen. Das heißt: Ihre Kurse sind gestiegen. Französische Unternehmen nutzen das Interesse von Anlegern, um sich am Kapitalmarkt frisches Geld zu besorgen.
Nachdem der damalige Premierminister François Bayrou Ende August die Vertrauensfrage für den 8. September angekündigt hatte, drängten zahlreiche französische Unternehmen mit neuen Anleihen auf den Markt, darunter Carrefour, Orange, Accor, Danone und Schneider Electric. Viele Firmen wollten offenbar handeln, ehe ein mögliches Misstrauensvotum (das dann ja auch kam) die Finanzierungsbedingungen verschlechtern würde.
Die Sorgen über steigende Staatsschulden nicht nur in Frankreich, sondern vor allem auch in den USA, haben in diesem Jahr die Renditen langlaufender Staatsanleihen in vielen Ländern in die Höhe getrieben. Umso mehr richten sich nun die Blicke wieder auf die US-Notenbank. Ihre Entscheidung über die künftige Zinspolitik dürfte nicht nur den Ton an den Aktienmärkten vorgeben, sondern auch maßgeblich darüber entscheiden, wie sich die Renditen an den globalen Anleihemärkten entwickeln.
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