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ImmobilienkonzernVonovia rüstet sich nach Gewinnplus für Folgen des Zinsanstiegs

Der Immobilien-Riese Vonovia hat im ersten Halbjahr ein deutliches Gewinnplus verbucht. Der Konzern will nun Wohnungen verkaufen und Partner suchen. 03.08.2022 - 09:43 Uhr aktualisiert

Deutschlands größtes Immobilienunternehmen veröffentlicht am Mittwoch (03.08.2022) seine Geschäftszahlen für das erste Halbjahr.

Foto: dpa

Der Immobilien-Riese Vonovia bereitet sich nach einem deutlichen Gewinnplus im Halbjahr auf die Folgen gestiegener Kapitalkosten durch die Zinswende der Europäischen Zentralbank (EZB) vor. Dazu wollen sich die Bochumer über die Jahre von Wohnungen und Einfamilienhäusern im Volumen von rund 13 Milliarden Euro trennen. Zudem will Konzernchef Rolf Buch Investoren über Gemeinschaftsunternehmen mit ins Boot holen. Seine Prognosen für 2022 bekräftigte Buch. Auch die hohen Energiekosten beschäftigen Vonovia - Mietern, die ihre stark gestiegenen Nebenkosten nicht zahlen können, solle nicht gekündigt werden, stellte Buch in Aussicht.

„In Zeiten höherer Zinsen ist es sinnvoll, Schulden zu reduzieren“, sagte Buch. Dies sei im Halbjahr bereits geschehen. In den ersten sechs Monaten verdiente Vonovia auch deutlich mehr. Der Gewinn aus dem operativen Geschäft (Group FFO) - die bei Immobilienfirmen zentrale Kennziffer - erhöhte sich in den ersten sechs Monaten durch die Übernahme des kleineren Konkurrenten Deutsche Wohnen, steigende Mieten und einen niedrigen Leerstand um 36,3 Prozent auf 1,06 Milliarden Euro. Vonovia hatte die Deutsche Wohnen vergangenes Jahr geschluckt, der Konzern verfügt aktuell über rund 550.000 Wohnungen. Für den Zukauf hatte Vonovia rund 17 Milliarden Euro auf den Tisch gelegt.

Vonovia habe nun „einige Portfolien identifiziert, die sich für einen Verkauf eignen“, sagte Buch. Diese Wohnungen und Mehramilienhäuser werde Vonovia über die Jahre verkaufen. „Das hat nichts mit einem Ausverkauf zu tun“, versicherte Buch. Bei der Tochter Deutschen Wohnen steht zudem die Pflegeheim-Sparte auf dem Prüfstand. Vonovia peilt darüber hinaus für einzelne Projekte auch Partnerschaften mit Investoren an. Diese könnten sich ebenfalls im Milliarden-Volumen bewegen, sagte Buch. Im neuen Umfeld werde es auch keine Zukäufe mehr geben. Eine Aufstockung oder eine Übernahme des angeschlagenen Immobilien-Konzerns Adler Group „werden im derzeitigen Marktumfeld ausgeschlossen“. Vonovia ist mit rund 20,5 Prozent an Adler beteiligt. Wegen des gesunkenen Adler-Aktienkurses musste Vonovia die Beteiligung im Halbjahr um rund 160 Millionen Euro abwerten.

Die Immobilienpreise kannten in Deutschland über Jahre nur einen Weg - nach oben. Die Immobilienkonzerne bildeten dies in ihren Bilanzen ab und schrieben die Werte ihrer Bestände hoch, auch Vonovia wertete im Halbjahr einen Teil des Portfolios auf. Wegen der stark gestiegenen Zinsen zeichnet sich am Immobilienmarkt in der Bundesrepublik indes eine Trendwende ab. So brach die Nachfrage nach Kauf-Immobilien im zweiten Quartal 2022 binnen Jahresfrist um 36 Prozent ein, wie das Online-Portal Immoscout erklärte hatte. Der Immobilienmarkt befinde sich in einer Phase der Anpassung an die neue ökonomische Realität, erklärte Immoscout24. Denn gestiegenen Rohstoff- und Baukosten wegen der Corona-Pandemie und des Ukraine-Kriegs, die hohe Inflation und vor allem das deutlich gestiegene Zinsniveau hätten Spuren hinterlassen. Die deutlich höheren Finanzierungskosten für den Immobilienkauf lassen derweil die Nachfrage nach Mietwohnungen um 48 Prozent steigen, wie Immoscout24 weiter mitgeteilt hatte. Dieser Trend spielt Vonovia wiederum in die Karten.

Deutschland kann die Heizungen weiter herunterstellen

Auf die Mieter kommen indes durch rapide gestiegenen Energie-Kosten deutlich höhere Nebenkostenabrechungen zu. „Vor diesem Hintergrund unterstützen wir den Ansatz der Bundesregierung, ein befristetes Kündigungsmoratorium für die Mieterinnen und Mieter zu vereinbaren“, betonte Buch. Ein solches Moratorium stelle aber nur eine Stundung der nicht bezahlten Rechnungen dar - „finanziell überforderte Haushalte“ sollten von der öffentlichen Hand „eine angemessene Förderung erhalten“. Vonovia hatte bereits angekündigt, bei Gas-Zentralheizungen die Leistung zwischen 23 und 6 Uhr auf 17 Grad Celsius zu reduzieren. 55 Prozent der Heizungen in den Vonovia-Wohnungen werden mit Gas versorgt. Buch stellte sich hinter Forderungen des Konkurrenten LEG Immobilien nach gesetzlichen Möglichkeiten, die Temperaturen stärker als bisher absenken zu können. Dies sei auch im Interesse der Mieter. „Dieses Land kann die Heizungen noch weiter runterstellen“, unterstrich Buch.

Lesen Sie auch: Diese Herausforderungen muss die Vonovia meistern

dpa, rtr
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