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Nach Milliarden-Abschreibung Arriva-Chef verlässt die Deutsche Bahn

Exklusiv
Der 54-Jährige Manfred Rudhart wird bis Jahresende an der Spitze bei Arriva abgelöst. Quelle: imago images

Einen Tag nach der verkündeten Milliarden-Abschreibung auf die britische Nahverkehrstochter Arriva verlässt der derzeitige Vorstandschef Manfred Rudhart das Unternehmen.

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Der 54-jährige Rudhart werde bis Jahresende abgelöst, erfuhr die WirtschaftsWoche aus Unternehmenskreisen. Eine Sprecherin der Deutschen Bahn bestätigte die Personalie. Man habe sich auf „eine Vertragsauflösung geeinigt“. Ein Nachfolger sei bereits gefunden, er werde bis Jahresende kommen. „Bis zum Einstieg wird Manfred Rudhart weiter die Geschäfte bei DB Arriva führen und einen reibungslosen Übergang sicherstellen“, sagte die Sprecherin der WirtschaftsWoche. Rudhart war seit 2015 Chef von Arriva, zuvor leitete er die deutsche Nahverkehrstochter DB Regio.

Die Deutsche Bahn hatte Arriva 2010 für fast drei Milliarden Euro gekauft und seither als Perle im Konzernverbund beworben. Auf der Pressekonferenz am Donnerstag vermeldete die Bahn aber eine Sonderabschreibung in Höhe von 1,4 Milliarden Euro auf Arriva. Die Wertberichtigungen seien nötig geworden, weil die Geschäfte schlechter liefen als erwartet. Als Grund nannte Finanzvorstand Levin Holle die Coronakrise. Die Nachfrage nach Bus- und Bahnfahrten sei eingebrochen, die Einnahmen entsprechend gesunken.

Die Probleme sind aber auch hausgemacht. Im März dieses Jahres wurde Arriva die Lizenz für den Betrieb der Linie Northern Rail zwischen Manchester und Leeds entzogen. Die Linie wurde kurzfristig verstaatlicht. Grund hierfür waren Qualitätsprobleme, es kam zu massiven Zugverspätungen und -ausfällen. Der Vertrag hätte eigentlich erst 2025 enden sollen. Die Verstaatlichung der Linie war eine peinliche Niederlage für die Deutsche Bahn.

Die Bahn wollen weiter an dem Ziel festhalten, die Nahverkehrstochter Arriva zu verkaufen. Ursprünglich rechnete die Bahn für Arriva mit einem Erlös von mehreren Milliarden Euro. Wegen der Coronakrise und des Brexits dürfte der Preis nicht mehr zu erzielen sein. Arriva erwirtschaftet rund 60 Prozent des Umsatzes in Großbritannien. Ein Börsengang ist angesichts der Lage unwahrscheinlich. Dennoch bestätigte Finanzvorstand Holle die Verkaufspläne: „Arriva wird nicht Teil des Konzerns bleiben.“

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