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Start der Weltausstellung in Dubai Für 58 Millionen Euro: Das ist Deutschlands Expo-Pavillon

Der deutsche Expo-Pavillon in Dubai.

Die Expo in Dubai startet. Der deutsche Pavillon präsentiert in seiner Schau deutsche Lösungen für die Themen Klimawandel und Nachhaltigkeit. Die Besucher dürfen auch miteinander schaukeln. Ein Ortsbesuch.

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Der deutsche Botschafter in den Vereinigten Arabischen Emiraten kriegt sich gar nicht mehr ein vor Freude: „Ich bin stolz auf das, was wir hier präsentieren“, jubelt Ernst Peter Fischer auf der Pressekonferenz zur Vorstellung des deutschen Expo-Pavillons in Dubai. Fischer kriegt sich gar nicht mehr ein: „Es ist eine Wow-Erfahrung. Definitiv: Wow!“ Eine Freundin von ihm aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, die schon mal einen Blick in die Ausstellung werfen durfte, hätte sogar geweint vor Rührung, berichtet der Botschafter.

Nun: Zum Weinen ist der deutsche Pavillon auf der Expo eher nicht. Höchstens die Kosten: 50 Millionen Euro waren geplant – weil die Expo coronabedingt nun erst ein Jahr später stattfindet, sind es nun 58 Millionen Euro geworden, die das Bundeswirtschaftsministerium zahlen muss.

Rückblick: Ein Donnerstag Anfang September. Die WirtschaftsWoche darf den Pavillon und das streng bewachte Expo-Gelände in Dubai vor der Eröffnung besichtigen.

Kurios ist: Der Taxifahrer findet die Expo nicht. Immerhin: Er hat noch ein paar Tage Zeit, die Ausstellung ist zu diesem Zeitpunkt noch eine Baustelle. Vor Ort angekommen wird klar: Dubais Marketing-Maschine ist intakt. „Connecting minds, creating the future“ – Gedanken verbinden, die Zukunft gestalten, das ist das Motto der Weltausstellung. Schon in der Eingangshalle der Expo-Verwaltung grüßen mehrere Porträts von Dubais Machthaber Scheich Mohammed bin Rashid al-Maktoum. Auch ein Bildband mit ausgewählten Zitaten des Herrschers liegt bereit. Der Scheich will sein Emirat auf der Expo als großes Zukunftslabor präsentieren. 

Zwei Pressesprecher führen zu Khalid Sharaf, der auf der Expo für die Vernetzung von Unternehmen zuständig ist. „Die ganze Welt wird auf Dubai schauen. Wir werden davon profitieren“, sagt er. 25 Millionen Besuche werde die Expo verzeichnen, sagt er voraus. Auch von Unternehmen.

25 Millionen Besuche

Gekonnt rasselt Sahraf die Daten der Expo herunter: Vom 1. Oktober 2021 bis zum 31. März 2022 ist die Weltausstellung geöffnet, gerechnet wird mit 25 Millionen Besuchen. Die drei großen Unterthemen der Expo sind: Chancen, Mobilität und Nachhaltigkeit – und nach diesen Themenwelten sind auch die Pavillons auf der 4,38 Quadratkilometer großen Fläche im Süden Dubais angeordnet.

Die Zukunft der Großstädte – im „Future City Lab“. Quelle: Presse

Wenn die Expo endet, soll aus dem Gelände eine Stadt der Zukunft werden. „Dubai soll ein Hub für Innovationen werden“, sagt Expo-Mann Khalid Sharaf.

Dann geht es – wieder in Begleitung von zwei Mitarbeiterinnen – durch eine strenge Sicherheitsschleuse zum deutschen Pavillon, der sich im Nachhaltigkeitsbereich der Ausstellung befindet.

Ein weiterer Blick ins „Future City Lab“. Quelle: Presse

Ab ins Bällebad

„Campus Germany“ heißt der Pavillon, noch sind zu diesem Zeitpunkt nicht alle Räume zugänglich. Die Besucher sollen hier etwas lernen. Es geht um die Themen, die auch das Wahljahr in Deutschland bestimmt haben: Klimawandel und Nachhaltigkeit.Am Eingang des Pavillons schreiben sich die Besucher wie zu einem Studium ein und bekommen ein Namensschild. Es ist ein intelligentes Schild, das beim Rundgang Daten sammeln wird. Denn zwischendrin sollen die Gäste Fragen beantworten. Etwa diese: Sollen wir in Zukunft nur noch erneuerbare Energien nutzen? Für die Antworten ja und nein gibt es unterschiedliche Türen, durch die man gehen kann, die Auswahl wird auf dem Namensschild gespeichert und später ausgewertet.

In einer Willkommens-Halle will sich Deutschland als Nachhaltigkeits-Zentrum präsentieren. In Form eines Bällebads. In 100.000 gelben Bällen sind kurze Geschichten zum Thema Nachhaltigkeit gespeichert, die abgerufen werden können, wenn die Bälle vor einen Sensor gehalten werden.

Weiter geht es in drei Labore. Im „Energy Lab“ erfahren die Expo-Besucher etwa von deutschen Startups, die Energie aus der Kraft von Wellen (die Firma Nemos) oder Windenergie mit Drachen (Firma Enerkite) gewinnen.

Die Terrasse des „Energy Lab“ bietet einen Blick über andere Pavillons. Quelle: Presse

Im „Future City Lab“ geht es um das zukünftige Leben in den Städten. Das Konzept der Landwirtschaft auf Häuserdächern wird vorgestellt. Aufzüge von ThyssenKrupp, die horizontal schweben, also zwischen Gebäuden wechseln und so mehr Verkehr von der Straße holen können. Oder die Firma CargoCab, die die letzten Meter der Lieferkette mit einer Kapsel unter der Erde zurücklegt.

Im „Biodiversity Lab“ des deutschen Expo-Pavillons. Quelle: Presse

Im „Biodiversity Lab“ wird ein Forschungsprojekt von der RWTH Aachen vorgestellt: Die Forscher haben Bakterien entwickelt, die Plastik fressen und in kompostierbares Bio-Plastik verwandeln. Es ist eine kurzweilige und pfiffig aufgemachte Ausstellung.

Sauerbraten und Currywurst

In der „Graduation Hall“ kommt das große Finale: Hier werden die Daten, die das Namensschild gesammelt hat, ausgewertet. Die Besucher nehmen in Schaukeln Platz und sollen durch synchrones Hin- und Herschaukeln mit den anderen internationalen Besuchern verstehen, dass sie nur gemeinsam etwas bewegen können. Vielleicht war das der Moment, wo die Freundin des deutschen Botschafters weinen musste.

Der Höhepunkt der Ausstellung: die

Vielleicht hat sie sich im Restaurant des deutschen Pavillons mit deutschen Spezialitäten trösten lassen. Dort gibt es Sauerbraten, Frikadellen und Currywurst. Und deutsches Bier.

Mehr zum Thema: Dubai lockt deutsche Unternehmer und Glücksritter mit niedrigen Steuern und Luxus. Doch das Wirtschaftsmärchen aus 1001 Nacht geht zu Ende.

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