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Tauziehen um ProSiebenSat.1Berlusconi-Holding MFE erhöht Angebot

Zwei Großaktionäre streiten um den deutschen Medienkonzern ProSiebenSat.1. Nun legt einer der beiden nach. 28.07.2025 - 13:27 Uhr aktualisiert
Logo und Schriftzug der „ProSiebenSat.1 Media SE“. Foto: dpa

Zwei Übernahmeangebote für ein Unternehmen – das ist selten. Bei ProSiebenSat.1 ringen die beiden Großaktionäre, die italienische Berlusconi-Holding MFE-MediaForEurope und die tschechische PPF um die Vorherrschaft. Bis zum 13. August laufen ihre Kaufofferten parallel. Doch wer gewinnt die Oberhand?

Die Holding der Berlusconi-Familie erhöhte am Montag ihr Angebot für den Medienkonzern ProSiebenSat.1. Die italienische Unternehmensgruppe MediaForEurope (MFE) bietet nun 1,3 eigene Anteile je Aktie statt bisher 0,4. Das gilt zusätzlich zum Barangebot von 4,48 Euro je Aktie. Damit steige der Wert auf 8,62 Euro je ProSiebenSat.1-Aktie, hieß es.

Die Ausgangslage

MFE war zuvor mit einer Übernahmeofferte vorgeprescht und bot 4,48 Euro in bar sowie 0,4 seiner in Mailand notierten, aber wenig gehandelten A-Aktien. Rechnerisch summierte sich das am Donnerstag auf knapp 5,64 Euro. Das liegt weit unter dem Börsenkurs der ProSiebenSat.1-Aktie von 7,19 Euro. PPF bietet 7,00 Euro je Aktie in bar, will seinen Anteil von derzeit rund 15 Prozent damit aber auf maximal 29,99 Prozent aufstocken. Werden der Investment-Holding der Erben des Milliardärs Petr Kellner mehr Aktien angedient als sie kaufen will, würden die Angebote nur anteilig angenommen.

Was wollen die beiden Bieter?

MFE hat sein erstes Ziel bereits erreicht. Die Italiener haben die Schwelle von 30 Prozent überschritten. Damit könnten sie nach dem Ablauf ihres Angebots Schritt für Schritt am Markt weitere ProSieben-Aktien am Markt kaufen, ohne ein – teureres – Pflichtangebot für das ganze Unternehmen vorlegen zu müssen. Bis dahin sind ihnen die Hände gebunden: Kaufen sie nur eine Aktie für mehr als ihr bestehendes Angebot, müssten sie den gleichen Preis allen zahlen. Das strategische Ziel von MFE ist klar: ProSiebenSat.1 soll perspektivisch in einen paneuropäischen Fernsehkonzern eingebunden werden, der den US-Streaming-Riesen wie Netflix und Amazon Paroli bieten kann.

PPF scheut derzeit ein Übernahmeangebot für ProSiebenSat.1 und will deshalb unter der 30-Prozent-Schwelle bleiben. Die Tschechen, die in Osteuropa und Skandinavien im Fernsehgeschäft aktiv sind, wollen ProSiebenSat.1 nach eigenem Bekunden unabhängig halten und sehen sich dabei als Verbündeter des ProSieben-Managements. Während MFE auf einen möglichst schnellen Verkauf der Online-Beteiligungen wie Flaconi.de und Parship Meet drängt, tritt PPF auf die Bremse und will lieber später zu einem besseren Preis verkaufen.

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Was passiert nach dem Ablauf der Offerte?

„Danach hätten wir nichts dagegen, einen starken Partner mit Erfahrung im Mediensektor zu haben“, umwirbt MFE-Chef Pier Silvio Berlusconi die Tschechen. Pier Silvio Berlusconi ist der Sohn des verstorbenen ehemaligen italienischen Premierministers Silvio Berlusconi.

Doch deutet nichts darauf hin, dass er bei PPF auf Gegenliebe stoßen würde. Sie würden wohl eher verkaufen, wenn ihr Einfluss auf ProSieben nicht wüchse. Doch um weitere Aktien zu erwerben – von wem auch immer –, müssten die Italiener wohl mehr hinlegen als sieben Euro je Aktie. Zur Mehrheit ist der Weg noch weit.

Welche Rolle spielt Kulturstaatsminister Weimer?

Deutschlands Kulturstaatsminister Wolfram Weimer sieht die journalistische Unabhängigkeit bei ProSiebenSat.1 in Gefahr, sollte der Berlusconi-Konzern den deutschen Medienkonzern übernehmen. „Es hat eine Übernahmeschlacht begonnen, über deren Ausgang ich mir Sorgen mache“, sagte der auch für Medien zuständige Staatsminister dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“. „Meine Besorgnis kreist um die Frage, ob die journalistische und wirtschaftliche Unabhängigkeit auch nach einem Eigentümerwechsel gewahrt bleibt.“

Auch die Bundesregierung äußerte Bedenken gegen eine Mehrheitsübernahme: Diese dürfe die Medienlandschaft in Deutschland nicht negativ beeinflussen, sagte ein Regierungssprecher am Montag in Berlin.

Weimer kündigte ein Gespräch mit dem Sohn des verstorbenen Medienmoguls Silvio Berlusconi an. „Wenn ein ausländischer Investor einen derart wichtige Institution der Meinungsbildung in Deutschland übernimmt und kontrollieren könnte, dann sollten wir schon genau hinschauen, wer dahintersteht und welche Verbindungen dabei Einfluss haben. Das wird Inhalt meines Gespräches mit Herrn Berlusconi sein.“ Verschiedenen Medienberichten zufolge soll das Treffen im September sein.

Weimar sagte dem „Spiegel“, er erwarte Transparenz. „Wir prüfen und betreiben eine offene Folgenabschätzung.“ Und weiter sagte der Minister: „Wir müssen wissen, wie die politische Einflussnahme von neuen, ausländischen Eigentümern beschaffen sein wird.“

rtr, dpa
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