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Tourismus Wie die Kreuzschifffahrt umweltfreundlicher werden will

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Lückenhafte LNG-Versorgung stellt Reedereien vor Probleme

Aida und TUI Cruises gehören heute zu den Vorreitern, was die Abgasreinigung angeht, setzen dabei aber auf unterschiedliche und nicht immer reibungslos funktionierende Technologien. Während die TUI-Kreuzfahrer auch in Zukunft auf die Scrubber-Lösung setzen – die beiden noch im Bau befindlichen neuen Schiffe bekommen zusätzlich noch einen Harnstoff-Katalysator – haben Aida und deren Carnival-Schwester Costa sich für eine andere Lösung entschieden und vier mit Flüssigerdgas (LNG) betriebene Schiffe bestellt. Drei weitere LNG-Neubauten sollen nach Fertigstellung bei anderen Carnival-Marken eingesetzt werden. MSC hat ebenfalls vier gasgetriebene Schiffe bestellt.

Für Aida ist die LNG-Technik bereits der zweite Versuch, das Thema Abgasreinigung in den Griff zu bekommen. Noch bei der gerade mal knapp zwei Jahre alten „AidaPrima“ und dem etwas neueren Schwesterschiff „AidaPerla“ setzte die Rostocker Reederei auf ein von der japanischen Mitsubishi-Werft entwickeltes, dreistufiges sogenanntes Exhaust-Cleaning-Gas-System, was allerdings bis heute nicht den Segen deutscher Genehmigungsbehörden erhalten hat und deshalb nicht überall eingesetzt werden darf.

Mit den LNG-Schiffen betreten Aida und Costa Neuland, der flüssige und im Vergleich nahezu schadstofffreie Treibstoff wurde bislang nur bei kleineren Handelsschiffen benutzt. Die Motoren der „AidaNova“, ihrem noch namenlosen Schwesterschiff und den übrigen in den Order-Büchern der Werften stehenden LNG-Dampfer sind weitgehend identisch mit denen, die etwa die TUI-Mein-Schiff-Flotte antreibt, haben aber einen nochmal um 25 Prozent niedrigeren CO2-Ausstoß.

Bis zur Übergabe ihrer Saubermann-Neubauten müssen Aida und Costa noch operative Herausforderungen lösen. LNG ist heute noch längst nicht in allen von Kreuzfahrtschiffen angelaufenen Häfen verfügbar. Um die LNG-Versorgung in Zukunft zu verbessern, ist die Carnival-Gruppe eine Partnerschaft mit Shell eingegangen. Bis die Gas-Logistik steht, müssen die Reedereien allerdings zweigleisig fahren: Neben den drei Gastanks – der Inhalt soll bei Aida im Normalbetrieb für zwei Wochen reichen – haben die Schiffe auch noch Tanks für Marine-Diesel an Bord, was Platz beansprucht und zusätzliche Kosten verursacht. Bau und Betrieb der LNG-Schiffe sind darum um bis zu 30 Prozent höher als bei Schiffen mit konventionellem Antrieb.

Die Abgasreinigung ist das wichtigste, weil bisher noch nicht vollständig gelöste Problem der Kreuzfahrtanbieter. Alles was sonst in Sachen Umweltschutz an Bord der Schiffe passiert, haben die Betreiber dank ausgereifter Technik und eingespielter Abläufe und Prozesse mittlerweile ziemlich gut im Griff.

Das Thema Wasser und Abwasser zum Beispiel. Im Gegensatz zu früher, als Frischwasser in großen Tanks mitgeführt und in jedem Hafen ergänzt werden musste, haben moderne Kreuzfahrtschiffe heute eigene Meerwasserentsalzungsanlagen an Bord. Und wo in der Vergangenheit die Abwässer ungeklärt ins Meer geleitet wurden, arbeiten heute aufwändige und mehrstufige Kläranlagen. Das sogenannte Grauwasser aus Duschen und Spülküchen, die Schwarzwasser genannten Toilettenabwässer sowie die flüssigen Abfälle aus Küchen und Restaurants werden in großen Mischtanks gesammelt, gefiltert und in einem Bio-Reaktor gereinigt.

„Dabei werden die organischen Bestandteile durch Bakterien zersetzt“, erklärt „Mein Schiff 4“-Umweltoffizier Popa. „In einer sogenannten Flotationsanlage werden verbleibende Feststoffe mit Hilfe von Sauerstoff an die Oberfläche geschwemmt und dort abgeschöpft.“ Anschließend wird nochmals gefiltert, zum Schluss werden Keime und Bakterien durch Bestrahlung mit UV-Licht abgetötet. „Was dann übrig bleibt, hat fast Trinkwasser-Qualität und dann deshalb problemlos ins Meer geleitet werden“, versichert Umweltmanagerin Damm.

Das Gleiche passiert mit einem Teil des an Bord anfallenden Mülls, des Nachts über Bord gekippt wie in der Vergangenheit, wird der Abfall schon lange nicht mehr. Wie an Land wird zunächst getrennt: Glas und Dosen werden zerkleinert und in den Häfen entsorgt, Papier und Plastik in einer Müllverbrennungsanlage verbrannt. Die Abfälle aus den Küchen und die Lebensmittelreste aus den zehn Restaurants der „Mein Schiff 4“ dagegen werden über dicke Vakuum-Rohrleitungen – wie der Staub in einem Staubsauger in den Beutel – in einen Sammelbehälter geleitet, dort geschreddert und schließlich außerhalb der Zwölf-Seemeilen-Zone ins Meer verklappt.

Obwohl das gut funktioniert, gehört es zur Job-Beschreibung der Umweltmanagerin bei TUI-Cruises, ständig über Verbesserungen nachzudenken. Ihr neuestes Projekt soll zum Beispiel dazu beitragen, die Lebensmittelverschwendung zu verringern. Bei dem zusammen mit dem gemeinnützigen Verein United against Waste (UaW) durchgeführten Pilotprojekt auf „Mein Schiff 4“ wurden die Abfälle gemessen und analysiert. Zwei Dinge fielen bei dieser Analyse besonders auf: Ein Großteil des Lebensmittelmülls waren Brotreste sowie Reste von den Buffets.

Die daraus abgeleiteten Veränderungen sind ebenso simpel wie wirkungsvoll: Brot wird nur noch an Tischen eingedeckt, wo auch Passagiere Platz genommen haben, außerdem wurden die Brotkörbe verkleinert. Ebenfalls verkleinert wurden die Behälter für Salate, Dressings und andere Speisen an den Selbstbedienungsbuffets. Dadurch muss weniger weggeworfen werden, wenn die Restaurants schließen. Über das Ergebnis freut sich Umweltmanagerin Damm: „Allein im Selbstbedienungsrestaurant haben sich die Lebensmittelabfälle um rund ein Fünftel verringert.“

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