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Verkauf geht in heiße Phase „Bei Germania geht es nur quick and dirty“

Germania-Insolvenz: Zwei Kaufangebote Quelle: dpa

Zwei Wochen bleiben Germania-Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg um die insolvente Fluglinie zu verkaufen. Danach beginnen die juristischen Aufräumarbeiten. Der Fall werde ihn noch Jahre beschäftigen, sagte er.

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Als Rüdiger Wienberg Anfang Februar zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Fluglinie Germania bestellt wurde, schien er ein Himmelfahrtskommando übernommen zu haben. Das Fluggerät stand am Boden, die Gehälter der rund 1700 Mitarbeiter der Gruppe waren überfällig und auch die Politik hatte deutlich gemacht, dass es anders als im Fall Air Berlin keine Unterstützung geben würde. Kurz: Wienbergs Rolle schien auf die des Abwicklers festgelegt zu sein.

Der erfahrene Jurist, der als Mitgründer und Namenspartner der Kanzlei hww hermann wienberg wilhelm eine der führenden auf Insolvenz- und Sanierungsverfahren spezialisierten Kanzleigruppen steuert, machte sich trotzdem daran zu retten, was zu retten ist - mit einer gehörigen Portion Optimismus im Gepäck. Denn der, sagt Wienberg, gehöre schließlich zu seinem Beruf. „Wenn Sie nicht die Zuversicht haben, dass eine Rettung gelingt, dann können Sie nur noch das Licht ausmachen, den Schlüssel umdrehen und den Verwertungserlös verteilen“, sagt Wienberg. Dazu will er es bei Germania nicht kommen lassen. In den kommenden zwei Wochen dürfte sich zeigen, ob sich sein Einsatz auszahlt: Der Verkauf von Germania geht in die entscheidende Phase. „Wir nähern uns der Ziellinie“, sagte Wienberg der WirtschaftsWoche. „Am 31. März endet der Insolvenzgeldzeitraum – bis dahin muss klar sein, wohin die Reise geht“, so Wienberg.

Der Berliner Jurist verhandelt derzeit über verschiedene Verkaufsvarianten. Darunter sei zum einen eine „Paketlösung“, die wesentliche Teile von Germania vom Flugbetrieb bis zur Technik umfasst. Zum anderen gehe es um Einzelverkäufe von Teilen der Gruppe. „Der große Deal bleibt unser Ziel“, sagte Wienberg. Die Insolvenzverwaltung müsse aber alle Optionen verfolgen.

Konkret ist demnach ein Bieter an einer Paketlösung interessiert. Der zweite Bieter ist unterdessen aus dem Investorenprozess ausgestiegen. „Das ist bedauerlich, weil wir mit diesem Kandidaten am weitesten waren“, so der vorläufige Insolvenzverwalter. Jetzt komme es darauf an, ob der verbliebene Bieter bis Ende März die nötigen Voraussetzungen für eine Übernahme schaffen kann. „Es gibt aber auch Investoren, die beispielsweise nur an der Germania-Technikgesellschaft interessiert sind“, so Wienberg. Für diese sowie für die Germania Flugdienste würden aktuell zwei belastbare Angebote vorliegen. Mit den jeweiligen Bietern würden Verhandlungen geführt mit dem Ziel, die Vertragsentwürfe in den nächsten zwei Wochen zur Unterschriftsreife zu bringen. Parallel dazu führt Wienberg Gespräche mit mehreren Kandidaten für die Übernahme von Flugpaketen.

Die mit den Einzellösungen verbundenen Transaktionen sind viel weniger komplex und erfordern von den Investoren deutlich weniger Prüfaufwand und Vorbereitung als eine Gesamtlösung, die durch den hohen Zeitdruck erschwert wird.

„Wenn Sie nur wenige Wochen Zeit haben, müssen Sie Vollgas geben und hoffen, dass alle das Tempo mitgehen“, so Wienberg. Die Germania-Insolvenz sei „ein Fall, bei dem es nur ‚quick and dirty‘ geht“. Einige potenzielle Investoren hätten auch klar gesagt, dass ihn der Fall „zu zeitkritisch“ sei. „Insofern hätte uns ein Monat mehr sehr geholfen“, sagt Wienberg und fügt hinzu: „Ob und wann ein Insolvenzantrag allerdings rechtlich geboten war, werden wir erst nach Eröffnung des Verfahrens klären können.“ Dies sei eine Frage der Priorisierung: Zunächst gehe es darum, eine Perspektive für den Geschäftsbetrieb zu finden. „Die Vergangenheit läuft uns nicht weg“, sagt Wienberg und verweist darauf, dass das Insolvenzverfahren im Grunde noch ganz am Anfang stehe.

„Nach dem Verkaufsprozess beginnen die eigentlichen Aufräumarbeiten“, kündigte Wienberg an. Ein elektronisches Gläubigersystem soll aufgebaut werden, um insbesondere Flugreisekunden die Anmeldung ihrer Forderungen zu erleichtern. Zudem werde er gemäß seinem gesetzlichen Auftrag auch „den Zeitpunkt des Insolvenzantrags, Anfechtungs- und Haftungsansprüche prüfen sowie alle Vermögenstransfers untersuchen“, um Gelder zu sichern, die den Gläubiger zustehen. Das ist allerdings ein langwieriger Prozess, weiß Wienberg aus Großverfahren wie dem des Solarunternehmens Solon, bei dem er ebenfalls als Insolvenzverwalter im Einsatz war. „Die Aufarbeitung des Falls wird uns sicherlich noch mehrere Jahre beschäftigen“, ist Wienberg überzeugt.

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