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Am Ende fehlte die Zeit Die knapp verpasste Rettung der Germania

Wie die Rettung von Germania knapp scheiterte. Quelle: imago images

Am Überleben der insolventen Berliner Fluglinie Germania arbeiteten bis zuletzt Insolvenzexperten, Management und Investoren wie Ex-LTU-Inhaber Hans Rudolf Wöhrl oder Airbus. Warum sie am Ende alle knapp scheiterten.

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Für die Beschäftigten der angeschlagenen Berliner Fluglinie Germania war die Hoffnung auf ein glückliches Ende am größten, als schon alles zu spät war. Am vergangenen Montag um 14 Uhr meldete die „Neue Ruhr/Neuen Rhein Zeitung“, der ehemalige Air-Berlin-Chef Joachim Hunold habe mit zwei Investoren das nötige Geld bereitgestellt, um die Airline zu retten. Doch bereits kurz nach Mittag waren die Vertreter der Airline beim Amtsgericht Berlin Charlottenburg erschienen und hatten vor der Amtsrichterin die Insolvenz beantragt. 

Neben Hunold hatten nach Informationen der WirtschaftsWoche in den Wochen vor der Insolvenz gleich mehrere prominente Investoren Interesse an einer Übernahme der Unternehmensgruppe Germania aus Fluglinie, Wartungsbetrieben und der Leasing-Gesellschaft für die Flugzeuge. 

Den Anfang machte die Berliner Unternehmensgruppe Zeitfracht bereits im Herbst. Das Familienunternehmen aus der Logistik besitzt bereits die Kölner Fluggesellschaft WDL Aviation und ist gerade bei Blue Air aus Rumänien eingestiegen. Die Zeitfracht-Inhaber Jasmin Schröter und Wolfram Simon-Schröter hatten dem Vernehmen nach bereits vor einigen Monaten bei den ersten Gerüchten über Liquiditätsprobleme angeboten, die Mehrheit zu übernehmen. Doch Germania-Chef und Hauptgesellschafter Karsten Bahlke, so berichten Insider, wehrte dieses Ansinnen nach Berichten als Unverschämtheit ab. 

Rettungsversuche scheiterten an Finanzbedarf und Zeit

Auch in der Schlussphase gab es noch reichlich Interessenten. Doch alle schreckten am Ende vor den hohen Risiken zurück. 

Der wohl bekannteste Bieter war der Nürnberger Investor Hans Rudolf Wöhrl. Der hatte ab 2003 über seine Investmentgesellschaft Intro auch den Billigflieger DBA und Ferienflieger LTU übernommen und sie 2006 an Air Berlin weiterverkauft. „Natürlich waren wir gemeinsam mit einigen Partnern interessiert. Das gehört zu unserem Geschäft“, bestätigte Wöhrl gegenüber der WirtschaftsWoche. Er selbst sei zwar nicht in den Büros am Saatwinkler Damm am Flughafen Tegel oder dem Kurfürstendamm gewesen. „Doch um eine Airline zu beurteilen, braucht man in erster Linie Zahlen und Kenntnis der Strategie“, so Wöhrl. „dazu muss man wissen was sich am Boden und in der Luft abspielt.“

Sein Urteil war zwar optimistisch. „Die Mehrzahl dieser Parameter ist bei Germania sehr positiv, die Chancen, dass die Airline mit einer Zwischenfinanzierung den Winter überstanden und dann wirtschaftlich hätte operieren können, standen gut.“ Doch am Ende wurde nichts draus. „Wir kamen leider zu keinem fränkischen: Passt scho!“ 

Interesse hatte auch die Bremer Zech-Gruppe. Sie hat bereits mehrfach Teile insolventer Firmen wie die Reederei Rickmers, KTG sowie das Gebäudetechnik-Unternehmen Imtech übernommen. Doch bei Germania war „der Finanzbedarf zu unwägbar“, berichtet ein Insider. Ein Sprecher der Zech-Gruppe wollte dies nicht kommentieren.

Ebenfalls um Rettung bemühte sich ein Teil der wichtigsten Geschäftspartner von Germania. Dazu zählt der Flugzeughersteller Airbus, bei dem Germania für knapp zwei Milliarden Euro 25 Flugzeuge vom Typ A320neo bestellt hatte. „Airbus stand bereit zu helfen und hatte auch ein Commitment abgegeben“, so ein Insider. Airbus erklärte hierzu: „Zu Details von vertraglichen Vereinbarungen mit Kunden – oder auch Lieferanten – äußern wir uns nicht.“ Auch die Besitzer der Leasing-Flugzeuge wie Sundair aus Rostock, die zwei ehemalige Air-Berlin-Maschinen an Germania verliehen hat, haben der Vernehmen nach für eine Zeit niedrigere Raten angeboten, um die Liquidität der angeschlagenen Linie zu schonen. 

Insgesamt, so berichten Insider, hätte die Rettung fast funktioniert. So fehlten dem Unternehmen zwar offenbar 30 Millionen Euro, um den Zeitraum der vorläufigen Insolvenz, also bis März, zu überbrücken. Das war doppelt so viel wie das Unternehmen selbst in offiziellen Mittelungen zugab. Doch 20 Millionen hätten die Sanierer wohl auftreiben können, dank der Hilfe etwa von Airbus. 

Letztlich fehlten 10 Millionen Euro. Und auch die wären wohl noch zusammengekommen. „Am Ende war einfach die Zeit zu knapp“, erklärt etwa Investor Wöhrl. Denn, so ein Insider, „es hätte geholfen, wenn Unternehmenschef Balke etwas früher mit dem Verfahren losgelegt hätte.“ 

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