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VerlageJede dritte Zeitschrift bedroht – Verlage wollen Staatshilfe

Deutsche Zeitschriftenverlage wollen ihre Preise deutlich erhöhen – und sie rufen nach Geld vom Staat: Die wirtschaftliche Lage sei dramatisch, heißt es vom Medienverband der freien Presse. Die Details. 18.04.2023 - 15:58 Uhr
Foto: dpa

Die deutschen Zeitschriftenverlage schlagen wegen der Preisexplosion bei Energie und Papier Alarm und rufen nach Staatsgeld. In Folge des Ukraine-Kriegs seien die Kostensteigerungen nicht mehr kontrollierbar und die wirtschaftliche Lage dramatisch, sagte der Vorstandsvorsitzende des Medienverbands der freien Presse (MVFP) Philipp Welte, am Dienstag. „Bis zu einem Drittel der Titel aus der Welt der Zeitschriften wären in ihrer Existenz bedroht, wenn sich die ökonomischen Rahmenbedingungen nicht ändern sollten.“ Die Politik sei hier gefordert. „Die weltweit einzigartige Vielfalt journalistischer Zeitschriftenmedien ist ernsthaft gefährdet.“ Das Ampel-Bündnis müsse sein Versprechen aus dem Koalitionsvertrag einlösen und sich für die flächendeckende Versorgung mit periodischen Presseerzeugnissen einsetzen.

Hierbei nur Zeitungen, nicht aber Zeitschriften zu fördern, „wäre ein ordnungspolitischer Irrweg“, sagte Welte. Er rechne mit einer Entscheidung der Bundesregierung im Laufe dieses Jahres. Der Burda-Manager sprach von einer „Operation heiße Kartoffel“, weil die Verantwortung unter den Ministerien weitergereicht werde. Das Kanzleramt prüft die Zuständigkeit.

Förderung von Verlagen ist schon lange in der Diskussion. In der vorigen Legislaturperiode scheiterten Hilfen von rund 200 Millionen Euro aber. Eine Ende 2021 vom damals CDU-geführten Wirtschaftsministerium in Auftrag gegebene Studie blieb lang unter Verschluss. Das inzwischen vom Grünen-Politker Robert Habeck geleitete Ministerium veröffentlichte das Gutachten jüngst, betrachtet sich aber nicht als zuständig und sieht auch keinen Handlungsbedarf. Das Habeck-Ressort betont zudem, man mache sich das Fazit der Studie nicht zu eigen. Die Autoren des Gutachtens halten eine Zustellförderung für Presseverlage für sinnvoll.

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96 Prozent der Verlage wollen Preise erhöhen

Die Zeitschriftenverlegerinnen und -verleger wollen derweil mit mehr Digitalgeschäft und Preiserhöhungen die Umsatzrückgänge bei Werbung und Vertrieb abfedern. Für dieses Jahr erwartet die Branche mit 57.500 Beschäftigten und über 6900 Zeitschriften laut einer MVFP-Umfrage nur eine durchwachsene Entwicklung. Umsatzsteigerungen bei Bezahl-Inhalten (plus 17 Prozent), im digitalen Werbegeschäft (plus 16 Prozent), im Digital-Vertrieb (plus 12 Prozent) sowie bei Veranstaltungen (plus 14 Prozent) stehen erwartete Rückgänge im Print-Werbegeschäft von minus 3,8 Prozent und minus drei Prozent im Print-Vertrieb gegenüber.

Um den Umsatz zu steigern, planen demnach 56 Prozent der Firmen neue journalistische Digitalangebote, 49 Prozent wollen neue Audioangebote und 31 Prozent neue Videoformate starten. Ein Drittel der Medienhäuser will neue Print-Sonderausgaben und ein Viertel neue periodische Printtitel auf den Weg bringen. 96 Prozent der Verlage planen Preiserhöhungen und 87 Prozent wollen die Digitalisierung vorantreiben. Die Branche setzt zudem auf Künstliche Intelligenz, um den Übergang von Print zu Digital zu beschleunigen.

Im Geschäftsjahr 2022 blieb der Gesamtumsatz der Verlage samt nicht publizistischer Sparten mit 19,3 (2021: 19,4) Milliarden Euro über alle Gattungen – Publikumspresse, Fachpresse und sogenannte konfessionelle Presse – fast stabil. Für Schwung sorgte das Wachstum der Fachmedien bei Veranstaltungen und Digitalumsätzen. Bei den Publikumstiteln gab es Rückgänge beim Print-Anzeigenmarkt von 3,5 Prozent und im Print-Vertrieb von 4,0 Prozent. Steigende Umsätze beim digitalen Werbegeschäft (plus 10 Prozent), im Digitalvertrieb (plus 15 Prozent) und bei Bezahlinhalten (plus 12 Prozent) konnten die Erlösrückgänge und Kostensteigerungen dabei nicht ausgleichen.

rtr
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