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Werner knallhart

Apropos Rechtsstaat: Verlangen wir künftig Kassenbons!

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Quittung verlangen sollte gute Handelstradition werden

Das geht etwa immer dort, wo Waren und Dienstleistungen nicht nachzählbar registriert sind. Die Kugel Eis am Fenster, der Kaffee aus der Kanne, die Pommes an der Würstchenbude, der Haarschnitt. Achten Sie mal drauf, wie oft keine elektronische Registrierkasse im Spiel ist, selbst dann, wenn dort eine steht. Und fragen Sie sich mal, warum so unangenehm oft keine Kartenzahlung möglich ist. Manchmal liegt es tatsächlich daran, dass die dann resistierte Bezahlung Steuerbetrug gefährlich macht (oft allerdings auch daran, dass die Dienstleister die Buchungskosten sparen wollen. In beiden Fällen schlechter Kundenservice).

Ich habe das jüngst bei einem Selbstbedienungscafé erlebt: Die aufwändigen Bestellungen der Gäste vor mir in der Schlange mit Sandwiches und Kuchen wurden fein säuberlich in die Kasse getippt. Dann kam ich mit meinem schnöden Café creme. Der Kassierer öffnete die Kassenlade per Knopfdruck, sagte „3 Euro“ und warf die Münzen hinein. Zack zu. Von diesem Café creme würde kein Finanzamt der Welt je Wind bekommen, es sei denn, es käme zu einem Kassensturz vorbei. Ich muss Ihnen sagen: Sowas ärgert mich. Ich sagte: „Kann ich bitte eine Quittung haben?“

„Na klar.“ Der freundliche Mann tippte meinen Kaffee ein und die Quittung surrte oben raus. Uns allen zuliebe.

Ein Taxifahrer moserte mir vor einiger Zeit vor: „Mann, die Strecke ist sowat von kurz, da sagen wa aber pauschal zehn Euro. Da mach ick den Taxameter jar nicht erst an.“

Ich sach: „Ich zahle das, was am Ende auf dem Zähler steht. Und ich möchte eine Quittung.“ Ich habe ja Verständnis für die Nöte der Taxifahrer. Aber wenn Steuerhinterziehung schon mit einer solchen Selbstsicherheit im Bunde mit dem Kunden eingefädelt werden soll, dann kriege ich Angst.

Aber während in Griechenland die Behörden etwa die Gäste von Restaurants auffordern: „Verlangen Sie eine Quittung“ (was mitunter zu langen Diskussionen beim Bezahlen führt), habe ich solch einen Aufruf in Deutschland noch nie gehört. Im Gegenteil: Wer hier für mehr Klarheit und Fairness ist, gilt als Spießer, der nach dem Polizeistaat ruft.

Quittung verlangen. Das sollte gute Handelstradition werden. Seien wir nette Kunden aber verbünden wir uns mit dem Staat. Denn der Staat sind dank Demokratie ja wir. Und das Recht auf eine Quittung ist im Bürgerlichen Gesetzbuch verbrieft (§368 BGB). Quittung dann mitnehmen und einfach entsorgen.

Auf meinem Lieblingswochenmarkt hat meine Marktfrau mit Kopftuch und rustikalen Fingernägeln trotz ihrer Bodenständigkeit immer einen Hochglanzkassenbon parat. Für alle Kunden. Nachfragen unnötig. Viele Händler registrieren sogar unbemerkt und drucken einfach nur deshalb keinen Bon aus, weil ihn eh keiner mitnehmen will. Alles gut.

Aber: Noch gibt es eine Menge Möglichkeiten für schwarze Schafe, Kassen zu manipulieren oder so zu nutzen, dass etwa ein Teil der Buchungen wieder storniert werden kann oder als „Übungsbuchungen für den Azubi“ rausfallen. Das soll alles immer besser werden. Dank neuer Vorschriften zu sicheren Kassen. Aber wir als Kunden können jetzt schon unseren Beitrag leisten. Quittung verlangen und mitnehmen. Und damit klarmachen: Ich bin auf der Seite des Rechtsstaats. Auch im Kleinen. Denn das läppert sich.

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