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E.On behält Atomkraftwerke Ein Sieg der Politik über die Energiekonzerne

Der Energieversorger E.On spaltet seine Atomkraftwerke nun doch nicht in eine neue Gesellschaft ab. Damit bestätigt sich der Vorwurf, Konzernchef Johannes Teyssen hätte sich damit aus der Verantwortung für den Atomausstieg schleichen wollen. Ein Punktsieg für die Politik.

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E.On-Chef Johannes Teyssen: Die Kernenergie wird doch nicht an Uniper ausgelagert. Quelle: dpa

Es ist ein klarer Sieg der Politik über die Energiekonzerne. Seit Monaten streiten sich die vier Atombetreiber in Deutschland, E.On, RWE, EnBW und Vattenfall, darüber, ob die wirtschaftlich stark angeschlagenen Konzerne für den Abriss der Meiler und die Endlagerung des Atommülls tatsächlich werden aufkommen können.

Groß sind die Zweifel auch darüber, ob die Rückstellungen dafür in Höhe von insgesamt knapp 39 Milliarden Euro in den Bilanzen der Unternehmen angemessen sind.

Öl ins Feuer goss der größte deutsche Energieversorger E.On Ende vergangenen Jahres mit seiner Ankündigung, seine Atomkraftwerke wie auch die Kohle- und Gaskraftwerke in eine neue selbstständige Gesellschaft mit dem Namen Uniper abzuspalten.

Eckpunkte aus E.Ons Bilanz 2015

Ohne die milliardenschweren Altlasten aus der Atom-Ära und den immer unwirtschaftlicher laufenden fossilen Kraftwerken, wollte sich E.On allein auf das zukunftsträchtigere Geschäft mit erneuerbaren Energien konzentrieren. Nach fünf Jahren wäre E.On aus der Haftung für seine Atommeiler befreit gewesen. Die Verantwortung für den Abriss der Meiler hätte allein bei Uniper gelegen.

Verantwortung für Atommeiler

Die Börse feierte den radikalen Schnitt von E.On-Chef Johannes Teyssen und kritisierte RWE dafür, nicht endlich ebenfalls den strahlenden Ballast geschickt auszulagern. Teyssen verkaufte seine Strategie als notwendigen Schritt, geschuldet den Umbrüchen durch die von der Bundesregierung beschlossene Energiewende und preist den Schritt bis heute als richtig und wegweisend an.

Nur Sigmar Gabriel, Bundeswirtschaftsminister und Vorsitzender der SPD, schluckte nicht, dass sich der Düsseldorfer Konzern auf diese Weise so geschickt der Giftpille Atomaltlasten entledigte, und, falls Uniper in den nächsten fünf oder zehn Jahren entweder zerschlagen ist oder Pleite geht, nicht mehr für den Abriss der AKWs aufkommen könnte. Dann hätte der Staat und damit der Steuerzahler die Abwicklung der Atomkraftwerke bezahlen müssen. Der Konzern wolle sich damit aus seiner Verantwortung für die Atommeiler schleichen, lautete der Vorwurf aus Berlin.

Der von Konzernchef Teyssen in einer gestern Abend zusammen mit dem Aufsichtsrat gefasste Beschluss, die AKWs nun doch nicht auszulagern, sondern bei E.On zu belassen und in einer eigenen operativen Einheit innerhalb des Konzerns weiter führen zu wollen, bestätigt genau diesen Vorwurf. Nun sollen plötzlich die deutschen Atomkraftwerke in eine eigene Einheit unter dem alten Namen Preussen Elektra innerhalb des E.On-Konzerns weitergeführt werden. Die Meiler, die E.On noch in Schweden betreibt, sollen nach wie vor in die geplante neue Firma Uniper ausgelagert werden.

Teyssen blieb nichts anderes übrig, als sich zu beugen

Damit bereitet E.On den Weg, seine Atomkraftwerke und deren Abriss und die Endlagerung entweder in einen Fonds auszulagern, wo die Rückstellungen für den Abriss und die Endlagerung verwaltet werden (vergleichbar einem Pensionsfonds). Oder Teyssen entledigt sich des Atomproblems, in dem er die Milliarden an gebuchten Rückstellungen in eine Atom-Stiftung einbringt - vergleichbar der Steinkohle-Stiftung RAG.

Genau solch eine Atom-Stiftung will auch Minister Gabriel. Schon vor mehr als einem Jahr schlug er eine solche Stiftung vor, in die alle Atombetreiber ihre Rückstellungen einbringen sollten, um sie dort zu sichern und zu verwalten. Dazu kam es nicht – weder die Konzerne noch die Bundesregierung konnte sich damals zu diesem Schritt entschließen.

Deutschlands Energieriesen im Vergleich

Um sicherzustellen, dass niemand jemals der SPD würde vorwerfen können, sie hätte die Gewinne aus vier Jahrzehnten Atom-Ära privatisiert (also die Konzerne in höchstem Maße profitieren lassen), dann aber die milliardenschweren Kosten für den Abriss der Meiler dem Steuerzahler aufgebrummt, musste Gabriel sich etwas anderes einfallen lassen.

Unbegrenzte Haftung der Konzerne

Im Sommer kündigte Gabriel einen neuen Gesetzentwurf an. Anfang September stellte sein Haus den Entwurf vor, am 23. September soll er ins Kabinett: Das geplante Gesetz soll festlegen, dass die von den Atomkraftwerken befreiten Mutterkonzerne unbegrenzt für die Kosten des Rückbaus haften, sollten ihre ausgegliederten Gesellschaften dazu nicht in der Lage sein.

E.Ons geplante Auslagerung der Kernkraftwerke in eine neue Gesellschaft wäre dadurch Makulatur. Mit der unkalkulierbaren Atomlast auf ewig im Gepäck wäre Teyssens Modell der Teilung für den Kapitalmarkt völlig unattraktiv. Teyssen tobte, kündigte eine Klage gegen Berlin an. Doch ein jahrelanger Rechtsstreit hätte die Unsicherheit für Uniper und die alte E.On nur noch erhöht. Letztlich blieb Teyssen nichts anderes übrig, als sich der Politik zu beugen.

Und wie geht es jetzt mit Uniper weiter? Wie geplant sollen die Kohle- und Gaskraftwerke sowie der Energiehandel Anfang 2016 in die neue Gesellschaft Uniper übergehen. Die Rückstellungen für den Atomausstieg von 16,6 Milliarden Euro wandern aber nun nicht in die Bilanz der neuen Gesellschaft. Uniper wird deshalb am Markt Fremdkapital aufnehmen müssen. Ob das gelingt, wird sich noch zeigen.

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Ob der Zeitplan für die Zellteilung des Konzerns jetzt nun ausreicht? Schwierig. Denn bis zum 30. September muss die Teilung bilanziell, juristisch und personell abgeschlossen sein. Mit dem Strategieschwenk von gestern Nacht, müssen die Pläne aber noch einmal aufgerissen werden.

Die Aktie jedenfalls verlor heute fast sechs Prozent. E.On muss auch für dieses Jahr erneut hohe Abschreibungen auf sein Kraftwerksgeschäft verbuchen. Teyssen sagte, er rechne mit einem „mittleren einstelligen Milliardenbetrag“ in 2015. Auch in diesem Jahr droht E.On damit ein Rekordverlust. Im vergangenen Jahr verbuchte E.On einen Rekordverlust in Höhe von rund drei Milliarden Euro – den höchsten in der Unternehmensgeschichte.

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