Energiekrise Gasspeicher-Füllstand erreicht 95 Prozent

Ein Mitarbeiter der Firma «Enovos Storage GmbH» steht auf dem Gelände des Gasspeichers auf einer Absorber-Anlage. Quelle: dpa

Deutschlands Gasspeicher sind fast komplett gefüllt. Die Menge würde rechnerisch ausreichen, um den Bedarf von zwei Wintermonaten zu decken. Das reiche also bei weitem noch nicht aus, sagt ein Behördenchef.

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Deutschlands Gasspeicher sind zu mehr als 95 Prozent gefüllt. Binnen 24 Stunden stieg der Füllstand um 0,17 Punkte auf 95,14 Prozent, wie am Freitag die Bundesnetzagentur in ihrem aktuellen Lagebericht mitteilte. Europas Gasinfrastruktur-Betreiber hatten die Zahlen schon am Donnerstagabend veröffentlicht. Eine Bundesverordnung schreibt vor, dass die Anlagen am 1. November zu mindestens 95 Prozent gefüllt sein müssen. Dieser Wert ist nun insgesamt erreicht. Allerdings sieht die Regelung vor, dass jeder Speicher diese Vorgabe einhält. Dies ist nicht der Fall: Manche Anlagen liegen deutlich darüber, andere deutlich darunter.

Das gelte etwa nach wie vor für den größten deutschen Gasspeicher im niedersächsischen Rehden, teilte das Bundeswirtschaftsministerium am Freitag mit. Erst nachdem die Bundesregierung den russischen Eigentümer Gazprom Germania unter Treuhandverwaltung gestellt habe, habe der Speicher gefüllt werden können, hieß es. Aktuell liegt der Füllstand laut Bundesnetzagentur bei 83,74 Prozent.

Dennoch sei der derzeitige durchschnittliche Speicherstand in Deutschland ein „wichtiger Meilenstein“, teilte Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) mit. „Es ist uns mit dem Gasspeichergesetz gelungen, einen in den vergangenen Jahrzehnten weitgehend unregulierten Markt so zu regulieren, dass wir trotz des Stopps der Lieferungen durch Nord Stream 1 die Speicher schneller als gedacht gefüllt haben.“

Weil der Gaspreis massiv steigt, dreht die Industrie den Verbrauch zurück, wie vier Grafiken zeigen.
von Frank Doll

Mit Blick auf den in der vergangenen Woche um 29 Prozent gesunkenen Gasverbrauch bei Haushalten und kleineren Firmen fügte er hinzu, dass dies großteils am warmen Wetter gelegen habe und dass solche Einsparungen auch in einem kalten Winter erfolgen müssten.

Müller: Winter 2023/2024 könnte schwierig werden

Müller wies darauf hin, dass der Füllstand der Speicher am 1. Februar noch mindestens 40 Prozent betragen müsse. Im Februar und März könne es noch sehr kalt werden, und die Speicher müssten für den Winter 2023/2024 wieder aufgefüllt werden. „Das kann schwieriger werden angesichts der dann fehlenden russischen Gasmengen, die uns in diesem Sommer bei der Befüllung der Speicher noch sehr geholfen haben.“

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hatte sich bereits in dieser Woche zum 95-Prozent-Füllstand geäußert. Die Speicher seien mit Blick auf das ausbleibende Gas aus Russland überraschend gut gefüllt. „Das ist eine Leistung“, sagte Habeck auf dem Maschinenbaugipfel. „Aber diese Leistung wurde natürlich teuer erkauft, weil die Bedingung dafür auch war, dass die Industrie ihre Produktion nicht nur gedrosselt hat, sondern teilweise eingestellt hat.“ So sollte es nicht sein. Habeck sprach von guten Chancen, über den Winter zu kommen. Bei einem hohen Gasverbrauch laufe Deutschland aber auf „schwierigere Zeiten und Diskussionen“ zu.

Speicherstand wird während Heizperiode stark sinken

Sebastian Bleschke vom Gasspeicher-Verband Ines äußerte sich nur verhalten optimistisch. „Trotz gut gefüllter Gasspeicher wird der Winter nach wie vor eine große Herausforderung sein.“ Importe über die neuen Flüssiggas-Terminals und Einfuhren über bestehende Terminals in anderen EU-Staaten seien immens wichtig, sagte der Geschäftsführer des Verbandes.



Wie geht es nun mit den Speichern weiter? „Wenn es so warm ist wie bisher, sind weitere Einspeicherungen bis hin zu 100 Prozent möglich“, sagte Bleschke. Es werde technisch aber anspruchsvoller, die letzten Prozentpunkte zu erreichen.

In der Heizperiode werde der Speicherstand wohl trotz aller Anstrengungen stark sinken. Auf die Frage, wie lange das eingespeicherte Gas in diesem Winter vermutlich reichen werde, sagte Bleschke: „Aufgrund des Wegfalls russischer Gasimporte ist es denkbar, dass die Speicher schon Ende Februar oder Anfang März sehr stark entleert sein werden.“

Gasspeicher bilden Puffer

Die Speicher gleichen Schwankungen beim Gasverbrauch aus und bilden einen Puffer für den Gasmarkt. In den vergangenen Jahren wurden an kalten Wintertagen bis zu 60 Prozent des Gasverbrauchs in Deutschland aus inländischen Speichern abgedeckt.

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