Northvolt: Ein Ende mit Schrecken

Blick auf das Baufeld der geplanten Batteriezellfabrik der Firma Northvolt bei Heide in Schleswig-Holstein.
Foto: imago imagesFast genau ein Jahr ist es her, dass in Heide in Schleswig-Holstein eine große Party gefeiert worden ist, mit Kanzler Olaf Scholz, Wirtschaftsminister Robert Habeck, mit Northvolts elegantem Co-Gründer und Chef Peter Carlsson.
Anlass war der Baustart von Northvolts Batteriefabrik im Kreis Dithmarschen. Und weil die Stimmung gar so gut war, haben sie sogar „gebosselt“. Wie bei dem norddeutschen Wurfspiel üblich, haben Politiker und CEO mit Kugeln geworfen.
Insolvenzantrag in Schweden
Schluss. Aus. Ende. Jetzt endgültig. Nein, Northvolt Germany sei vorerst nicht betroffen, heißt es am Mittwochmorgen zwar. In Heide werde weitergebaut. Aber auch in seiner Heimat Schweden hat das Mutterunternehmen Northvolt jetzt Insolvenz beantragt. Im November hatte man das schon in den USA getan – nach Kapitel 11 des dortigen Insolvenzrechts.
Die Hoffnung damals: Das Management kann vorerst weitermachen, es wird sich ein Investor finden, der weiter Milliarden in Northvolt steckt. Schließlich ist das Start-up doch Europas große Wette auf eine eigene Batterieproduktion.
Ein finaler Nackenschlag
Aber diese Hoffnung hat sich zerschlagen. Northvolt hat nicht genug neues Geld aufgetrieben, um weitermachen zu können. Das ist ein finaler Nackenschlag für den Großinvestor Volkswagen und für zig weitere Investoren, vor allem aber auch für Europa.
China hat es sich zum Ziel gesetzt, seine geopolitische Macht auch durch die technologische Abhängigkeiten der Europäer von Peking auszuweiten. Bei Solarmodulen, Elektroautos, Windrädern – und eben auch Batterien. Northvolt sollte hier dagegen halten, eine eigene europäische, skalierbare Produktion von Lithium-Ionen-Zellen entwickeln.
Europäische Firmen sind oft blank
Das Projekt ist vorerst gescheitert. Weil Northvolt sich in unzähligen teuren Projekten verzettelte. Weil das Unternehmen im Wortsinn nicht lieferte. Weil die Branche eine Krise erlebte, die Nachfrage stockte, viele Fabrikprojekte in Deutschland und Europa abgesagt, verschoben oder gestutzt wurden.
Jene 600 Millionen Euro, die Bund und Land Schleswig-Holstein in eine Wandelanleihe steckte, sind nun endgültig futsch. Und wenn Donald Trump Europa seine militärische Schwäche gnadenlos vorführt, macht China das mittlerweile bei Schlüsseltechnologien der Energiewende. Auch hier ist Europa oft blank, europäische Firmen können oft kaum mehr mithalten.
Aufgeben wäre der falsche Weg
Deshalb wäre es falsch, aus der Northvolt-Pleite den Schluss zu ziehen, dass Europa sich bei der Entwicklung und Produktion von Batteriezellen zurückzuziehen, ergeben muss. Das Gegenteil ist der Fall. Ob bei Volkswagen oder BMW oder Mercedes, ob in Berlin oder Brüssel. Diese Pleite muss zu weiteren Investitionen in die Entwicklung und Produktion führen, bevorzugt in Heide – und sei es durch ein Joint Venture, tja, mit einer chinesischen Firma. Das Knowhow muss hier wieder heimisch werden.
Das wird weiter Geld kosten. Das wird es auch erfordern, weitere, neue Risiken einzugehen. Es geht dabei nicht um das vermeintliche Gedöns „Energiewende“, sondern um die Resilienz und vor allem um die globale Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft. Und dieses Projekt wird, wie so vieles derzeit, teuer.
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