Rhein Petroleum: Kleinstes deutsches Erdölunternehmen sucht neuen Besitzer
Der Heidelberger Ölförderer Rhein Petroleum sucht einen neuen Besitzer.
Foto: PRAnfang Juli versiegten die Finanzquellen: Rhein Petroleum mit Sitz in Heidelberg musste Insolvenz anmelden. Seit 2018 fördert die Firma im hessischen Riedstadt Erdöl, wenn auch in überschaubaren Mengen. Rund 65 Barrel pro Tag – umgerechnet gut 10.000 Liter Öl – werden derzeit an den Bohrungen „Schwarzbach 1“ und „Schwarzbach 2“ gewonnen. Acht Mitarbeiter zählt das Unternehmen und gilt angesichts solcher Zahlen als kleinster aktiver Erdölförderer in Deutschland.
Dabei war Großes geplant: 2022 hatte der britische Investor Beacon Energy sämtliche Anteile des Unternehmens übernommen, die zuvor neben der Deutschen Rohstoff AG von der niederländischen Rohstoffgesellschaft Tulip Oil gehalten wurden. Ziel war es damals, die Ölförderung auch in anderen Gebieten aufzunehmen. Weil die Ölpreise gestiegen waren und sich die Fördertechnik verbessert hatte, so das Kalkül, könnte sich die Förderung in zuvor als unrentabel erachteten Gebieten wieder lohnen. Doch die Suche nach geeigneten Standorten sowie spätere Probebohrungen kosteten Millionen – und brachten nicht die erhofften Ergebnisse. Und so übernahm im Sommer Henrik Schmoll von der Kanzlei Wellensiek als Insolvenzverwalter das Kommando.
Ein Ölförderer in der Insolvenz? Auch für Schmoll ist es „kein alltägliches Insolvenzverfahren“. Zumal hohe Anforderungen der Bergaufsichtsbehörden etwa für den Grundwasserschutz eingehalten werden müssen. Dem Verwalter gelang es trotzdem, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren und die Kosten zu reduzieren. Nun versucht er, einen Investor für Rhein Petroleum zu finden.
Ein halbes Dutzend Interessenten
„Es gibt rund eine halbes Dutzend Interessenten, mit denen wir jetzt sprechen“, sagt Schmoll. Er gehe davon aus, bis Ende Oktober bindende Angebote zu erhalten. Idealerweise nicht nur für den laufenden Förderbetrieb, sondern auch für die Rhein-Petroleum-Projekte in anderen Regionen. Das Problem: „Die bisherigen Bohrlöcher müssen eventuell umgenutzt oder wieder verfüllt werden“, sagt Schmoll. Das Unternehmen gehe zwar davon aus, dass die dafür verpfändeten Sicherheiten ausreichen. Doch ein Restrisiko bleibt. Zudem werden auch die zuständigen Bergämter vor einer Lizenzübertragung prüfen, inwieweit ein Investor über „die nötigen Qualifikationen und finanziellen Ressourcen verfügt“, sagt Schmoll.
Das Ölgeschäft selbst ist dagegen fast schon ein Selbstläufer: Vom hessischen Riedstadt aus wird das Erdöl mit Lastwagen zu einer Raffinerie in Karlsruhe transportiert, wo es unter anderem für die Kunststoff- und Pharmaindustrie weiterverarbeitet wird. Für das schwefelarme, leichte Öl gibt es laut Schmoll jedenfalls eine „robuste Nachfrage“.
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