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Amazon Fresh, Rewe Online & Co. Rollender Angriff auf den Supermarkt

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Diese Probleme gilt es zu lösen

Der schönste Lieferdienst nützt nichts, wenn der Kunde die Ware nicht in Empfang nehmen kann. Insbesondere, wenn die verderblich ist. Das Paket mit Staubsaugerbeuteln, Pulverkaffee, Küchenrolle und fünf Packungen Instantnudelsuppen kann auch stunden- oder tagelang in einer Packstation oder beim Nachbarn stehen. Das geht mit den Hühnchenfilets oder tiefgekühlten Shrimps nicht.

Wer nicht daheim ist, um die Besorgungen in Empfang zu nehmen, geht mit den Trockenwaren kein Risiko ein. Dennoch sind alle Anbieter bestrebt, die Auslieferung mit Wunsch-Zeitfenstern von zwei Stunden für die Besteller berechenbar zu machen. Bei Vollzeitberufstätigen mit normalen Arbeitszeiten könnte es dann aber vor allem in den Abendstunden eng werden – wenn alle den gleichen Zeitraum angeben.

Das ist die Stunde der Logistiker. Bei der Herausforderung einen „temperaturgeführten Transport“, sicher zu stellen, können sie Exzellenz zeigen. In diesem Wettbewerb wirft sich nun auch Paketservice DPD. Mit DPD Food soll ab diesem Sommer der Transport von gekühlten Waren den Anbietern ermöglicht werden.

Die umsatzstärksten Onlinehändler

Bislang ist es hellofresh als Mischform von Lieferdienst und Lebensmittelhändler, das DPDs Dienste nutzt. Wer sich bei der Rocket Internet-Tochter mit den Paketen versorgen lässt, bekommt aufwändig isolierte Ware in großen Kartons. Je größer die Umverpackung, desto höher die Kosten für die Versender.

Kommt es trotz SMS-Ankündigung und dem Angebot soweit, dass DPD eine Box mit Essen nicht zustellen kann, ist sie zumindest kein Fall für den Müll. "Gelangt die Kochbox dennoch nicht rechtzeitig zum Empfänger, leitet DPD das Paket als Spende an eine karitative Einrichtung weiter, die den Zustand der Waren prüft und Lebensmittel in guter Qualität einem gemeinnützigen Zweck zuführt", heißt es bei DPD.

Ein anderer Weg der Zustellung sind Stationen. Für frische Lebensmittel müssten diese gekühlt sein – wenn nicht sogar mit Eisfach. Eine Bestellung, die Käse aus dem Kühlregal, frische Erdbeeren und tiefgefrorene Pizzen und Eiscremebecher enthält, ist der Albtraum jedes Packers.

Mobile Paketstationen sind ein weiterer Weg. Der Autohersteller Smart hat mit „ready to drop“ eine Kooperation mit DHL abgeschlossen. Der Besitzer des Fahrzeugs montiert in seinem Kofferraum eine Box, der DHL-Bote kann das Fahrzeug mittels eines Codes öffnen, die Ware ablegen und den Wagen wieder verschließen. Ob diese Technik auf lange Sicht auch reicht, um verderbliche Lebensmittel sicher zumindest für einige Stunden aufzubewahren, ist unklar.

Um diese Probleme zu lösen, sind hohe Investitionen zu Beginn nötig. Der Lebensmitteleinzelhandel ist grundsätzlich margenschwach.

Der - wenn auch noch kleine - Markteintritt von Amazon wird die Branche dazu zwingen, sich dem Thema zu stellen. „Lebensmittel per Lieferdienste als Grundversorgung ist sicher zunächst in Städten mit mehr als einer Million Einwohnern oder in Ballungsräumen wie dem Rheinland oder Ruhrgebiet wirtschaftlich machbar“, sagt Lierow.

In kleineren Städten mit weniger als 200.000 Einwohnern wird es schwierig, die nötigen Kapazitäten für Lagerung und rasche Auslieferung rentabel zu machen.

„Vor drei Jahren hätte ich auch gesagt, dass der Konsument noch nicht so weit ist. Das ist jetzt anders“, sagt Lierow. Wer das nötige Investment tätige, wird sich nun damit durchsetzen können, da sich die Haltung zur Lieferung bei Kunden gewandelt habe.

Das scheint die Hoffnung von Amazon zu sein. In Bochum, im Herzen des Ruhrpotts mit seinen rund fünf Millionen Einwohnern, so will es die Lebensmittelzeitung erfahren haben, errichtet Amazon auf dem Gelände des ehemaligen Nokia-Werkes ein neues Verteilzentrum. Amazon habe, so die Zeitung weiter, bereits Gespräche mit regionalen Lebensmittelhändlern geführt.

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