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Discounter Netto Weniger Fleisch für mehr Geld

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch wirft der Edeka-Tochter Netto Etikettenschwindel beim Verkauf von angeblich fettarmem Hackfleisch vor. Statt Fleisch bekommt der Verbraucher gefärbte Mehlpampe.

Quark ist nicht gleich Milch
Kalziumhaltige ZuckerbombenDer Hersteller Ehrmann warb für seinen Kinderfrüchtequark "Monsterbacke" mit dem Slogan "So wichtig wie das tägliche Glas Milch!" Die Zentrale zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs hat sich die Werbung vorgeknöpft und für irreführend befunden: Zwar enthalte der speziell für Kinder angebotene Quark so viel Kalzium wie ein Glas Milch, allerdings deutlich mehr Zucker. Nun hat auch der Bundesgerichtshof entschieden, dass der Slogan für einen Fruchtquark "als gesundheitsbezogene Angabe grundsätzlich nicht zulässig" ist. Das Verbot folge aus der europäischen Verordnung über „nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel“, so die Richter (Az. I ZR 36/11). Nach der Verordnung besteht allerdings die Möglichkeit, den Spruch EU-weit behördlich genehmigen zu lassen, wenn die Aussage in wissenschaftlichen Studien bestätigt wird. Die BGH-Richter legten den Fall noch dem Europäischen Gerichtshof vor, um klären zu lassen, ob die Genehmigungspflicht bereits im Jahr 2010 wirksam war. Eine Irreführung der Verbraucher sieht der BGH in der Aussage hingegen nicht. Den Käufern werde „deutlich gemacht, dass es sich um etwas anderes handelt als um Milch“, sagte der Vorsitzende Richter Joachim Bornkamm. Quelle: Screenshot
Viel Hack - weniger FleischDie Hackfleisch-Packungen der Netto-Eigenmarke Viva Vital tragen den Hinweis „30 Prozent weniger Fett“. Wie die Verbraucherorganisation Foodwatch mitteilte, enthalte die Packung tatsächlich aber 30 Prozent weniger Fleisch. Netto hat damit kein Problem. Die Zubereitung sei für Kunden entwickelt worden, die sich ausgewogener ernähren wollten. Das Hackfleisch „sei mit wertvollem pflanzlichem Eiweiß in Form von Weizenproteinen kombiniert“ worden. Damit habe das offiziell als „Fleischzubereitung“ deklarierte Produkt weniger Fett und Cholesterin als herkömmliches Hackfleisch, so die Edeka-Tochter.  Die Verbraucherorganisation Foodwatch wertet das Hackfleisch-Produkt als eine „Fleisch-Wasser-Weizen-Pampe“, der man mit Hilfe von so genanntem textuiertem Weizenprotein zur fleischähnlichen Konsistenz und mit Rote-Beete-Saft und Paprika-Extrakt zu „möglichst viel Hackfleisch-Feeling“ verhelfe. Quelle: dpa
Kaum Fleisch, dafür schön fettigAuch bei einer Tütensuppe fühlten sich Verbraucher hinters Licht geführt - die Hühnersuppe von Knorr strotze zwar nur so vor Hühnerfett, nicht aber vor Hühnerfleisch: "Die Hühnersuppe des Herstellers Knorr beinhaltet lediglich Hühnerfett und das in sehr geringer Menge. Der Name "Hühnersuppe" ist daher für mich irreführend. Nach Inhaltsangabe besteht die Suppe hauptsächlich aus Hartweizengrießteigwaren (76 %) und enthält nicht einmal Hühnerfleisch. Die Bezeichnung Nudelsuppe mit geringanteiligem Hühnerfett würde es wohl eher treffen", schreibt Frau S. aus Leipzig auf lebensmittelklarheit.de. Der Hersteller Unilever Deutschland kontert: "Jede Hühnersuppe enthält selbstverständlich Hühnerbestandteile – dies muss aber nicht unbedingt Hühnerfleisch sein und ist es auch bei einer traditionell zu Hause hergestellten Hühnersuppe nicht immer. Entscheidend für den Geschmack der Suppe ist die Qualität des Fonds und nicht die Fleischeinlage. Geschmacksgeber ist, wie auch bei unserer Suppenliebe, das Hühnerfett."
Chili-Gurke ohne SchoteHerr S. aus Günding fühlte sich von der Aufmacher der Knax-Essigurken getäuscht: „Laut Produkt-Aufmachung handelt es sich bei dem Produkt um scharfe Gurken "mit pikantem Chili". In der Zutatenliste erscheint aber kein Chili. Auf der Webseite wird erklärt, dass in dem Aufguss eine scharf-würzige Chili Note ist, nicht aber auf dem Produkt selbst“, schrieb er dem Verbraucherportal. Die Verbrauchzentrale sah das ähnlich: „Falls Chili tatsächlich nicht im Produkt enthalten ist, sollte keine Hervorhebung dieser Zutat in Wort und Bild auf dem Etikett stattfinden.“ Der Hersteller Hengstenberg nimmt's gelassen. Die Kennzeichnung von „Hengstenberg Knax“ scharf-würzig mit pikantem Chili entspreche den  lebensmittelkennzeichnungsrechtlichen Vorgaben. Eine mengenmäßige Angabe sei rechtlich nicht erforderlich, da die Kaufentscheidung nur vom Produktversprechen „scharf-würzig“ beeinflusst würde. „Dieser Anforderung wird unser Produkt vollständig gerecht.“
Kulinarischer Ölwechsel Pesto alla Genovese besteht nach traditionellem Rezept aus Basilikum, Olivenöl und Pinienkernen. Barilla verwendet für seine Pesto jedoch hauptsächlich Sonnenblumenöl und Cashewnüsse statt Pinienkerne. Kommentar der Verbraucherzentrale: „Pesto alla Genovese mit Sonnenblumenöl und Cashewkernen erfüllt häufig nicht die Verbrauchererwartung an eine mediterrane Pasta-Soße.“ Barilla Deutschland erklärt, wie es zum Öl- und Nusswechsel kommt: „An keiner Stelle machen wir Angaben bezüglich einer stetigen Verwendung von Ölivenöl. (…) Die von uns verwendete Ölsorte gewährleistet eine hohe mikrobiologische Stabilität. Bis vor einiger Zeit haben wir Pinienkerne benutzt. Auf Grund von Befürchtungen über deren Qualität in Bezug auf die Stabilität haben wir uns entschieden, Cashewnüsse zu verwenden.“ Quelle: Screenshot
Gefrierbeere im Müslihaufen„Die Müslisorte nennt sich „Erdbeerjoghurt“, tatsächlich befinden sich in dem Müsli lediglich ein Prozent gefriergetrocknete Erdbeeren“, schreibt  Herr B. aus Münstertal. Die Verbraucherzentrale findet Herr B. hat recht.“ Gestaltung und Bewerbung des Produktes wecken Erwartungen, die nicht erfüllt werden. Der Verbraucher geht davon aus, dass bei einem Erdbeer-Joghurt-Müsli ein höherer Gehalt als nur ein Prozent gefriergetrocknete Erdbeeren zu finden ist.“ Das sieht der Hersteller anders und beruft sich auf geltendes Recht, dem die Aufmachung voll entspreche. „Die Menge an gefriergetrockneten Erdbeeren von 1 % ist angegeben und durch die Produktabbildung real gezeigt. Eine Irreführung des Verbrauchers halten wir für ausgeschlossen.“ Quelle: Screenshot

Im Kampf gegen irreführende Vermarktung von Lebensmitteln hat die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch ein Hackfleisch-Produkt der „netto“-Lebensmittelmärkte aufs Korn genommen. Für gestrecktes Hackfleisch werde 30 Prozent mehr Geld verlangt, dabei enthalte das Produkt 30 Prozent weniger Fleisch, kritisierte die Organisation und rief zu Beschwerden auf. Der Marken-Discounter strecke fettreiches Hackfleisch mit „einer Pampe aus Wasser, Weizeneiweiß und Mehl“ und biete das Produkt als Hackfleisch mit 30 Prozent weniger Fett an, teilte Foodwatch am Donnerstag in Berlin mit. Netto erklärte, es handele sich wie deklariert um eine
„Zubereitung aus Hackfleisch“ und nicht um reines Hackfleisch. Das Produkt sei für Kunden, „die sich bewusster und ausgewogener ernähren wollen“.

Rote-Beete-Saft, Mehl und Wasser

Dabei enthält Nettos Hackfleisch light sogar mehr Fett als das meiste frisch durch den Fleischwolf gedrehte Hackfleisch von der Bedien-Theke - denn dafür wird in der Regel höherwertiges, mageres Fleisch verwendet. Der Werbehinweis auf „30 Prozent weniger Fett“ stimmt nur im Vergleich mit anderem verpackten Hackfleisch aus dem Selbstbedien-Regal, für das meist billigeres, fettreiches Fleisch verwendet wird. Ein solches Produkt bietet der Discounter ebenfalls an - es kostet jedoch weitaus weniger als das gestreckte Hack-Produkt. So kostet ein Kilogramm Hackfleisch circa vier Euro, Fleisch mit Wasser und Mehl vermischt dagegen rund 5,50 Euro. „Hier geht es ganz offensichtlich nicht um ein schlankes, gesünderes Produkt, sondern ganz allein um mehr Brutto für Netto“, kritisiert Oliver Huizinga von foodwatch. Die 30 Prozent Fleisch ersetzt der niederländische Fleischkonzern Vion, der für die Netto-Eigenmarke „Viva Vital“ produziert, durch Wasser und „texturiertes Weizenprotein“ für die „fleischähnliche“ Konsistenz und Rote-Beete-Saft sowie Paprikaextrakt für die „fleischähnliche Farbe“. Huizinga fasst zusammen: „Nie war so wenig Fleisch im Hack, nie war schnittfestes Wasser so teuer.“

Rechtlich einwandfreier Schwindel

Netto Marken-Discount wies die Vorwürfe zurück. Bei dem Artikel „Viva Vital Zubereitung aus Hackfleisch gemischt mit pflanzlichem Eiweiß“ handele es sich um eine Fleischzubereitung und kein reines Hackfleisch, erläuterte das Unternehmen. Das sei auch so deklariert. „Dafür wurde herkömmliches Hackfleisch mit wertvollem pflanzlichem Eiweiß in Form von Weizenprotein kombiniert“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens aus der Edeka-Gruppe. Im Unterschied zu normalem Hackfleisch sei es „eine Alternative mit pflanzlichem Eiweiß“. Die Auszeichnung „30 Prozent weniger Fett“ beziehe sich auf den Vergleich mit verpacktem, im Selbstbedienungsfach angebotenem Hackfleisch. Rechtlich ist diese Etikettierung zulässig.

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Auch andere als fettreduziert beworbene Produkte entpuppen sich als gestreckte Varianten des Originals - und damit als teurer Etikettenschwindel: Die „Thomy légère leichter als Mayonnaise“ von Nestlé besteht nicht wie echte Mayonnaise hauptsächlich aus Öl und Eigelb, sondern zum Großteil aus Wasser - das könnten Verbraucher aber auch selbst in Mayonnaise rühren. Auch die „Kokosnussmilch light“ von Exotic Food besteht in erster Linie aus Wasser. Sie enthält gerade einmal 23 Prozent Kokosnuss, ist aber nur etwa 10 Prozent günstiger als das „Original“ vom selben Hersteller mit einem Kokosnuss-Anteil von 85 Prozent. Und Unilever streckt seinen Butterersatz „Lätta & luftig“ mit Luft. Das Ergebnis: 320 Gramm der mit Stickstoff aufgeschlagenen Halbfettmargarine kosten genau so viel wie 500 Gramm normale Lätta.

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