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Einzelhandel in der Krise„Insolvenzen können schnell zu einem Domino-Effekt führen"

Handelsketten wie Kodi, Depot, Weltbild und Esprit haben Insolvenz angemeldet. Und dabei wird es nicht bleiben, zeigt eine exklusive Studie.Henryk Hielscher 29.11.2024 - 08:07 Uhr

Der Black Friday setzt den Handel unter Druck.

Foto: imago images

30, 40 oder sogar 50 Prozent: Rund um den Black Friday sind Preisreduzierungen kaum zu übersehen. Es sind die Tage, an denen sich Kunden in Deutschland vor Sonderangeboten kaum retten können. Schließlich markiert das Schnäppchenspektakel den Start ins Weihnachtsgeschäft, die wichtigste Zeit des Jahres für den Einzelhandel

Der Preiswettkampf setzt die Branche jedoch unter Zugzwang. Viele Unternehmen können es sich einerseits kaum leisten, den Black Friday zu ignorieren und nicht mitzumachen. Andererseits nehmen die Aktionstage viele Ausgaben für Weihnachtsgeschenke vorweg – und das zu Preisen, die deutlich weniger Marge bieten. 

Dabei ist die Branche auf gute Geschäfte angewiesen. Gerade jetzt. Der Einzelhandel steckt in einer schweren Krise. In den vergangenen Monaten meldeten gleich mehrere bekannte Handelsketten Insolvenz an.

Mehr Insolvenzen erwartet

Den Anfang machten 2024 die Warenhausgruppen Galeria und KaDeWe, es folgten die Kosmetikkette The Body Shop, der Modeanbieter Esprit und der Onlinehändler Weltbild. Sowie der Haushaltdiscounter Kodi, der am Donnerstag ein Schutzschirmverfahren startete. Und dabei wird es kaum bleiben, zeigt nun eine Studie der auf Restrukturierungsthemen spezialisierten Beratungsgesellschaft FTI-Andersch. Für die Untersuchung wurden 50 Nonfood-Handelsunternehmen mit einem Umsatz von jeweils mindestens 50 Millionen Euro befragt. Die Ergebnisse sind damit zwar nicht repräsentativ, werfen aber ein Schlaglicht auf den Zustand der Handelszunft. 

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Laut der Untersuchung will jeder dritte Händler (36 Prozent) eine Restrukturierung noch bis Ende 2024 umgesetzt oder begonnen haben. Vier von fünf Einzelhändlern (83 Prozent), die eine Restrukturierung planen, zögen auch eine strategische Neuausrichtung ihres Unternehmens in Betracht. 17 Prozent würden Filialschließungen planen und die Hälfte (50 Prozent) in der Planung gezielt Arbeitsplatzabbau als wichtige Maßnahme berücksichtigen, um Kosten zu senken. 

Insgesamt schätzt der Non-Food-Einzelhandel in Deutschland die wirtschaftliche Lage demnach als verheerend ein. Fast die Hälfte (48 Prozent) der Unternehmen rechnet mit einer schlechteren Geschäftsentwicklung als im Vorjahr. 60 Prozent erwarten eine Zunahme von Insolvenzen im Handel. Jeder dritte Händler geht sogar von einer „Insolvenzwelle“ unter Händlern und Lieferanten aus. Und ein Viertel der Befragten (24 Prozent) sieht sich laut der FTI-Andersch-Analyse selbst „existenziell bedroht“, wenn branchenweite Insolvenzen im erwarteten Umfang eintreten.

„An einer Marktbereinigung wird kein Weg vorbeiführen“

„Insolvenzen können schnell zu einem Domino-Effekt führen: Kunden und Lieferanten brechen weg, Rabattschlachten nehmen zu, Finanzierer werden immer skeptischer und die Attraktivität von Innenstädten sinkt weiter“, konstatiert Dorothée Fritsch, Handelsexpertin bei FTI-Andersch.

Die ersten prominenten Insolvenzen haben wir bereits gesehen“, so Fritsch. „Jetzt treffen strukturelle Herausforderungen auf die wohl schlechteste wirtschaftliche Lage seit der Wirtschafts- und Finanzkrise.“ Und das gepaart mit einer anhaltend schlechten Konsumstimmung. Die Konsequenz: „An einer Marktbereinigung wird kein Weg vorbeiführen“, sagt Fritsch.

Davon gehen offenbar auch die Banken aus – und verstärken den Druck. Den Studienergebnissen zufolge stellen aus Sicht der Händler Refinanzierungen von Krediten eine zunehmende Herausforderung dar. Dies sei auf das aktuelle Zinsumfeld und auf gestiegene Anforderungen der Finanzierer zurückzuführen.

Es werde erkennbar sein, „wer für diesen Sturm gut gerüstet ist“, sagt Fritsch. Diese Händler hätten rechtzeitig auf passgenaue Verkaufsformate und Standorte gesetzt, böten ein fokussiertes Sortiment an und beherrschten das Zusammenspiel von Filial- und Digitalgeschäft. Weitere Erfolgsfaktoren seien beispielsweise die Bereitschaft, gemeinsam mit den wichtigsten Lieferanten neue Belieferungsmodelle zu entwickeln und mit Vermietern neue, in Teilen flexibilisierte Mietkostenmodelle zu vereinbaren, so Fritsch.

Immerhin: Wie in jeder Krise werde es auch diesmal Gewinner geben, ist die Expertin überzeugt. „Allerdings deutlich weniger als Verlierer.“

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