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HochwasserTrockner unter Wasser

Die Flut war für viele Unternehmen ein Anlass für pfiffiges Marketing.Andreas Wildhagen 24.06.2013 - 00:00 Uhr

Das Ernst-Abbe-Stadion in Jena (Thüringen) ist vom Hochwasser der Saale überflutet. Wie in anderen Landesteilen sollen auch hier die Schulen und Kindergärten am Montag und Dienstag geschlossen bleiben.

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So ein Hochwasser wurde für die Dreiflüssestadt Passau nicht vorhergesagt: In der Nacht zum Sonntag stieg der Wasserstand innerhalb weniger Stunden auf mehr als 9,50 Meter - weite Teile der Altstadt sind überflutet. Viele Menschen wurden von den Wassermassen überrascht und können ihre Häuser nicht mehr verlassen oder betreten. Am Sonntagmittag löste die Stadt gar Katastrophenalarm aus.

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In Würzburg wurde das bis zum 2. Juni geplante Africa-Festival wegen Hochwassers vorzeitig abgebrochen. Auch auf dem Main wurde die Schifffahrt unterbrochen.

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In der sächsischen Stadt Chemnitz ist der gleichnamige Fluss über die Ufer getreten und überschritt kurzzeitig die Schwelle der Hochwasser-Alarmstufe 4. Für die Zwönitz galt bereits die höchste Alarmstufe. Auch in Zwickau und im Landkreis Leipzig riefen die Behörden den Katastrophenfall aus. In Zwickau begann die Evakuierung eines Ortsteils. Das Wasser der Mulde war dort nur noch wenige Zentimeter von der Dammkrone entfernt.

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Die Hochwasserstände vergangener Jahre sind im Zentrum von Grimma (Sachsen) in einer überschwemmten Straße an einer Mauer angezeichnet. Nach tagelangen Regenfällen ist die Lage an den Flüssen angespannt: Nach einer ruhigen Nacht stiegen die Pegelstände der Mulde allerdings wieder an. Es soll noch am Sonntag entschieden werden, ob es Evakuierungen geben wird.

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Die Verschalungen eines Brückenneubaus in Hartenstein (Sachsen) brechen in den Fluten der Zwickauer Mulde weg. Im Hintergrund ist die Burg Stein zu sehen.

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Auch auf dem Rhein wurde die Schifffahrt eingestellt: Wie hier unter der Rheinbrücke in Rheinfelden kam es in Baden-Württemberg zu vielen Überschwemmungen.

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In Tschechien droht die Moldau nach den starken Regenfällen der vergangenen Tage, die Prager Altstadt zu überfluten. Die Stadtverwaltung nannte die Hochwasserlage „sehr ernst“. Fahrten in die Moldaumetropole sollten vermieden werden, warnte die Behörde. Im August 2002 hatte Tschechien das schlimmste Hochwasser seiner Geschichte erlebt. Damals stand etwa ein Drittel des Landes unter Wasser, 17 Menschen kamen in den Fluten ums Leben.

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Die dramatischen Flut-Fernsehbilder der vergangenen Wochen haben für den Pharmahersteller Stada aus dem hessischen Bad Vilbel ein Nachspiel, das sich noch weit in den Sommer fortsetzen wird. Stada-Chef Hartmut Retzlaff reagierte angesichts der verzweifelten Gesichter der Überschwemmungsopfer blitzschnell. Das Unternehmen beschloss, den gefluteten Apotheken in den Hochwassergebieten unbürokratisch zu helfen. Der Pharmakonzern ersetzt kostenlos den durchnässten Pillenbestand, sofern er von Stada stammt. Die Aktion ist in den vergangenen Tagen angelaufen. „Betroffenen Apotheken in Deutschland haben wir Ersatz angeboten“, sagt eine Pharmamanagerin.

Hochwasser

Wie die Flut Unternehmen lahmlegt

von Andreas Wildhagen

Die Arbeit geht in der jetzt angelaufenen Aufräum- und Aufbauphase erst richtig los. Zurzeit klappert der Stada-Außendienst die Hochwassergebiete ab, um die Schäden aufzunehmen. Das Ganze ist eine wohldurchdachte Aktion. Denn Stada schüttet nicht gedankenlos das Füllhorn aus, sondern knüpft an seine eigene Geschichte an: Im wassergeschädigten Dresden schlossen sich anno 1895 Apotheken zu einer Einkaufsgenossenschaft zusammen. Aus dem Bund erwuchs nach dem Zweiten Weltkrieg das weltweit agierende Unternehmen. „Die Flut brachte Stada wieder zurück zu seinen Wurzeln“, lächelt ein betroffener sächsischer Apotheker seine Sorgen um den Wiederaufbau seines Geschäfts weg.

Was schlaues Marketing ist, zeigten vor allem die Baumärkte. Bei Max Bahr brach zwar an den wassergetränkten Elborten der Umsatz von Gartenmöbeln weg, wurde aber durch den florierenden Verkauf von Baumaterialien ersetzt. Viele Kunden pilgerten in den vergangenen Tagen in die Baumärkte, nicht nur von Max Bahr, sondern auch von Toom Baumarkt und Hellwig, weil sich die Discounter in der Radiowerbung gegenseitig mit Rabatten für Ausbesserungsmaterialien und Werkzeugen unterboten. Die Spots wechselten sich jeweils mit Hochwassersondermeldungen ab, sodass sich insgesamt die Stimmung zwischen Angst und Aufbruch einpendelte. Niemand musste bei den Do-it-yourself-Märkten seinen Hochwasserschaden nachweisen, sodass auch Hochhausbewohner der oberen Stockwerke dankbar die Rabatte für ihre Heimverschönerung nutzen konnten.

Auch Opel sah seine Stunde gekommen. In der Rüsselsheimer Opel-Zentrale wurde nicht nur für die geflutete Wiege der Automobilwirtschaft, das Land Sachsen, sondern für alle Opfer ein Programm ausgerufen, auf das der SPD-Kanzlerkandidat hätte neidisch werden können: „In diesen Tagen gilt es zusammenzurücken“, gab Opel-Chef Karl-Thomas Neumann eine Mut machende Parole aus. Der Autohersteller bietet an, dass sich jeder Flutgeschädigte bei einem Opel-Händler meldet, um für einen Zeitraum von bis zu drei Wochen kostenlos ein Auto anzumieten. Opel reicht dabei, um Missbrauch vorzubeugen, eine Bescheinigung von Technischem Hilfswerk, Polizei, Feuerwehr oder Gemeindeverwaltung, dass der Hilfesuchende wirklich geschädigt und kein Trittbrettfahrer ist. Eine eher kleine Aktion startet der MAN. 30.000 Euro spendet der Lkw-Bauer an die Aktion „Hilfe für Helfer“ und verweist mit unfreiwilliger Komik stolz darauf, dass selbst mehr als „30 Jahre alte MAN-Einsatzfahrzeuge“ bei den Ortsfeuerwehren in Hochwassergebieten immer noch funktionieren.

Dass vielen Opfern bei der Behebung ihrer Wasserschäden plötzlich klar wird, dass sie nicht flüssig genug sind, nutzt die Sparda-Bank Berlin. Sie stellt kurzfristig zinsfreie Sofortkredite im Umfang von insgesamt 2,5 Millionen Euro zur Verfügung. Betroffene Kunden können Modernisierungsdarlehen in Höhe von bis zu 10.000 Euro und mit einer Laufzeit von fünf Jahren in Anspruch nehmen, verspricht das Kreditinstitut. Selbst Unternehmen, die nicht unmittelbar mit Hochwasserschäden in Verbindung gebracht werden, zeigen rabattrelevante Empathie. So bietet Bosch und Siemens Hausgeräte allen Geschädigten, denen Rührmixer, Waschmaschinen oder Geschirrspüler abgesoffen sind, Preisnachlässe von bis zu 25 Prozent. Die Bosch-Siemens-Manager zeigen auch intime Ortskenntnis im Umfeld ihrer Kunden. Die Geräte stünden erfahrungsgemäß „in den Kellern der überschwemmten Privathaushalte“, heißt es aus dem Unternehmen. So sind auch nasse und damit unbrauchbar gewordene Trockner in die Rabattaktion mit eingeschlossen.

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