Gläubiger stimmen zu: Isabella Goebel bleibt Inhaberin der Modehaus-Gruppe Sinn
Beide Kandidaten versprachen, die insolvente Modehandelskette Sinn zu retten. Beide Kandidaten boten den Gläubigern an, insgesamt 12,5 Millionen Euro ihrer Forderungen zu ersetzen. Und beide sicherten zu, die 34 Standorte des Unternehmens mit Sitz in Hagen zu erhalten.
Doch am Ende konnte Isabella Goebel, die bisherige Gesellschafterin des mittelständischen Modehauses, die Sinn-Gläubiger überzeugen. Sie gaben Goebels Insolvenzplan gegenüber der Variante von JC Switzerland Holding, Eigentümer der Düsseldorfer Modekette P&C, den Vorzug.
Dass bei einer Gläubigerversammlung zwei konkurrierende Insolvenzpläne zur Abstimmung gestellt werden, ist äußert ungewöhnlich. Normalerweise wählen der Insolvenzverwalter und die Mitglieder des Gläubigerausschusses schon im Vorfeld einen Bieter aus. Diesmal lief es anders: „Wir haben im Insolvenzverfahren eine komfortable Situation geschaffen“, wird Insolvenzverwalter Michael Mönig, Partner der Kanzlei Mönig, in einer Pressemitteilung zitiert.
Showdown bei Sinn
Beide Bieter wollten alle Standorte sowie alle Arbeitsplätze sichern und hätten mit ihren Übernahmeangeboten eine überdurchschnittliche Quotenzahlung für die Gläubiger ermöglicht. „Das war für die Gläubiger eine sehr gute Ausgangslage für die Abstimmung auf der heutigen Versammlung“, so Mönig. Er hat den Geschäftsbetrieb des Modehauses in den letzten Monaten gemeinsam mit dem Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Karsten Zabel stabilisiert.
Das Sinn-Management hatten im August 2024 einen Insolvenzantrag in Eigenverwaltung gestellt. Als Gründe wurden damals geänderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen, einmalige Sondereffekte wie Wasserschäden und andere bautechnische Probleme erwähnt, weshalb zeitweilig Etagen und sogar ganze Häuser schließen mussten. Das habe zu Umsatzrückgängen bei gleichzeitig gestiegenen Kosten für Mieten, Energie und Logistik geführt. Der Einsatz eines neuen Warenwirtschaftssystems soll die Kosten zusätzlich erhöht haben.
Im Dezember kippte das Verfahren von der Eigen- in die Regelinsolvenzverwaltung. Hintergrund waren „Unstimmigkeiten zwischen den Geschäftsführern über die Prämissen der integrierten Unternehmensplanung“, heißt es in Unterlagen, die bei Gericht eingereicht wurden. Die Gläubiger beauftragten in der Folge Insolvenzverwalter Mönig damit, einen Insolvenzplan auf Basis des Übernahmeangebots der JC Switzerland Holding zu erstellen. Die Gesellschafterin Isabella Goebel erhielt die Möglichkeit, einen alternativen Insolvenzplan einzureichen. Das Gericht hat beide Pläne angenommen und zugestimmt, den Gläubigern die Entscheidung zu überlassen.
Ausschlaggebend waren bei der Gläubigerversammlung dem Vernehmen nach die Stimmen von Arbeitnehmern, Lieferanten und Vermietern, bei denen die bisherige Gesellschafterin punkten konnte.
Isabella Goebel statt P&C – ob das die richtige Entscheidung war, wird sich wohl erst noch zeigen. Viel dürfe bei der Umsetzung von Goebels Plan jedenfalls nicht schiefgehen, heißt es in der Branche.
Der Modehändler Sinn war 2020 bereits in die Insolvenz gerutscht und hatte Rettung in einem Schutzschirmverfahren gesucht. Zuvor hatte die Kette bereits 2008 und 2016, damals noch unter dem Namen SinnLeffers, Insolvenz angemeldet.
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