Logistik: Verdi für Schenker-Verkauf an Finanzinvestor
Die Gewerkschaft Verdi wehrt sich gegen einen Verkauf der Bahn-Spedition Schenker an den dänischen Konkurrenten DSV. „Der drohende Arbeitsplatzabbau bei einer Übernahme von DSV ist immens“, schreibt die Gewerkschaft in einem Positionspapier, das der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag vorlag. Man bevorzuge daher den einzig verbliebenen Mitbewerber um Schenker, den Finanzinvestor CVC.
Zwar werde CVC dann voraussichtlich die Europa-Zentrale von Schenker schließen und in der Konzern- und Deutschland-Zentrale Jobs abbauen. Dies sei aber kein Vergleich zu den erwarteten Arbeitsplatzverlusten bei einem Kauf durch DSV. Den Unterschied beziffert Verdi auf 5300 Jobs von knapp 15.000 in Deutschland. Weltweit hat Schenker über 70.000 Beschäftigte.
Insidern zufolge bieten sowohl die Finanzinvestoren um CVC wie auch DSV jeweils 14 Milliarden Euro für Schenker. CVC bietet alternativ auch den Kauf von 75,1 Prozent des Unternehmens an, wobei der Rest zunächst bei der Bahn bleiben könnte. Letztlich will CVC Schenker wieder in Frankfurt an die Börse bringen.
Dabei würde allerdings nicht nur die Marke erhalten, sondern auch die Masse der Arbeitsplätze. Zudem will CVC die deutsche Konzernzentrale in Essen erhalten. DSV könnte dagegen mit einer Integration von Schenker erhebliche Synergien etwa in Verwaltung und bei den Standorten heben, die Arbeitsplätze kosten würden.
Da die Gebote für Schenker praktisch gleich hoch seien, könne der Kaufpreis nicht das entscheidende Argument für einen Bieter sein, heißt es im Verdi-Papier. Da aber nach Verdi-Informationen der Verkauf sogar rückwirkend ab Anfang 2024 gelten solle, könne dies zudem die zweijährigen Arbeitsplatz- und Standortgarantien gefährden. Denn formal abgeschlossen werden soll der Verkauf erst 2025, es blieben so für die Garantien nur Monate.
Schenker werde CVC zufolge zudem in einer Gesellschaft fortgeführt, schreibt Verdi. „Bei einer Übernahme durch DSV würden laut Aussage von DSV die Arbeitnehmenden auf drei Gesellschaft aufgeteilt.“ Dies hätte Auswirkungen auf die Mitbestimmung in den Gesellschaften.
Bei Schenker-Deutschland ist Verdi die führende Gewerkschaft. Im Bahn-Konzern-Aufsichtsrat, der auch über den Verkauf entscheiden muss, sitzt hingegen kein Vertreter. Als sicher gilt, dass Spitzen-Vertreter von Ministerien der Bundesregierung eine entscheidende Stimme beim Verkauf haben werden.
Die Bahn will Schenker verkaufen, um sich auf das krisengeschüttelte Kerngeschäft in Deutschland zu konzentrieren und die Schuldenlast von über 30 Milliarden Euro abzubauen. Dies ist wichtig, um die Kreditwürdigkeit zu erhalten. Sonst würden die Zinszahlungen auf die Schulden weiter steigen. Schenker ist jedoch seit langem der wichtigste Gewinnlieferant für die Bahn.