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UhrenWocheKann das Comeback von Universal Genève in der Uhrenkrise gelingen?

Universal Genève, nie gehört? Derzeit wird das Comeback der vergessenen Marke vorbereitet, ein limitiertes Sondermodell soll Lust auf mehr machen.KOMMENTAR von Joern Frederic Kengelbach 10.11.2025 - 11:30 Uhr
Comeback des Jahres? Die erste goldene Compax von Universal Genève. Foto: PR

Compax, Tri-Compax, Cabriolet, Polerouter: Die Namen berühmter Uhrenmodelle von Universal Genève klingen Uhrensammlern bis heute in den Ohren. 1894 gegründet, verschaffte man sich bis Mitte des 20. Jahrhunderts mit innovativen Designs und uhrmacherischer Finesse Respekt.

Die Quarzkrise stellte das Unternehmen wie viele andere vor Probleme, es wurde 1989 an Stelux verkauft, einen Uhrenhändler aus Hongkong. Dann wurde es still – und leider auch billig. 2023 wurde die Marke von jemanden aufgekauft, dessen Name aufhorchen lässt: Zusammen mit Investoren erwarb die Marke Breitling-Chef Georges Kern.

Mit den Private-Equity-Größen Partners Group und CVC Capital Partners hat er bereits die Fliegeruhrenmarke umgekrempelt. Nun folgt Universal, preislich sogar noch oberhalb von Breitling positioniert, wie er der WirtschaftsWoche im Interview verriet.

Herrschaftlich: Universal Genève soll 2026 nach Genf zurückkehren, angeblich an die alte Firmenadresse am Genfer See. Foto: PR

Ob das im ohnehin angespannten Luxusuhrenmarkt funktioniert? Die ersten Serienmodelle kommen zwar erst nächstes Jahr in den Handel, doch bereits jetzt wird die Rückkehr strategisch geplant: Im Mai hatte das Auktionshaus Phillips bereits eine nagelneue „Polerouter“ versteigert. Das Modell aus der Feder des Designers Gerald Genta gilt als eines der wichtigsten der Marke. Die weißgoldene Variante, ein Unikat, gibt einen Vorgeschmack auf Serienuhren und testet den Markt. Lag der Schätzpreis bei 25.000 bis 50.000 Schweizer Franken, fiel der Hammer schließlich bei 71.120 Franken. Ein Rekord für dieses Modell, dabei sind solche Ausreißer bei einem Einzelstück auch nicht ungewöhnlich.

Rekordpreis: Die Universal Genève Polerouter SAS Tribute brachte auf einer Auktion 71.120 Schweizer Franken ein. Foto: PR

Die Marke jedenfalls hatten Liebhaber historischer Zeitmesser mit aufwendigen Werken wie den Tri-Compax-Chronographen immer im Blick, die Vintagepreise liegen allerdings weit unter solchen Summen. Ob die Neuinterpretationen Konkurrenten wie Cartier und Jaeger-LeCoultre ausstechen werden, muss sich zeigen. Experten trauen Marketingprofi Kern nach jahrzehntelanger Erfahrung bei IWC und Breitling zu, den Spagat hinzubekommen.

„Tribute to Compax“: zwei Uhrensets mit jeweils drei Uhren wird es geben. Sie kosten über 130.000 Schweizer Franken – Netto. Foto: PR

Um im Gespräch zu bleiben und Lust auf das Comeback zu machen, präsentiert Kern nun eine Hommage an das berühmteste Compax-Modell, die „Nina Rindt“. Dazu muss man wissen: Das finnische Model wurde in den 1960er Jahren zu einer unerwarteten Stilikone im Fahrerlager der Formel 1. Sie war mit dem Rennfahrer Jochen Rindt verheiratet und stoppte als Begleiterin bei Rennen seine Rundenzeiten mit einer Universal Genève Compax an ihrem Handgelenk. Doch das war nicht irgendein Chronograph, die Uhr war ein Geschenk ihres Ehemanns, dem Formel-1-Weltmeister. Angeblich ließ der sogar den Sekundenzeiger des Chronographen von Schwarz auf Rot umrüsten, damit Nina die Rundenzeiten genauer messen konnte.

Das schwedische Model Nina Rindt trug ihre Compax in 1960er Jahren mit sogenanntem Panda-Dial an einem markanten Lederband. Foto: PR

Doch Frau Rindt fand das Armband der Uhr angeblich zu maskulin – sie wollte etwas, das zu ihrem eigenen Stil passte. Auf einer Reise nach Paris soll sie in einem Schaufenster eine breite Ledermanschette entdeckt haben. Diese sogenannten Bund-Armbänder wurden einst von Piloten getragen, um das Handgelenk vor Hitze im Cockpit zu schützen. Heute ruft das paradoxerweise eher maskuline Assoziationen hervor. Doch Frau Rindt war anderer Auffassung, ließ ihre Compax in die Ledermanschette einpassen und drückte so der Uhr ihren eigenen Stempel auf, die auffiel und unkonventionell modern wirkte, wie alte Fotos belegen. Unter Sammlern entwickelte sich die Uhr zu einem der begehrtesten Vintage-Chronographen des 20. Jahrhunderts. Experten nennen sie heute einfach „die Nina“. Die echte Nina ließ es sich auch mit mehr als 80 Jahren nicht nehmen, bei der Lancierung – mehr als ein halbes Jahrhundert später – mitzureden.

Zum ersten Mal überhaupt präsentiert Universal Genève nun „die Nina“ in 18 Karat Weiss- und Rotgold als exklusive Auflage von nur zwei Sets mit jeweils drei „Tribute to Compax“-Uhren. Während das Modell der 1960er Jahre noch das Kaliber Valjoux 72 verwendete, werden diese Modelle vom Uhrwerk Kaliber „Universal 281“ von Universal Genève angetrieben – die einzigen „Ninas“, die dieses historische Werk verwenden.

Die neuen „Tribute to Compax“-Uhren bekommen historische Uhrwerke Kaliber Universal 281. Foto: PR

Die Bund-Armbänder der neuen Kollektion wurden vom renommierten japanischen Lederkünstler Satoru Hosoi handgefertigt. Hosoi ist nicht irgendwer, er wurde sowohl in Japan als auch in Italien ausgebildet, bevor er sein Handwerk bei Hermès und Moynat perfektionierte. Er erhielt 2015 den Titel „Meilleur Ouvrier de France“ – Bester Handwerker Frankreichs. Es ist seine erste Zusammenarbeit mit einer Uhrenmarke.

Der 2015 zum „besten Handwerker Frankreichs“ gekürte Japaner Saturo Hosoi fertigte die Lederbänder der Uhren. Foto: PR

Auch das Zifferblatt ist nicht etwa schnöde bedruckt, es wurde aufwändig in Grand-Feu-Emaille gearbeitet. Die Brenntechnik gilt als eine der angesehensten dekorativen Handwerkskünste in der Uhrmacherei.

Sehr selten: Die Sportuhren werden mit Zifferblättern aus seltener Feuer-Emaille ausgestattet. Es werden historische Uhrwerke verbaut. Foto: PR

Für die Werke hat Universal Genève historische Kaliber 281 aus der Compax-Ära wieder aufgearbeitet. So entstanden Chronographen mit Handaufzug und Schaltrad wie früher. Sie waren einst das technische Rückgrat und begründeten das Renommee der Manufaktur.

Das Original-Modell der Compax, dass Nina Rindt trug, wurde nur 200 Mal und nur rund drei Jahre von 1964 bis 1967 gebaut. Foto: PR

Die Uhren sind ausschließlich auf Anfrage erhältlich. Der Preis pro Set beträgt 135.000 Schweizer Franken netto. 50.000 Euro für eine Golduhr sind sportlich, allerdings kostet eine nicht limitierte goldene Rolex heute auch nicht viel weniger. Sehr gut erhaltene Vintage-Stahl-Originale gibt es auch nicht mehr unter 25.000 Euro. Die Originaluhren sind zudem sehr selten, die „Nina“ wurde nur rund 200 Mal im Zeitraum zwischen 1964 und 1967 produziert. Am Ende geht der Erlös nicht an die Brand, sondern kommt der Genfer Uhrmacherschule zugute, der ältesten Uhrmacherschule der Schweiz.

Die Marke machte sich als Maßschneider für Uhren einen Namen für Männer wie für Frauen. Foto: PR

CEO Georges Kern ist zufrieden: „Diese sechs individuell gefertigten Uhren entsprechen der Ausrichtung, die wir 2023 beim Erwerb der Marke festgelegt haben.“ Soll heißen: Universal Genève wird sich im Topsegment ansiedeln. Strategisch kann das schlau sein: Die Zahl der Dollar-Millionäre hat sich in den letzten 25 Jahren auf rund 60 Millionen Menschen weltweit versechsfacht. Die Uhrenproduktion der Schweiz allerdings nicht: Addiert man die Stückzahlen der zwanzig umsatzstärksten und wichtigsten Schweizer Luxusuhrenmarken zusammen (und lässt Swatch-Modelle einmal außen vor) kommen man auf rund 6,5 Millionen Zeitmesser. Nicht mal jeder zehnte Millionär würde überhaupt nur eine Uhr dieser Marken bekommen können. Da ist also noch Luft nach oben.

Eine Homepage der Marke ist bereits freigeschaltet. Sie berichtet launig über den einstigen „Couturier de la montre“. Immer persönlichere, maßgeschneiderte Uhren sind jedenfalls bei Sammlern und der Gen Z stark angesagt. Entscheidend für das Gelingen des Comebacks wird werden, dem Anspruch einer Vollmanufaktur mit eigenen, nur für die Marke maßgefertigten Uhrwerken gerecht zu werden. Das sorgt bei Sammlern und Experten für Respekt. Die sind, so Georges Kern, fest versprochen. Man darf gespannt sein, wie er den teuersten Teil des Comebacks im Detail umsetzen wird.

Lesen Sie hier alle Artikel der UhrenWoche und weitere spannende Geschichten rund um die Trends der Uhrenbranche.

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