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Markenküchen Die Scheinrabatte der Küchenhändler

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1000 Euro geschenkt

Die größten deutschen Küchenhersteller
Platz 11: Bulthaup GmbHNobelhersteller Bulthaup aus Bodenkirchen, nordöstlich von München folgt mit 110 Millionen Euro Umsatz. Quelle: Creditreform 2011 in statista Branchenreport Herstellung von Möbeln Quelle: PR-Bulthaup
Platz 10: Impuls KüchenDer sauerländische Küchenhersteller Impuls aus Brilon kam auf rund 114 Millionen Euro Umsatz. Die Marke gehört inzwischen zur Alno AG. Quelle: Presse
Platz 9: Burger KüchenmöbelDer Küchenhersteller aus Burg bei Magdeburg setzt rund 120 Millionen Euro um. Quelle: Screenshot
Platz 8: Pino KüchenPino Küchen kommen ausnahmsweise nicht aus Ostwestfalen, sondern aus Coswig bei Dresden. Die Küchenhersteller machen 126 Millionen Euro Umsatz. Pino Küchen gehören zur Alno AG. Quelle: Presse
Platz 7:  PoggenpohlDer Nobelküchenhersteller folgt mit einem Umsatz von 128 Millionen Euro dicht und hat seinen Sitz ebenfalls im ostwestfälischen Herford. Quelle: Poggenpohl
Platz 6: Gustav WellmannDie Gustav Wellmann GmbH aus Enger bei Herford erzielt 143 Millionen Euro Umsatz. Der Küchenhersteller gehört zur Alno AG. Quelle: Presse
Platz 5: Schüller MöbelwerkSchüller hat seinen Sitz rund eine Stunde westlich von Nürnberg in Herrieden und macht rund 230 Millionen Euro Umsatz. Quelle: Screenshot

Da kommt die Schaffrath-Werbung gerade Recht. Sie verspricht einen Sonderrabatt von bis zu 50 Prozent auf alle frei geplanten Markenküchen und „bis zu 3000 Euro Prämie geschenkt“. Die im Prospekt beworbenen Küchen sind von dieser Rabatt-Prämienaktion allerdings ausgenommen, lese ich im Kleingedruckten auf Seite drei. Offenbar lässt bei diesen Küchen der Angebotspreis keine weiteren hohen Preisnachlässe zu.

Mich stört das nicht, denn ich weiß, dass die Preise immer nur für die abgebildete Zusammenstellung von Möbeln und Elektrogeräten gilt. Wer eine andere Aufteilung benötigt, bekommt einen anderen Preis. Dennoch bin ich zuversichtlich, als ich das Möbelhaus betrete. Damit ich ein erstes brauchbares Angebot ohne allzu viel Zeitaufwand bekomme, habe ich einen Grundriss in der Tasche, der schon einmal für die Küchenplanung gedient hat. Auch die Aufteilung der Schränke und Geräte ist schon vorgeplant. Damit die Preise später mit den Angeboten anderer Händler vergleichbar sind, habe ich mich auf eine bestimmte Front für Schränke und Schubladen festgelegt. Ich suche eine Nobilia-Küche, alternativ interessiert mich auch eine Ausstattung von Alno. Die Marke hat einen guten Ruf, ist aber auch teurer. Aber vielleicht ist die ja nach Abzug der versprochenen Rabatte trotzdem bezahlbar.

Beim Rundgang durch die Küchenabteilung bin ich zunächst enttäuscht: die angebotenen Marken sagen mir nichts. Mondo und Vito heißen die ausgestellten Küchen, von Nobilia keine Spur. Nur Alno entdecke ich in der Ausstellung. Als ich nach Nobilia-Küchen frage, schickt die Dame von der Information gleich nach einem Kundenberater. Der freundliche Verkäufer erklärt mir, dass sich hinter der Eigenmarke Mondo der Hersteller Nolte verberge, hinter Vito stecke Nobilia. Unter den eigenen Hausmarken bietet Schaffrath zusätzliche Varianten für die Küchenfront an, die nicht zum Standardrepertoire der Hersteller gehören, etwa mit eingelassenen Glaselementen. Das ginge weil Schaffrath Großabnehmer bei den Herstellern sei. Aha.

Der Verkäufer ist offenbar bereit, sich viel Zeit zu nehmen. Obwohl an diesem Montagvormittag nicht viel los ist, beschleicht mich das Gefühl, dass Geduld und Muße beim Küchenkauf zum Beratungsprinzip gehören. Vier Stunden später werde ich mich in meinem ersten Eindruck bestätigt fühlen.

Es gibt tatsächlich viel zu bereden. Welche Elektrogeräte sollen dabei sein, was sollen sie können? Welche Arbeitsplatte und Griffe gefallen? Welche Arbeitshöhe wäre angenehm? Welche Armatur soll die Spüle bekommen? Passend zur Farbe der Markenspüle aus einem Granit-Acryl-Gemisch? Oberfläche in Hochglanz, matt, lackiert oder Kunststoff? Wir schauen uns alles an. Schon bei den Mustern für die Schranktürfronten frage ich nach den Qualitätsunterschieden zwischen den Küchenmarken. Die seien gar nicht so groß. Das bestätigen mir später auch Kundenberater in anderen Möbelhäusern. Technisch seien die Küchenmöbel alle gut, Beschläge und Scharniere kämen größtenteils von den gleichen Zulieferern. Hochpreisigere Hersteller böten mehr Auswahl und auch ungewöhnliche Lösungen. Ähnlich verhält es sich mit den Elektrogeräten: Geräte von Siemens, Gaggenau und Neff kämen alle von BSH, der Bosch-Siemens-Hausgeräte-Gruppe. Technisch dieselbe Basis, Ausstattung und Design können variieren. Zudem sind die aus dem Hause Elektrolux stammenden Marken AEG, Zanussi, Juno, Progress Leonard und Zanker bei vielen Küchenhändlern vertreten, ebenso Miele. Viele Küchenhändler bieten verschiedene Geräte-Sets: Den hochmodernen Siemens-Backofen bietet mir der Schaffrath-Mitarbeiter zusammen mit einem Induktionskochfeld für 1300 Euro an.

Mein mitgebrachter Küchenplan ist relativ unkompliziert: L-Form, eine Unterschrankzeile Schubladenschränken, Spülmaschine, Spüle und Kochfeld, im Hochschrank daneben ein Backofen auf halber Höhe, Hängeschränke mit unauffälliger Dunstabzugshaube. Als einzige Schwierigkeit sind zwei Regale vorgesehen: zwei Bretter neben den Hängeschränken und für das Unterschrank-L sind ein Regal vor dem Heizkörper vorgesehen. Details wie Beleuchtung, Mülleimer, Spritzschutzwand oder Besteckkästen lassen wir beim ersten Kaufgespräch außen vor.

Die größten Elektrogeräte-Hersteller

Dennoch zieht sich die Beratung in die Länge. Nach drei Stunden bekomme ich einen Preis für die Alno-Ausstattung. Ich soll mal schätzen. Widerwillig sage ich 6000 bis 6500 Euro. Meine vorsichtige Hoffnung, angesichts der hohen Rabatte eine teure Alno-Küche zum Preis einer Normalo-Küche zu bekommen, zerplatzt: 9500 Euro – 50 Prozent Rabatt und eine geschenkte Prämie von 1000 Euro schon eingerechnet. Regulär hätte die Küche mehr als 15000 Euro gekostet. Allein auf die Möbel hätte ich so schon 5566 Euro gespart. Die 1000-Euro-Prämie gibt es bei Kaufpreisen zwischen 5000 und 10.000 Euro. Hätte ich für 500 Euro mehr geplant, hätte ich 2000 Euro Prämie erhalten, die beworbenen 3000 Euro gibt es erst ab 15.000 Euro Einkauf. Eine merkwürdige Kalkulation: Für ein paar Schränke mehr hätte ich in der Summe weniger gezahlt.

9500 Euro würden mein Budget sprengen, sage ich. Ich hätte gern die identische Zusammenstellung mit Nobilia-Möbeln, die sollten deutlich günstiger sein. Kein Problem, sagt der Verkäufer, nach einer kleinen Pause würde er das schnell rechnen. Eine Stunde später ist er fertig: Die Nobilia-Küche in vergleichbarem Design mit identischen Elektrogeräten soll 7800 Euro kosten. Die Rabatte würden sich dabei in gleicher Größenordnung bewegen. Dass mich der „fast 2000 Euro“ niedrigere Preis nicht überzeugt, sieht mir der Verkäufer offenbar an. Der Verkäufer bietet an, mit seinem Chef zu sprechen, vielleicht ginge noch etwas am Preis. Ich bin erstaunt: 50 Prozent Rabatt plus 1000 Euro geschenkt – und da geht noch was? Er könne halt nur die beworbenen Rabatte einräumen. Sein Chef habe – je nach Laune – da noch mehr Spielraum.

Tags darauf ruft mich der Verkaufsleiter von Schaffrath an, er habe gute Neuigkeiten: Bei der Planung sei versehentlich ein Schrankelement zu viel auf der Teileliste gelandet, so etwas könne schon mal vorkommen. Außerdem schlägt er vor, die Regale auf der Unterseite gegen einen breiten Schrank zu tauschen. Die Regale seien teurer als ein Schrank mit Türen. Ein Schrank weniger, einer dazu also. Sein so optimiertes Angebot: 5950 Euro – satte 1850 Euro weniger als zuvor berechnet. Später frage ich meinen Kundenberater. Ein überflüssiger Schrank mache viel aus, da es sich um Paketpreise handele. Und tatsächlich sei der eingerechnete Rabatt uns sogar höher als die 50 Prozent. Jetzt sei alles runtergerechnet, was ginge. Ich frage nach der Option, die Küche ohne Geräte zu nehmen. Ja, das ginge grundsätzlich, auch mit dem Rabatt. Zwei Tage später erfahre ich ihn: 4550 Euro nur für die Küchenmöbel. So groß wie die vermeintlichen Einzelpreise der Geräte ist der Nachlass also nicht, sonst hätte der Preis grob kalkuliert unter 3000 Euro liegen müssen.

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