WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Neue Untersuchung Deutsche wollen kein Laborfleisch

Die Mehrheit der Bundesbürger wollen auf den Verzehr von Fleisch nicht verzichten. Auch Fleisch aus der Retorte stehen die Deutschen skeptisch gegenüber. Quelle: ddp images

Die Mehrheit der Bundesbürger wollen auf den Verzehr von Fleisch nicht verzichten. Auch Fleisch aus der Retorte stehen die Deutschen skeptisch gegenüber.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Kein Fleischverzicht, kein Laborfleisch. Das sind die zentralen Ergebnisse des Technik-Radar, mit dem die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (Acatech) sowie die Körber-Stiftung regelmäßig untersuchen, was die Bürger über unterschiedliche Technologien denken.

Wer wenig konsumiert, verbraucht wenig Ressourcen und handelt ökologisch. So denkt eine große Mehrheit der Deutschen (74,4 Prozent) und teilt die Ansicht, man müsse den Konsum der Umwelt zuliebe einschränken. Doch wo soll der Konsument damit beginnen? Beim Fleischverzehr jedenfalls nicht. Nur vier von zehn Personen sind der Ansicht, dass die Welternährung sich sicherstellen lässt, wenn wir auf Fleisch aus der industriellen Tierhaltung verzichten, die die Umwelt besonders stark durch Treibhausgase und Gülle belastet. Die großen Flächen für Weideland und Futtererzeugung können außerdem zu Konflikten über eine ressourceneffiziente und umweltverträgliche Nutzung führen und stehen dadurch in Konkurrenz zu alternativen Bewirtschaftungsformen.

Dabei gibt es große Unterschiede zwischen den Geschlechtern und Altersgruppen. Am stärksten vertreten Frauen über 65 Jahren (51,3 Prozent) die Meinung, am wenigsten Männer in der mittleren Altersgruppe zwischen 35 und 65 Jahren (32,3 Prozent). Männer mittleren Alters bekennen sich in besonderer Weise zu häufigem Fleischkonsum (55,9 Prozent). Bei den Frauen über 65 sind es nur 17 Prozent.

Eine Möglichkeit, auf konventionelle Tierhaltung zu verzichten und gleichzeitig die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung zu sichern, ist Fleisch aus dem Labor. Dennoch sind die Deutschen von der Vorstellung, künstlich erzeugtes Fleisch zu essen, wenig begeistert: Nur ein knappes Viertel der Befragten kann sich Laborfleisch als Alternative vorstellen.

Die geringe Zustimmung hängt mit einer Reihe negativer Aspekte zusammen, die mit Laborfleisch in Verbindung gebracht werden: Fast zwei Drittel befürchten, der Verzehr von Laborfleisch führe zu einer weiteren Entfremdung der Menschen von der Erzeugung ihrer Nahrungsmittel. Fast jede oder jeder Zweite hält Laborfleisch für risikoreicher als tierisches Fleisch und eine breite Mehrheit (57,8 Prozent) hält Laborfleisch nicht für einen geeigneten Lösungsansatz, um die globale Ernährungsproblematik zu überwinden. Insgesamt meint nur eine Minderheit (15,7 Prozent), Laborfleisch sei eine gute Sache. Besonders skeptisch sind Frauen im mittleren und höheren Lebensalter, während junge Männer synthetisches Fleisch deutlich positiver bewerten.

Das TechnikRadar ist eine regelmäßige, bundesweit repräsentative Befragung, die nach sozialwissenschaftlichen Standards entwickelt und mit Methoden der empirischen Sozialforschung ausgewertet wird. Erstellt wird die Studie vom Zentrum für interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung der Universität Stuttgart (ZIRIUS). Als langfristig angelegtes Frühwarnsystem soll das TechnikRadar Fehlentwicklungen des technischen Wandels rechtzeitig erkennbar machen oder auf einen besonderen Kommunikationsbedarf hinweisen.

Die Ergebnisse sollen die Grundlage für die Diskussion um den Stellenwert, die Gestaltungsmöglichkeiten und die Regulierungserfordernisse technischer Innovationen bieten. Im Fokus des TechnikRadar 2020 steht die Frage, wie die Deutschen zu den Zielen und möglichen Auswirkungen der Bioökonomie stehen. Der Begriff bezieht sich auf neue Produkte, Verfahren und Dienstleistungen, die fossile durch biologische Ressourcen ersetzen oder biologisches Wissen nutzen, um zu einem nachhaltigeren und zukunftsfähigen Wirtschaftssystem beizutragen.

Mehr zum Thema
Die Fleischbranche steht im Fadenkreuz. Wieder einmal. Während Grünen-Chef Habeck sich für höhere Fleischpreise und bessere Arbeitsbedingungen einsetzt, fordert Discountriese Aldi rasche Preissenkungen für Fleisch und Wurst. Die Probleme rund um Dumpingpreise und ausländische Billigarbeitskräfte in den Schlachtkonzernen sind altbekannt, aber nicht gelöst. Die Politik trägt eine Mitschuld.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%