Nivea-Hersteller Beiersdorf: Der Konzern, der seine Dividende nicht erhöht
Der CEO von Beiersdorf, Vincent Warnery, bei der jährlichen Pressekonferenz am Hauptsitz des Unternehmens in Hamburg.
Foto: REUTERSVincent Warnery hat gute Laune. Der Vorstandschef von Beiersdorf grinst und zwinkert den Journalisten zu, als er die Zahlen des vergangenen Jahres präsentiert. Es sei sein Auftrag gewesen, nach Jahren der Stagnation für Wachstum zu sorgen, sagt er selbst. Und er habe geliefert. Beiersdorf hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz organisch um 10,2 Prozent auf 8,8 Milliarden Euro gesteigert. „Zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten verzeichnen wir ein zweistelliges organisches Umsatzwachstum“, sagt Warnery. Das ist das stärkste Wachstum in 20 Jahren.
Das Umsatzplus verdankt Beiersdorf vor allem Preiserhöhungen. Weil Rohstoffe und Verpackungen im vergangenen Jahr angezogen sind, hat Beiersdorf auch die Preise seiner Produkte angepasst. Die Volumen hätten darunter nicht gelitten, sagt Finanzchefin Astrid Hermann, Beiersdorf habe mehr Produkte verkauft. Zu dem Konzern gehört nicht nur Nivea, sondern auch die Luxusmarke La Prairie und Apotheken-Marken wie Eucerin und Hansaplast. Der Bereich Derma (Eucerin und Aquaphor) konnte seinen Umsatz sogar um 23,9 Prozent steigern und überschritt damit erstmals die Marke von einer Milliarde Euro.
Die operative Rendite stieg zwar nur leicht, von 13 auf 13,2 Prozent. Unter dem Strich aber bleiben Beiersdorf 771 Millionen Euro als Jahresüberschuss. Sein Eigenkapitel hat der Hamburger Konzern im vergangenen Jahr von rund 6,9 Milliarden Euro auf 7,8 Milliarden Euro gesteigert. Die Kassen von Beiersdorf sind gut gefüllt. So voll, dass sich bereits die Frage stellt: Was will Beiersdorf mit all dem Geld anfangen?
Zukäufe auf der Agenda
Andere Konzerne nutzen das Geld für Zukäufe, oder für die Pflege ihres Aktienkurses. Sie kaufen etwa Anteile von Aktionären zurück, was den Kurs der einzelnen Aktie erhöht. Und natürlich schütten sie Teile des Gewinns als Dividende an die Aktionäre aus. Beiersdorf aber schüttet nur 70 Cent pro Aktie aus. Das hat sich seit 2009 nicht verändert, ganz egal, wie hoch oder niedrig der Gewinn per Aktie war.
Für Beiersdorf sollen zunächst Zukäufe im Fokus stehen: Übernahmen stünden sehr weit oben auf der Agenda, sagte Warnery. In den vergangenen Jahren hat Beiersdorf etwa die Luxusmarke Chantecaille gekauft. In den USA investierte Beiersdorf in die Sonnencrememarke Coppertone. Zuletzt investierte der Hamburger Konzern in das Biotech-Unternehmen S-Biomedic, das zum Mikrobiom der Haut forscht.
Beiersdorf wolle vor allem im Bereich der Premium-Hautpflege wachsen und könnte in diesem Bereich Marken zukaufen. „Das ist der Bereich, in dem es Wachstum gibt.“ Dafür habe er die „volle Unterstützung“ der Eigentümer, sagte Warnery.
Die Eigentümer könnten auch der Grund für die ungewöhnlich unbewegliche Dividendenpolitik von Beiersdorf sein. Etwa 51 Prozent der Anteile gehören der Maxingvest AG, der Holding der Familie Herz, die auch Eigentümer von Tchibo sind. Den Brüdern Herz sei Stabilität wichtiger als kurzfristige Gewinne, heißt es häufig. Trotzdem könnte Beiersdorf seine Aktionäre künftig stärker an den Gewinnen beteiligen, deutete Warnery an. „Ich bin da dran, aber geben Sie mir etwas Zeit.“
Der Konzern muss auch in das Thema Nachhaltigkeit investieren. Bis 2025 will Beiersdorf die klimaschädlichen Emissionen in seiner Lieferkette gegenüber dem Jahr 2018 um 30 Prozent senken. Bisher aber hat Beiersdorf erst 17 Prozent erreicht. Um seine Emissionen zu senken, will Beiersdorf nun die Verpackungen und auch die Rezepturen seiner Produkte verändern und zum Beispiel fossile Inhaltsstoffe verbannen. „Wir arbeiten an jedem Produkt und jeder Linie“, sagt Warnery.
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