Tom Tailor Modefirma macht wenig Hoffnung auf rasche Besserung

Tom Tailor erwartet nach einem Gewinneinbruch im vergangenen Jahr keine rasche Besserung. Wegen eines Konzernumbaus und Problemen in der Logistik ist das Unternehmen knapp an einem Verlust vorbeigeschrammt.

So kleiden sich Menschen in aller Welt
DeutschlandStil: Reduziert, schlicht, funktional Weniger ist mehr: „Deutsche möchten auf den zweiten Blick wirken und nicht auf den ersten Blick blenden“, sagt Psychologin Ines Imdahl vom Kölner Rheingold Salon. Anstatt durch viel Schnickschnack besticht der gehobene deutsche Modestil durch klare, puristische Formen. Kleidung dient weniger dem großen Auftritt, sondern muss vor allem funktional sein. Dazu zählt auch, dass sie eine gewisse Langlebigkeit aufweist – seitens der Qualität und des Designs. Diese Einstellung brachte etwa den Zwiebel-Look von Jil Sander hervor. Ihre puristischen Einzelteile ließen sich je nach Lust, Temperatur und Anlass frei miteinander kombinieren. Sehr praktisch eben. Die Bilder zeigen Outfits von Porsche Design (links) und Jil Sander. Quelle: Porsche Design (links) und Reuters
ItalienStil: Prächtig, verspielt, gewagt Dolce Vita bestimmt in Italien auch die Mode. Anstatt modischer Zurückhaltung wie in Deutschland herrschen dort Extravaganz und Überfluss vor. Der italienische Stil zeigt sich farbenfroh, verspielt und üppig barock. Gerne darf es gewagt sein – wie der „Schlampen-Chic“ von Dolce & Gabbana oder Gianni Versaces wilde Kombination unterschiedlicher Muster, Formen und Farben. „Wenn jemand in Florenz aufwächst und von all dieser schönen Architektur und Kunst umgeben ist, dann hat er ein anderes Verhältnis zu Mode als jemand, der sich in einem von schlichten Nachkriegsbauten geprägten Deutschland ästhetisch sozialisiert“, sagt Gerd Müller-Thomkins, der das Deutsche Mode-Institut leitet. Auf den Bildern sind Looks von Etro (links), Giorgio Armani (Mitte) und Versace (rechts) zu sehen. Quelle: DPA (linkes und mittiges Bild) und Reuters (Bild rechts)
FrankreichStil: Elegant Der Wegbereiter des französischen Kulturguts schlechthin ist ausgerechnet ein Brite. Ende des 19. Jahrhunderts kam der britische Modeschöpfer Charles Frederick Worth nach Paris, verband britisches Textilhandwerk mit französischer Pracht – und begründete damit die Haute Couture, zu deutsch „Hohe Schneidekunst“. Heutzutage orientiert sich die gesamte Modewelt an den zweimal jährlich stattfindenden Haute-Couture-Schauen in Paris. Die handgefertigten, teils imposanten Roben richten sich an einen kleinen, gut betuchten Kundenkreis, dienen vor allem der Markenpflege der Modehäuser und sollen den Verkauf ihrer Konfektionsbekleidung ankurbeln. Grundsätzlich besticht der gehobene französische Modestil durch seine Eleganz. Diese brachte Designer wie Christian Dior oder Yves Saint-Laurent hervor. Diors teils kiloschwere Abendkleider wirkten etwa dank weiter Petticoats und enger Korsagen federleicht und Saint-Laurents Hosen und Smokings für Damen besaßen trotz ihrer maskulinen Vorbilder einen erotischen Charakter. Die Bilder zeigen Outfits von Chanel (linkes und rechtes Bild) sowie Louis Vuitton (mittiges Bild). Quelle: DPA (linkes und rechtes Bild) und AP (mittiges Bild)
GroßbritannienStil: Traditionsbewusst, klassisch „Die bestgekleidete Frau ist die, deren Kleider auch auf dem Land nicht absurd aussehen würden“, sagte einst der ehemalige Hofschneider von Queen Elizabeth II., Hardy Amies und trifft damit den gehobenen britischen Stil auf den Punkt. In Großbritannien zählen Traditionsbewusstsein und Etikette – und das spiegelt sich in der vornehmlich klassischen britischen Kleidung wider. Typischer Vertreter des „Brit Chic“ ist Burberry, der Erfinder des Trenchcoats. Das kamel-schwarz-rot-weiße Karomuster des Innenfutters gilt als Markenzeichen des Unternehmens. Mittlerweile ist es teils überdimensioniert auch auf anderen Kleidungsstücken und Accessoires zu finden. Hier sind Kreationen der britischen Designer Margaret Howell, Ashley Williams sowie von Burberry zu sehen (v.l.n.r.). Quelle: British Fashion Council (linkes und mittiges Bild) und Burberry ( Bild rechts)
USAStil: Sportlich elegant Neue Welt, neue Konventionen. Amerikanische Designer nahmen Anfang des 20. Jahrhunderts die aus Europa überschwappenden Trends auf und passten sie den amerikanischen Bedürfnissen an. Dadurch entstand ein Stil, der bis heute die gehobene US-Mode prägt: „Elegant mit einer sportlichen Note“, fasst ihn Bernhard Roetzel zusammen, Modeexperte und Buchautor. Dadurch wurden die USA ab den Vierzigerjahren zum Geburtsland sportlicher Mode. US-Designer Michael Kors beschreibt ihre Ursprünge so: „Sportswear existiert, weil amerikanische Frauen die ersten waren, die das moderne, schnelle Leben lebten.“ Er selbst steht für einen zeitlosen Chic, der elegant und einfach zugleich ist. Als Inbegriff des „American Look“ gilt Ralph Lauren. Einerseits veredelte der Designer die Jeans und Fransenlederjacken amerikanischer Cowboys, andererseits verjüngte er den traditionsbewussten britischen Stil, an dem sich die US-Oberschicht ohnehin schon immer orientiert hatte. Die Fotos zeigen Outfits von Tommy Hilfiger (linkes und mittiges Bild) sowie von Ralph Lauren (Bild rechts). Quelle: Tommy Hilfiger (linkes und mittiges Bild) und DPA (Bild rechts)

Vorstandschef Dieter Holzer kündigte am Donnerstag an, 2016 rechne er lediglich mit einem stagnierenden operativen Gewinn (Ebitda) bei gleichzeitig moderat steigendem Umsatz. Die Neuausrichtung wie auch die eingeleiteten Maßnahmen zur Kostensenkung würden erst Ende 2018 voll durchschlagen.

"Die Textilbranche durchläuft eine rasante Veränderung. Die Digitalisierung eröffnet neue Angebots- und Service-Welten, zugleich verändern sich Einkaufsverhalten der Kunden und Kaufentscheidungen werden kurzfristiger", betonte Holzer.
2015 war die Modefirma mit ihren Marken Tom Tailor und Bonita wegen ihres Konzernumbaus und Problemen im neuen Logistiklager knapp an einem Verlust vorbeigeschrammt. Das Ebitda sank um 20 Prozent auf 67,6 Millionen Euro, netto blieben 2015 gerade noch 100.000 Euro übrig nach 10,8 Millionen Euro im Jahr zuvor. Der Umsatz legte um 2,5 Prozent auf 955,9 Millionen Euro zu.

Die beliebtesten Textilhersteller

Holzer hat dem Modeunternehmen Kostensenkungen verordnet, die unter anderem bis zu 100 Stellenstreichungen in der Verwaltung vorsehen sowie die Schließung von 80 bis 100 weniger rentabler Filialen. Zudem will er das Expansionstempo drosseln und nur noch etwa 30 neue Geschäfte für seine Marken Tom Tailor und Bonita eröffnen; 2015 waren es netto noch 100.

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Tom Tailor und andere Modeunternehmen wie Gerry Weber , Hugo Boss oder Esprit haben in den vergangenen Jahren den Verkauf ihrer Ware über eigene oder Franchise-Geschäfte vorangetrieben und bei den Neueröffnungen ein erhebliches Tempo vorgelegt. Neben dem zunehmenden Online-Handel ringen die hiesigen Modefirmen aber auch mit den wachsenden Marktanteilen von H&M und den Inditex-Ablegern Zara und Massimo Dutti. Die Konkurrenten sorgen mit rasch wechselnden Kollektionen für steten Zustrom in ihre Geschäfte.

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