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Wempe listet Nomos aus Das Dilemma des Handels mit Luxusuhren im Internet

Sondereditionen von Nomos wie diese gibt es künftig nicht mehr beim ehemaligen Handelspartner Wempe. Quelle: PR

Die Uhrenmarke Nomos verkauft ihre Uhren neuerdings über Onlineportale. Der große deutsche Juwelier Wempe sortiert Nomos deswegen aus. Was wie eine Kleinigkeit wirkt, zeigt prototypisch das Dilemma der ganzen Branche.

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Verschwiegenheit und Diskretion sind zwei Pfeiler im Handel mit Schmuck und Uhren. Das gilt nicht nur für die Kunden, sondern in der Regel auch für die Geschäfte zwischen Herstellern und Händlern.

Umso erstaunlicher, dass ausgerechnet ein hanseatisches Handelshaus zu überraschend offensiven Tönen greift. Der Juwelier Wempe reagierte recht zügig auf die Nachricht der Uhrenmanufaktur Nomos, dass diese künftig neue Uhren auch über das Portal Chronext und gebrauchte Uhren bei Chrono24 verkaufen werde.

Nach 20 Zusammenarbeit, zahlreichen gemeinsamen Projekten, kündigte Wempe diese Woche dem Hersteller aus Glashütte, Uhren der Marke werden künftig nicht mehr in den 26 Filialen des Unternehmens zu bestellen sein.

Geradezu schrill in dieser sonst so zurückhaltenden Branche wirken die Töne, die nun aus einer Pressemitteilung herauszulesen sind. "Wir sind überzeugt, einen bedeutenden Anteil am Erfolg von Nomos geleistet zu haben. Die Entscheidung von Nomos-Gründer Roland Schwertner, als einzige Uhrenmarke die Internet-Plattformen Chronext und Chrono24 als offiziellen Partner anzuerkennen, hat uns sehr enttäuscht", schreibt das Unternehmen, das von Kim-Eva Wempe geführt wird.

Es müssen kräftige Dissonanzen zu hören gewesen sein, nachdem Nomos-Gründer Roland Schwertner seinen Schritt in einer eigenen Mitteilung rechtfertigte - statt sie laut Wempe vorher mit den langjährigen Partnern zu besprechen: "Wir wurden von dieser Entscheidung völlig überrascht, da dieses Vorgehen in keiner Weise im Vorfeld mit uns diskutiert wurde. Als traditionsreiches Familienunternehmen haben wir ein anderes Verständnis von Partnerschaft."

Für den Laien und Interessenten ist der Konflikt auf den ersten Blick schwer nachzuvollziehen. Denn Uhren lassen sich mittlerweile im Internet bestellen, sowohl bei Händlern als auch bei den Marken selbst. Die beiden Portale aber konnten über Jahre gute Geschäfte damit machen, Uhren günstiger weiter zu verkaufen, die klassische Konzessionäre so aus ihrem Warenbestand schaffen wollten. Graumarkt ist das grässliche Wort.

Den stillzulegen sei aber das erklärte Ziel von der neuen Kooperation mit Chronext, sagt Nomos-Gründer Roland Schwertner, der heute das Unternehmen zusammen mit Judith Borowski und Uwe Ahrendt führt. Künftig könne Chronext zwar Uhren direkt vom Hersteller beziehen, müsse aber die Preisempfehlungen einhalten. Der Schnäppchenjagd in halbdunklen Kanälen sollte so Einhalt geboten werden.

Das Manöver ist für den ersten Moment schief gegangen. Mehr als 46.000 Uhren hat Wempe in den vergangenen Jahren wohl verkauft. Diese Summe nennt Schwertner in einem Schreiben an die Fachhändler am 2. Oktober. Die Käufer sollen auch in Zukunft sicher sein können, dass ihre dort gekauften Uhren gewartet und repariert werden, die anderen Fachhändler sollen den Service gewährleisten.

Uhrenhändler gegen Digitalisierung

Dieser für hanseatische Verhältnisse dramatische Verlauf und das Ende einer bislang harmonischen Geschäftsbeziehung ist allerdings nur die sichtbare Spitze eines Dilemmas, vor dem sich die lange Jahre verwöhnte Branche gegenübersieht: Der Digitalisierung des Verkaufs.

Vor wenigen Jahren gelang es Chronext-Mitgründer Philipp Man kaum, auf der Basler Uhrenmesse Termine bei den wichtigen Marken zu bekommen - mit dem vermeintlichen Dorn im Fleisch des bewährten Handels wollte kaum einer etwas zu tun haben. Preiskampf in der Uhrenbranche - bitte nicht. Man baute mit seinen Partnern eine eigene Werkstatt auf, optimierte die Verkaufsprozesse und konnte so Erfolge feiern. Dieses Jahr gelang es dem Unternehmen auch, Teile von der Swatchgroup zu beziehen, um Uhren, die bei Chronext gewartet werden, zu reparieren.

Und auch an der Front des Verkaufs bröckelt der Widerstand. Große Marken der Schweizer Luxusholding Richemont begannen Ende August, das lange verpönte Click & Buy auf ihren Webseiten einzupflegen. Per Kreditkarte kaufen und mit 14 Tage Rückgaberecht nach Hause schicken lassen - das passte bisher nicht so recht in das Bild der Luxusbranche.

Besonders die wohl erfolgreichste Marke aller Hersteller mechanischer Uhren fährt einen rigorosen Kurs - Rolex gibt auf seiner Homepage gerade einmal die Listenpreise bekannt. Händler, die in den Startlöchern sitzen, um ihn ihren eigenen Webshops diese Uhren anzubieten, werden zurückgepfiffen.

Den Handel mit Rolex auf der Webseite von Chronext konnten die Genfer allerdings auch nicht stoppen.

Die Juweliere, von denen einige gerne überschüssige Ware über Chronext loswerden wollten, bekämpfen diese Anbieter weiter. Wempe ist nicht allein in seiner Kritik, aber am öffentlichsten mit seiner Auslistung. Juweliere, die ebenfalls lieber ohne Nomos-Uhren weiterarbeiten wollen, als sie auch bei Chronext und Chrono24 zu sehen, können eine Petition unterschreiben, die Roland Schwertner mit Ultimate unter Druck setzen soll.

Schwertner, der sich fragen lassen muss, ob sein unternehmerischer Entschluss nicht zumindest schlecht vorbereitet wurde, will jedoch nicht von seinem Kurs abrücken. Wer am Ende den größeren Schaden hat, bleibt ungewiss. Gewonnen hat bis hierhin zumindest niemand. Entscheiden wird das am Ende einer, der überhaupt nicht zu diesen Fragen gehört wurde: Der Kunde.

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