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Weniger Erkältungen und Darmprobleme Wie Medikamenten-Hersteller unter der Coronakrise leiden

Exklusiv
Wegen der Corona-Kontaktbeschränkungen und erhöhten Hygiene-Vorkehrungen ist der Absatz von Erkältungspräparaten abrupt eingebrochen. Quelle: imago images

Wegen des verringerten Infektionsgeschehens aufgrund der Corona-Kontaktbeschränkungen und erhöhten Hygiene-Vorkehrungen ist der Absatz von Erkältungs- und Magen-Darm-Präparaten abrupt eingebrochen.

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Die Zahl der verkauften rezeptfreien Medikamente ist laut den Marktforschern Insight Health und Sempora Consulting in den vergangenen Monaten stark zurückgegangen. Durch die Kontaktbeschränkungen konnten sich weniger Menschen etwa mit einer Erkältung infizieren.

„Der Absatz von rezeptfreien Erkältungspräparaten ist in den Apotheken – nach einer bis dahin verhältnismäßig starken Saison – im März abrupt eingebrochen und liegt aktuell immer noch deutlich unter Vorjahresniveau“, erklärt Michael Hensoldt, Geschäftsführer der Marktforschung Insight Health. Laut den Daten von Insight Health hat sich der Absatz um fast die Hälfte reduziert. So wurden etwa in der letzten Maiwoche dieses Jahres 1,51 Millionen Packungen Erkältungspräparate in Apotheken verkauft – im Vorjahreszeitraum waren es noch 2,7 Millionen.

Der Hersteller Bionorica, der unter anderem die Marken „Sinupret“ und „Bronchipret“ produziert, spricht von einem Rückgang des Gesamtmarktes „um circa 60 Prozent“ im April und Mai gegenüber Vorjahr. „In dieser Gegend bewegen sich auch unsere Präparate“, so das Unternehmen. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen kamen weniger Menschen zusammen, so dass Viren sich kaum ausbreiten konnten.

Absatz von Erkältungspräparaten in Apotheken

Auch bei Magen-Darm-Präparaten entwickelt sich der Absatz rückläufig. „Magen-Darm-Präparate verkaufen sich derzeit schlechter als vor einem Jahr, weil die Fernreisen nach Mexiko und Asien ausbleiben“, sagt Tobias Brodtkorb, Partner bei der Beratung Sempora, die sich auf den Gesundheitsmarkt spezialisiert hat. Der Hersteller Johnson & Johnson („Imodium“) führt die gesunkene Nachfrage nach Präparaten zur Magen-Darm-Gesundheit auf den „Rückgang von Reisen“, aber auch auf „Maßnahmen zur sozialen Distanzierung“ und die „generell erhöhten Hygiene-Vorkehrungen“ zurück.

In anderen Produktkategorien sieht Berater Brodtkorb dagegen Lichtblicke: „Was nach wie vor gut läuft, sind Präparate gegen Heuschnupfen und Desinfektionsmittel.“

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