3M-Tochter Dyneon: Kanzleramt setzt sich für Erhalt von PFAS-Produzenten ein
Der US-Mischkonzern will sein deutsches Tochterunternehmen Dyneon 2025 schließen.
Foto: REUTERSDas Bundeskanzleramt bemüht sich derzeit darum, die Schließung eines der letzten deutschen Werke zur Herstellung von PFAS-Chemikalien zu verhindern. Das bestätigte ein Sprecher auf Anfrage der WirtschaftsWoche.
„Das Bundeskanzleramt setzt sich in der Tat für die Fortsetzung der Produktion am Standort Gendorf und den Erhalt der hoch qualifizierten Arbeitsplätze ein.“ Staatssekretär Jörg Kukies habe dazu Gespräche mit dem Werksbetreiber 3M geführt.
In Gendorf betreibt der US-Mischkonzern 3M das Werk seines deutschen Tochterunternehmens Dyneon, das im kommenden Jahr geschlossen werden soll. Mit über 600 Mitarbeitern produziert 3M dort Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen, kurz PFAS. Umgangssprachlich wird die Stoffgruppe als Ewigkeitschemikalien bezeichnet.
Das Bundeskanzleramt weist nun darauf hin, 3M möge bei seinen Entscheidungen mitbedenken, „wie auch künftig der Beitrag zu für die Transformation wichtigen Technologien aufrecht erhalten werden kann.“
PFAS sind wasser-, fett- und schmutzabweisend. Das macht sie für die Umwelt so toxisch – und für die Industrie so bedeutsam. Sie stecken in Windrädern, Batterien, Medizintechnik und E-Autos.
In der Natur bauen sich PFAS nicht ab, sondern reichern sich in Umwelt, Menschen und Tieren an und können Krankheiten wie Krebs verursachen.
Fünf europäische Länder wollen die Produktion, Verwendung und den Import der Stoffgruppe deshalb EU-weit verbieten. Deutschland gilt bei dem Vorstoß als federführend.
Doch die Schließung von Dyneon reißt große Lücken in die Lieferketten der Industrie. Dyneon ist einer der letzten Hersteller von PFAS in Deutschland und einer von wenigen in Europa. Politiker und Industrievertreter versuchen deshalb, 3M zu überzeugen, Dyneon in eine Stiftung zu überführen.
Als Vorbild gilt die Ruhrkohle AG Stiftung (RAG), die sich um die Ewigkeitslasten des Steinkohleabbaus kümmert. Die Idee: Unter der Führung der Stiftung würde die Produktion weiterlaufen, aus dem Gewinn würden die Kosten der Umweltschäden im Landkreis gezahlt werden.
Hinweis: In einer vorherigen Version des Texts hieß es, Dyneon sei der einzige verbliebene PFAS-Hersteller in Deutschland. Tatsächlich handelt es sich aber nur um einen der letzten, da es einige wenige andere Hersteller der Stoffgruppe in Deutschland gibt.
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