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BaubrancheViele Baumaterialien werden noch teurer

Wird Bauen in Deutschland unbezahlbar? Der Trend zu steigenden Preisen hält an – viele Materialien haben sich im ersten Halbjahr weiter verteuert. 17.10.2023 - 11:12 Uhr Quelle: dpa

Baumaterial an der Baustelle eines Neubaus in München. Vor allem mineralische Baustoffe wie Zement oder Bausand sind noch mal deutlich teurer geworden.

Foto: dpa

Die Bauwirtschaft steckt in einer tiefen Krise. Immer mehr Wohnungsbauunternehmen berichten, dass Projekte storniert werden, andere klagen über einen Auftragsmangel in der Branche.

Ein richtiger Lichtblick ist nicht in Sicht: Erneut gestiegene Preise für viele Materialien haben Bauen in Deutschland im ersten Halbjahr weiter verteuert. Vor allem mineralische Baustoffe wie Zement (plus 41,7 Prozent) oder Bausand (plus 22,7 Prozent) verteuerten sich verglichen mit dem Vorjahreszeitraum deutlich, wie das Statistische Bundesamt mitteilt.

Deutliche Preisrückgänge gab es nach Angaben der Wiesbadener Behörde hingegen bei Baumaterialien aus Holz: Konstruktionsvollholz (minus 28,0 Prozent) und Dachlatten (minus 25,3 Prozent) verbilligten sich in den ersten sechs Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr.

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Ebenfalls günstiger wurden einige Produkte aus Stahl, obwohl dessen Herstellung wie die mineralischer Baustoffe vergleichsweise energieintensiv ist. Betonstahl in Stäben kostete nach Berechnungen des Bundesamtes 28,5 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2022, Betonstahlmatten wurden um 27,1 Prozent günstiger.

Fast alle Baumaterialien teurer als vor der Energiekrise

„Trotz der teilweise sinkenden Preise für einzelne Baustoffe lag das Preisniveau im ersten Halbjahr 2023 für nahezu alle Baumaterialien über dem Niveau vor der Energiekrise“, ordneten die Statistiker ein. Infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine waren die Energiepreise geradezu explodiert.

Das bekommt die Baubranche bis ins laufende Jahr hinein zu spüren: So lagen in den ersten sechs Monaten 2023 beispielsweise die Preise für Kalk und Gips (plus 67,7 Prozent) sowie Zement (plus 57,1 Prozent) weit über dem Niveau des ersten Halbjahres 2021. Energieintensiv hergestellte Baustoffe wie Flachglas – zum Beispiel für Fenster – verteuerten sich in diesem Zeitraum um 45,4 Prozent. Die Preise für Baustoffe aus Metall stiegen um rund ein Drittel (plus 31,6 Prozent).

Die größten Finanzierungsfallen für Immobilienkäufer
Wer seine finanzielle Belastungsgrenze für Zins und Tilgung überschätzt, gefährdet die gesamte Finanzierung. Die Monatsraten sollten ein Drittel der Einkünfte nicht übersteigen. Schließlich geht das Alltagsleben auch für Immobilienbesitzer weiter. Unvorhergesehene Ausgaben, etwa eine größere Autoreparatur, müssen problemlos bezahlbar bleiben. Dafür sind Reserven in Höhe von drei bis sechs Monatsgehältern empfehlenswert.Quelle: Bausparkasse Schwäbisch-Hall, eig. Recherche Stand: 2022
Bauherren sollten genau kalkulieren, ob sie mindestens zwei oder besser drei Prozent Tilgung im Jahr stemmen können. Ein weiterer Anhaltspunkt für die Rechnung: Spätestens bei Renteneintritt sollte die Immobilie abbezahlt sein. Eine möglichst lange Zinsbindung ist sinnvoll und sichert gegen einen Zinsanstieg ab.
Je mehr Eigenkapital in die Finanzierung eingebracht wird, desto weniger Geld muss sich der Kreditnehmer leihen. Als Faustregel gilt: Mindestens 20 Prozent der Gesamtkosten (Bau-, Kauf- und Kaufnebenkosten) sollten Käufer aus eigenen Mitteln bestreiten können. Wer den Kreditbedarf unterschätzt, muss womöglich eine teure Nachfinanzierung in Kauf nehmen. Setzt man die Bedarfssumme dagegen zu hoch an, verlangen Banken eine Nichtabnahmeentschädigung.
Banken finanzieren sie nur ungern mit: Die Gesamtnebenkosten aus Grunderwerbsteuer, Gebühren für Notar und Grundbucheintrag sowie mögliche Maklerprovisionen können sich auf bis zu 15 Prozent des Kaufpreises summieren. Wer eine Immobilie im Wert von 300.000 Euro finanzieren will, sollte also bereits 45.000 Euro für die Nebenkosten angespart haben.
Guthaben aus Riester-Verträgen, Darlehen aus öffentlicher Hand, wie Kredite der KfW-Bank, oder auch Baugeld vom Bürgermeister können den Kreditbedarf senken. Zusätzlich kann es weitere Zuschüsse geben. Wer die besonders für Familien mit Kindern lukrative Wohn-Riester-Förderung oder das Baukindergeld nicht für die Finanzierung nutzt, verschenkt mitunter eine fünfstellige Summe. Käufer sollten sich im Vorfeld gezielt nach Zulagen und Förderungen erkundigen.

Die gestiegenen Preise für Material und Arbeit bremsen ebenso wie die höheren Zinsen die Bautätigkeit. Immobilien- und Bauverbände gehen davon aus, dass das Ziel der Bundesregierung von jährlich 400.000 neuen Wohnungen im laufenden Jahr klar verfehlt werden wird.

Die Kostenexplosion bei Zinsen und Baustoffen macht das Geschäft für Bauträger unwirtschaftlich. Einige haben sich in den vergangenen Jahren viel zu teure Grundstücke einverleibt, die sie nun nicht mehr kostendeckend verkaufen können. Und wegen des eingebrochenen Käufermarktes droht jetzt eine Abwärtsspirale. In den vergangenen Wochen und Monaten sind diverse Bauträger insolvent gegangen. Von Januar bis Juni dieses Jahres gab es im Bauhauptgewerbe 21 Prozent mehr Insolvenzen als im ersten Halbjahr 2022, hat das Statistische Bundesamt errechnet.

Experten warnen, dass sich die Lage am Bau weiter verschärfen wird. „Die Hälfte aller Projektentwickler wird pleitegehen“, mahnte jüngst ein Branchenkenner am Rande der Immobilienmesse Expo Real.

Lesen Sie auch: Die Krise am Wohnungsbau in drei Grafiken

dpa
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