Chemie-Konzern: Bayer will weltweit größter Agrochemie-Konzern werden
Der scheidende Bayer-CEO Marijn Dekkers und sein Nachfolger Werner Baumann
Foto: AP„Ziel ist es, bis zum Ende der Dekade im chemischen Pflanzenschutz das weltweit führende Unternehmen zu sein“, kündigte der künftige Bayer-Chef Werner Baumann am Montagabend bei einem Abendessen mit Journalisten an. Baumann übernimmt Ende April von Marijn Dekkers die Führung des Leverkusener Pharma- und Agrarkonzerns. Derzeit liegt Bayer im chemischen Pflanzenschutz weltweit auf Rang zwei hinter der Schweizer Syngenta, die derzeit vom chinesischen Mischkonzern Chemchina übernommen wird.
Mit seinen Pflanzenschutzmitteln gegen Unkraut-, Insekten- und Pilzbefall erzielt Bayer derzeit einen Jahresumsatz von 8,3 Milliarden Euro; Syngenta kommt auf knapp neun Milliarden Euro. Baumann ließ dabei auch durchblicken, dass Bayer in dem Geschäft aus eigener Kraft wachsen und aufholen könne. Bayer brauche derzeit keine externe Wachstumskomponente, so Baumann. Insbesondere der US-Konzern Monsanto ist derzeit auf Partnersuche und hat dabei auch Bayer ins Visier genommen.
Weiterhin schließt Baumann mittelfristig einen Verkauf des Tiergesundheitsgeschäfts – wozu etwa Mittel gegen Flöhe bei Hunden gehören - nicht aus. Mit 1,5 Milliarden Euro Jahresumsatz ist die Sparte gegenüber Wettbewerbern wie dem US-Konzern Zoetis oder Boehringer Ingelheim, das aktuell die Tiergesundheit-Sparte des französischen Sanofi-Konzerns übernimmt, relativ klein. „Sollte uns die Stärkung des Tiergesundheits-Geschäfts nicht gelingen, müssen wir uns die Frage stellen, ob die Sparte bei uns gut aufgehoben ist“, sagte Baumann.
Platz 10 - PPG Industries (USA):
Die Amerikaner produzieren unter anderem bruchsicheres Glas für die Auto- und Raumfahrtindustrie, aber auch Farben, Lacke und Chemikalien. 15,33 Milliarden Dollar setzte Pittsburgh Plate Glass damit im Jahr 2016 um.
Platz 9: Linde
Die Münchener sind weltweit einer führenden Anbieter für Gase. Ein Umsatz von umgerechnet 17,83 Milliarden Dollar im Jahr 2016 reicht für einen Platz in der Top Ten.
Platz 8: Air Liquide (Frankreich)
Die Erfindung von flüssiger Luft legte den Grundstein für einen Weltkonzern. Im vergangenen Jahr kam der französische Chemieriese auf einen Umsatz von 19,08 Milliarden Dollar.
Foto: CLARK/obsPlatz 7: Henkel (Deutschland)
Weltweit ist der Düsseldorfer Konzern bekannt für seine Marken Persil, Pril oder Pritt. Mit einem Umsatz von 19,69 Milliarden Dollar spielt der Dax-Konzern auch unter den internationalen Chemieriesen vorne mit.
Foto: dpaPlatz 6: Dupont (USA)
Der komplette Name des amerikanischen Chemieriesens lautet „E I Du Pont de Nemours“. Das geht zurück auf die französischen Gründer, die in die USA emigriert waren und dort 1802 begannen, Sprengstoffe zu produzieren. Heute macht das Unternehmen in über 80 Ländern weltweit einen Umsatz von insgesamt 24,6 Milliarden Dollar. 2017 erfolgte die Fusion mit dem Rivalen Dow Chemical zum größten Chemiekonzern der Welt.
Foto: dpaPlatz 5: LyondellBasell Industries (Niederlande)
Über die Jahre ist das internationale Konglomerat durch Zukäufe immer weiter gewachsen. Aus steuerlichen Gründen ist der Konzern mittlerweile in den Niederlanden beheimatet, auch wenn die Aktien in New York gehandelt werden. Der globale Umsatz ist mit 29,18 Milliarden Euro in der internationalen Spitzenklasse.
Platz 4: Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
Die Weiterverarbeitung von Öl und Gas macht den arabischen Staatskonzern zu einem der größten Chemiekonzerne weltweit. Der Umsatz von 39,5 Milliarden Dollar spricht für sich.
Platz 3: Dow Chemical (USA)
Kunststoffe, synthetischer Kautschuk und Chlor gehören zu den meistverkauften Produkten der Amerikaner. Der Umsatz von 48,16 Milliarden Dollar wird nur von zwei deutschen Konzernen übertroffen.
Platz 2: Bayer (Deutschland)
Nicht nur unter den Pharmakonzernen gehören die Leverkusen zu den globalen Riesen, auch in der Chemie kann kaum einer Bayer das Wasser reichen. Ein Umsatz von 49,2 Milliarden Dollar ist weltweit der zweithöchste der Branche.
Platz 1: BASF (Deutschland)
Die „Badische Anilin- und Soda-Fabrik“ ist mittlerweile schon seit Jahren unangefochtener Marktführer der Chemieindustrie. Die Ludwigshafener haben allein 2016 einen Umsatz von 69,54 Milliarden Dollar erwirtschaftet. 2017 dürfte allerdings die Allianz von Dow und DuPont an die Spitze rücken.
Ansonsten versichert der baldige Chef, dass künftig nicht alles anders werde. Bayer sei „in einer Situation der Stärke“, folglich sieht Baumann keine Notwendigkeit für einen fundamentalen Strategiewechsel. Noch-Amtsinhaber Marijn Dekkers hat Bayer in den vergangenen Jahren stark verändert – durch die Abspaltung der Chemie-Sparte Covestro und den Kauf des rezeptfreien Medikamenten-Geschäfts vom US-Konzern Merck & Co.. Dabei war der gebürtige Niederländer Dekkers, der zuvor bei US-Konzernen aktiv war, der erste Bayer-Chef, der von außen kam.
Baumann arbeitet seit seinem Studium für Bayer
Mit Baumann kommt nun wieder ein Bayer-Eigengewächs auf den Chefposten. Seit 1988 ist Baumann bei Bayer. Aufgewachsen ist der 53-Jährige im Schatten des Bayer-Werks Krefeld. Die Eltern betrieben in Krefeld eine kleine Bäckerei. Sohn Werner musste in jungen Jahren hinter der Verkaufstheke und in der Backstube aushelfen. Wegen einer Mehlallergie kam er für die Nachfolge des Vaters nicht infrage – und studierte stattdessen Wirtschaftswissenschaften in Aachen und Köln. Gleich nach seinem Studium begann er bei Bayer.
In den neunziger Jahren ging die Nachwuchs-Führungskraft für Bayer ins Ausland – zunächst als Controller nach Spanien, wo er auf seinen Förderer Werner Wenning, den späteren Vorstands- und Aufsichtsratschef traf, dann in die USA. Zurück in Deutschland erlebte Baumann eine der größten Krisen des Bayer-Konzerns aus der Nähe mit. Wegen fataler Nebenwirkungen nahm Bayer 2001 den Cholesterinsenker Lipobay vom Markt, die Zukunft der Pharma-Sparte schien ungewiss. Baumann war dabei, als Bayer schließlich sein Medikamenten-Geschäft neu aufstellte; nach dem Kauf des Berliner Pharmakonzerns Schering 2006 für 17 Milliarden Euro bewährte sich Baumann bei der Integration. Zahlreiche weitere Übernahmen folgten. „Seit Anfang 2005 haben wir rund 130 Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von 52 Milliarden abgeschlossen“, bilanziert Baumann. Bei vielen war er dabei.
2010 wurde Baumann Finanzvorstand, in den vergangenen Jahren war er für Strategie und Portfolio-Management verantwortlich. Seit gut zwei Jahren galt er schon als möglicher Nachfolger von Dekkers. Seine Hauptaufgabe besteht nun darin, für die erfolgreichen Pharma-Produkte Xarelto (Blutgerinnung) Eylea (Augenkrankheiten) Stivarga, Xofigo (Krebs) und Adempas (Lungenhochdruck) – die allein 2016 fünf Milliarden Euro Jahresumsatz erreichen sollen- mittelfristig geeignete Nachfolgekandidaten zu finden. Auch die Rückführung der Finanzverschuldung in Höhe von 17,5 Milliarden Euro hat Baumann sich zum Ziel gesetzt. Und natürlich sind auch weitere Akquisitionen nicht ausgeschlossen.
Privat ist Baumann verheiratet, Vater von vier Kindern und nach eigener Aussage ein begabter Handwerker. Selbst Fliesen kann er legen, nur Elektroarbeiten liegen ihm nicht. Das eigene Haus seiner Familie in Krefeld hat er selbst umgebaut. Mit dem weiteren Umbau von Bayer, so scheint es, wird er sich dagegen Zeit lassen.