1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Industrie
  4. IG Metall: Über 100.000 Beschäftigte streiken für mehr Lohn

IG MetallÜber 100.000 Beschäftigte streiken für mehr Lohn

Unmittelbar nach Ende der Friedenspflicht hat die IG Metall ihre Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie gestartet. Schon am ersten Tag nahmen mehr als 100.000 Arbeiter teil. 29.04.2016 - 16:21 Uhr

Nach ergebnislosen Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie hat die IG Metall in der Nacht zum Freitag bundesweit mit Warnstreiks begonnen.

Foto: dpa

Mit einer ersten mächtigen Warnstreikwelle hat die IG Metall auf die bislang ergebnislosen Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie reagiert. Am Freitag ließen nach Gewerkschaftsangaben 110.000 Beschäftigte in rund 400 Betrieben kurzfristig die Arbeit ruhen. Die Aktionen sollen in den kommenden Tagen fortgesetzt werden, um möglichst noch vor Pfingsten (15./16. Mai) ein Ergebnis zu erzielen. „Wenn das nicht reicht, werden wir zu Tagesstreiks aufrufen“, sagte der Leiter des IG-Metall-Bezirks Mitte, Jörg Köhlinger.

Die Tagesstreiks sind ein neues Mittel des Arbeitskampfes, das sich die IG Metall im vergangenen Jahr neu in die Satzung geschrieben hat. Danach kann der Vorstand ohne vorherige Urabstimmung für einzelne Betriebe 24-Stunden-Streiks beschließen, für die dann die Teilnehmer auch Streikgeld erhalten. Die Arbeitgeber haben angekündigt, gegen das neue Instrument zu klagen, sobald es angewendet wird.

Die Friedenspflicht aus dem vorhergehenden Tarifzeitraum war um Mitternacht ausgelaufen, bis dahin waren Warnstreiks verboten. Auf Versammlungen vor vielen Werkstoren unterstützten rund 25 000 Streikende schon in der Nacht die Forderung der Gewerkschaft nach fünf Prozent mehr Geld. IG-Metall-Chef Jörg Hofmann nannte auf einer Kundgebung bei den Ford-Werken in Saarlouis vor rund 3000 Menschen das Tarifangebot der Arbeitgeber „Magerkost“ für die Beschäftigten. Profite und Dividenden seien offenbar wichtiger.

„Solange die Arbeitgeber meinen, die Leistung und das Engagement der Beschäftigten mit diesem provokanten Angebot abspeisen zu können, werden wir mit Warnstreiks antworten“, sagte Hofmann. In der Woche vor Pfingsten sind bereits die ersten Verhandlungen in der vierten Runde verabredet, unter anderem im Dauer-Pilotbezirk Baden-Württemberg am 11. Mai. In Stuttgart war auch der vorhergehende Abschluss aus dem Jahr 2015 verabredet worden.

Während der wohl größten Aktion bei der Volkswagen-Tochter Audi in Ingolstadt legten rund 5000 Mitarbeiter für zwei Stunden die Arbeit nieder und kamen zu einer Kundgebung auf dem Werksgelände zusammen. Am Abend sollten 5500 Arbeiter beim Konkurrenten BMW folgen. Auch in Werken von Mercedes und Opel, bei Airbus in Hamburg sowie bei zahlreichen Zulieferern gab es Versammlungen und Aktionen.

Ihr Alter

Gemäß der Gehaltsbiografie 2016 von Gehalt.de steigen die Gehälter der Deutschen stetig an - bis sie eine gewissen Altersgrenze erreicht haben. Demnach pendeln sich die Bezüge von Fachkräften um die 40 Jahre bei durchschnittlich 45.000 Euro brutto im Jahr ein. Danach steigen die Gehälter nur noch bei Führungskräften - und zwar auf durchschnittlich 105.000 Euro brutto im Jahr.

Trotzdem steigt das Einkommen im Alter, wie eine neue Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt. Demnach haben die verfügbaren Einkommen der 65- bis 74-jährigen in Westdeutschland seit Mitte der 1980er Jahre um durchschnittlich 52 Prozent zugelegt. Die Einkommen von Menschen unter 45 Jahren stiegen laut der Studie dagegen nur um 21 bis 31 Prozent, wie das Sozio-oekonomische Panel belegt. Dafür werden jährlich Tausende Haushalte in Deutschland befragt. Allein seit der Wende wuchsen die Einkommen der Älteren laut der Studie um 25 Prozent, die der Jüngeren nur um zehn Prozent.

Foto: Fotolia

Die Region

Laut dem Gehaltsreport der Online-Jobbörse StepStone spielt der Wohn- beziehungsweise Arbeitsort beim Gehalt eine wichtige Rolle: Zum dritten Mal in Folge rangiert Hessen auf Platz 1 der Bundesländer, in denen Fachkräfte das höchste Bruttogehalt bekommen. 55.509 Euro im Jahr sind Durchschnitt. Auf Platz 2 und 3 folgen Bayern mit 54.590 Euro im Jahr und Baden-Württemberg mit 54.456 Euro brutto. Am wenigsten gibt es mit durchschnittlich 38.309 Euro in Sachsen-Anhalt.

Foto: dpa

Ihr Gewicht

Schlanke Frauen und übergewichtige Männer verdienen mehr als andere Geschlechtsgenossen. Das haben die Ökonomen Marco Caliendo von der Uni Potsdam und Markus Gehrsitz von der New York Universität bei einer Auswertung (.pdf) des Sozio-oekonomischen Panels herausgefunden. Anhand der jährlichen Befragung von rund 12.000 deutschen Privathaushalten errechneten sie den Body-Mass-Index (BMI) von Männern und Frauen und verglichen ihn mit dem Einkommen. Und siehe da: Am meisten verdienen Frauen durchschnittlich mit einem BMI von 21,5. Mit zunehmendem BMI sinkt ihr Gehalt. Männer hingegen verdienen am meisten, wenn sich ihr BMI von 23 bis kurz vor der Fettleibigkeit bewegt. Die Autoren schlussfolgern daraus, dass das Gehalt bei Frauen durch ihre Schönheit angetrieben wird und bei Männern durch Gesundheit und Körperkraft. Allerdings ist der Einfluss von Schönheit auf das Einkommen gerade bei Frauen wissenschaftlich umstritten.

Foto: dpa

Ihre Schönheit

Inwiefern Schönheit das Einkommen beeinflusst, untersuchten US-Forscher anhand einer Auswahl von 737 MBA-Absolventen aus den Jahren von 1973 bis 1982. Dabei verglichen sie die Attraktivität der Gesichter mit den Einstiegsgehältern sowie ihrem späteren Einkommen - und stellten fest: Attraktive Männer erhalten durchschnittlich höhere Einstiegsgehälter als attraktive Frauen. Dafür verdienen schöne Frauen auf ihrem weiteren Karriereweg mehr als andere Frauen. So hat beispielsweise Eva Sierminska vom Luxemburger Institut für Sozialforschung herausgefunden, dass schöne Frauen in Deutschland rund 20 Prozent mehr verdienen als der Durchschnitt.

Foto: dpa

Ihre Körperpflege

Körperpflege zahlt sich vor allem für Männer aus. Wirtschaftswissenschafter der amerikanischen Elon Universität werteten Daten der American Time Use Survey des US-Amtes für Arbeitsmarktstatistik aus und stellten fest, dass Männer, die mehr Zeit in Körperpflege investieren, auch mehr verdienen. Eine ausgiebige Körperpflege steigert das Gehalt vor allem bei Männern, die einer Minderheit in den USA angehören. Bei Frauen zeigte die Zeit für Körperpflege keinen Effekt auf ihr Gehalt.

Foto: REUTERS

Ihre Persönlichkeit

Aussehen ist nicht alles: US-Forscher erfassten in einer Umfrage unter 731 Teilnehmern die Persönlichkeit sowie ihren Jobtitel, ihr Gehalt und ihre berufliche Zufriedenheit. Dabei wiesen emotional stabile und gewissenhafte Menschen ein höheres Einkommen und eine höhere Zufriedenheit mit ihrer Arbeit auf. Eine Folgeumfrage zehn Jahre später zeigte außerdem, dass Extraversion das Gehalt über die Jahre stärker steigerte.

Foto: Fotolia

Ihre Emotionen

Wut sorgt für mehr Geld als Trauer. Dies zeigt eine Studie, über die Simon M. Laham in seinem Buch "The Science of Sin" berichtet. Dabei wurden Probanden Videos von Bewerbungsgesprächen gezeigt, in denen die Bewerber über einem Vorfall in ihrem vorherigen Job erzählen, als sie einen wichtigen Kunden verloren. Mal war der Bewerber wütend, mal traurig. Nach den Videos wurden die Studienteilnehmer befragt, wie viel Gehalt sie den Bewerbern zahlen würden. Das Ergebnis: Wer sich wütend zeigte, bekam ein durchschnittliches Jahresgehalt von 53.700 US-Dollar zugesprochen. Traurige Personen sollten lediglich 41.330 US-Dollar erhalten.

Foto: Fotolia

Ihre Kindheit

Schon im Kindergarten werden die beruflichen Weichen gestellt. Eine Studie im US-Bundesstaat Tennessee unter 11.571 Kindern und ihren Lehrern zeigte, dass bessere Testergebnisse im Kindergarten im Durchschnitt für ein höheres Gehalt mit 27 sorgen. Auch die Erfahrung der Lehrer wirkt sich aufs spätere Einkommen aus. Wer im Kindergarten erfahrenere Lehrer hatte, durfte sich mit 27 ebenfalls über ein höheres Einkommen freuen.

Foto: dpa

Ihr Name

Wie sehr das künftige Einkommen vorher bestimmt ist, zeigt eine schwedische Studie zum Einfluss von Namen auf Gehälter. Wissenschaftler der Uni Stockholm fanden heraus, dass afrikanische, asiatische und slawische Einwanderer, die sich einen schwedischen oder neutral klingenden Nachnamen zulegten, im Schnitt 141 Prozent mehr verdienen als Immigranten mit einem ursprünglichen Namen.

Foto: dpa

Ihr Alkoholkonsum

Wer Alkohol trinkt, verdient zehn bis 14 Prozent mehr als Abstinenzler. Das behauptet zumindest der General Social Survey, eine Langzeitumfrage von US-Haushalten zwischen 1972 und 1994. Der positive Einfluss war noch größer, wenn die Alkoholkonsumenten zudem angaben, mindestens einmal monatlich eine Bar aufzusuchen, berichten die Wissenschaftler Bethany L. Peters und Edward P. Stringham.  Zu den zehn Prozent Gehaltsplus kamen dann nochmal sieben Prozent drauf. Die Studienautoren erklären dies mit den Vorzügen gesellschaftlichen Trinkens, wie ein größeres soziales Netzwerk. Eine Lizenz zum Saufen wollen sie damit aber ausdrücklich nicht ausstellen.

Foto: dpa

Moralvorstellungen

Eine Langzeitstudie unter US-Masterstudenten kommt zu dem Ergebnis, dass ein ethischer Charakter bei Männern mit einem niedrigen Gehalt zusammenhängt. Bei Frauen ist das umgekehrt: Je höher ihre Moralvorstellungen, desto höher ist ihr späteres Gehalt.

Foto: Fotolia

Ihr Selbstbewusstsein

Wer in seiner Jugend ein geringes Selbstbewusstsein aufweist, wird als Erwachsener weniger verdienen. Zu diesem Schluss kommt eine Auswertung von Daten aus den Jahren von 1980 bis 1987 der National Longitudinal Survey of Youth des US-Amtes für Arbeitsmarktstatistik. Diese zeigt, dass ein hohes Selbstbewusstsein 1980 mit einem hohen Gehalt 1987 zusammenhängt.

Foto: Fotolia

Ihr Egoismus

Wer bei Gehaltsverhandlungen auf reines Eigeninteresse setzt, holt am meisten für sich raus. Dieses Ergebnis einer Befragung von 149 frisch eingestellten Beschäftigten durch die Forscher Michelle Marks und Crystal Harold ist zunächst wenig überraschend. Allerdings fanden sie heraus, dass es bei Firmen, die wenig Gehalt bieten können, besser ist, kompromissbereit im Sinne beider Seiten zu verhandeln. So lassen sich andere Vorzüge wie mehr Urlaubstage oder Weiterbildungen herausholen.

Foto: dpa

Faire Bezahlung?

49 Prozent der Deutschen fühlen sich ungerecht bezahlt, wie eine Studie der Unternehmensberatung Hay Group aus dem Jahr 2016 zeigt. Weltweit wurden mehr als drei Millionen Menschen befragt, von denen ein Großteil die eigene Vergütung als nicht fair wahrnimmt. Ein Drittel stimmt der Aussage zu, dass in anderen Firmen die gleiche Arbeit besser bezahlt wird. In Deutschland glauben sogar 42 Prozent, dass sich eine bessere Leistung nicht in einer höheren Bezahlung niederschlägt. "Fairness spielt eine essenzielle Rolle in der Arbeitswelt. Viele Mitarbeiter verstehen darunter vor allem eine faire Vergütung", sagt Thomas Haussmann, Senior Vice President der Hay Group GmbH. "Die Folgen einer unfairen Behandlung, egal ob real oder wahrgenommen, können eine Minderung des Mitarbeiter-Engagements sein und im schlimmsten Fall sogar zur Kündigung führen."

Theoretisch dürfte dann jedoch kein Unternehmen mehr Angestellte haben. Denn Leistung ist offenbar einer der letzten Faktoren, der das Gehalt beeinflusst.

Foto: dpa

Vorgeschlagen haben die Arbeitgeber rückwirkend ab April Einkommensverbesserungen in zwei Stufen, die sich bei einer Laufzeit von 24 Monaten auf insgesamt 2,1 Prozent summieren. Hinzu kommt eine Einmalzahlung von 0,3 Prozent über zwölf Monate. Damit gingen sie nur unwesentlich über ihr erstes Angebot hinaus. „Zu wenig bleibt zu wenig und wird auch nicht mehr, wenn man es neu verpackt“, sagte Südwest-Landesbezirksleiter Roman Zitzelsberger.

Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger hatte hingegen betont, die Offerte sei vorgelegt worden, „um endlich über die Strukturen einer möglichen Lösung ins Gespräch zu kommen“. Eine längere Laufzeit des Tarifabschlusses verschaffe den Unternehmen Planungssicherheit.

Südwestmetall-Chef Stefan Wolf kritisierte die Aktionen: „Das Land versinkt in Streiks“, sagte er auch mit Blick auf die Arbeitsniederlegungen im öffentlichen Dienst. Das schade Deutschland auch in der internationalen Wahrnehmung.

dpa
Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick