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Kodak-PleiteDer einstige Pionier steht vor dem Aus

Kodak hat Chapter 11 angemeldet und damit die Insolvenz nach US-Recht beantragt. Es ist der letzte Akt in einer Reihe von verzweifelten Schritten, die Substanz des 131 Jahre alten Unternehmens zu retten.Miguel Zamorano 19.01.2012 - 12:11 Uhr

„Als Erfinder muss man lange Zeit falsch liegen, um irgendwann Recht zu haben“, sagte einmal der Kodak-Angestellte Steven Sasson, in einem Interview aus dem Jahr 2006. Sasson erfand 1975 in den Forschungslaboren des Fotopioniers die erste digitale Kamera der Geschichte.

Er hatte aber Unrecht. Im Nachhinein betrachtet hatte Kodak zwar die richtige Technologie, aber war jahrelang die falsche Strategie gefahren. Nun ist Kodak Pleite. Dem Vermögen von fünf Milliarden Dollar stehen sieben Milliarden Dollar Verbindlichkeiten gegenüber. 131 Jahre Firmengeschichte stehen vor dem Aus.

Kodaks Foto-Innovationen

Mit der Entwicklung von simplen Kameras und Filmrollen machte Kodak-Gründer George Eastman das Fotografieren zum Hobby der breiten Masse. Sein Geniestreich: Anstelle schwerer, mit Fotoemulsion beschichteter Glasplatten setzte Eastman einen von ihm entwickelten rollbaren Film mit einer Gelatineschicht ein. Eastman dachte von Anfang an in großen Dimensionen. Den Namen Kodak wählte er deshalb, weil er sich in allen Sprachen leicht aussprechen ließ.

„Sie drücken den Knopf, wir machen den Rest“, bewarb er seine erste Kodak-Kamera im Jahr 1888. Zwölf Jahre später brachte die Brownie auf den Markt, die aus Karton bestand, sehr einfach zu bedienen war und genau einen Dollar kostete. Diese Kamera samt Filmen konnten sich auch wenig Begüterte leisten - Fotografie wurde so zum relativ billigen Zeitvertreib.

Foto: Pressebild

Mit dem 1935 eingeführten Kodachrome-Farbdiafilm setzte der US-Fotokonzern über Jahrzehnte hinweg den Qualitätsstandard. Zuerst wurde der Kodachrome als 8-Millimeter-Schmalfilm verkauft, seit 1936 war er auch als 35-Millimeter-Kleinbildfilm erhältlich. Milliarden Erinnerungsfotos wurden weltweit auf Kodachrome festgehalten.

Weil der Film als besonders farbtreu und langlebig galt, setzten auch viele professionelle Fotografen den Film ein. Steve McCurrys vielfach preisgekröntes Bild eines afghanischen Mädchens mit markanten blauen Augen, das 1984 im National Geographic Magazine erschien, wurde auf Kodachrome geschossen. Der Sänger Paul Simon widmete dem Fotofilm im Jahr 1973 sogar ein ganzes Lied. Doch die Digitalfotografie machte Kodachrome den Garaus: 2009 stellte Kodak die Produktion seines bekanntesten Films ein.

Foto: Pressebild

Eines der populärsten Brownie-Modelle von Kodak war die 127er, die zwischen 1952 und 1967 verkauft wurde. Sie bestand aus einem Bakelitgehäuse und benötigte einen 46 Millimeter breiten 127er-Rollenfilm. Darauf entstanden dann 4x4 oder 4x6 Zoll große Negative. Heute lässt sich die Kamera nur mehr mit Schwierigkeiten nutzen: Kodak gab die Produktion von 127er-Rollenfilmen im Jahr 1995 auf. Einzig der kleine kroatische Filmhersteller Fotokemika produziert bis heute 127er-Filmrollen, die unter dem Namen Efke vermarktet werden.

Foto: Pressebild

Im Jahr 1963 brachte Kodak eine weitere Vereinfachung auf den Markt: Das Kassettenfilmsystem Instamatic. Bis zur Instamatic-Kassette mussten Fotografen Filme erst einmal korrekt in die Kameras einlegen, was nicht immer einfach war. Bei Instamatic kam der Film bereits in einer schwarzen Kunststoffpatrone, die mit einem simplen Handgriff in dafür vorgesehene Kameras eingesetzt wurde. Die Instamatic-Kameras wiederum waren sehr simpel gehalten: Einfache Modelle hatten zwei Belichtungseinstellungen, etwas bessere Modelle maximal vier.

Für Kodak zahlte sich die Entwicklung aus: Zwischen 1963 und den frühen 1980er-Jahren wurden 150 Millionen Instamatic-Kameras verkauft. Danach geriet das System wegen neuer Kleinbildkameras, die eine vollautomatische Filmeinfädelung boten, in Vergessenheit.

Foto: Pressebild

Ironie der Geschichte: Ausgerechnet ein Kodak-Angestellter erfand im Jahr 1975 jenen Kameratyp, mit dessen Siegeszug Kodak bis heute zu kämpfen hat: die Digitalkamera. Der Forscher Steve Sasson bastelte die Kamera aus Ersatzteilen einer Kodak Super 8-Kamera und damaliger Digital-Hochtechnologie zusammen. 23 Sekunden brauchte die Kamera, um ein krudes Schwarz-Weiß-Bild mit 100 Zeilen Auflösung auf eine Kassette zu speichern. Das entspricht einer Auflösung von 0,1 Megapixeln. Intern stellte Sasson die Kamera ein Jahr später als „filmlose Fotografie“ vor, was den Kodak-Managern wohl kaum gefiel. Erst im Jahr 2001 erkannte Kodak offiziell an, dass es die erste Digitalkamera der Welt gebaut hatte.

Foto: Pressebild

Bereits im Jahr 1991 bot Kodak die erste Digitalkamera an. Wegen der hohen Kosten von weit über 20.000 Dollar war die Kamera aber nur für Profifotografen interessant. Da Kodak den Ruf hatte, ausschließlich billige Kameras für Amateurfotografen herzustellen, brauchte der Konzern eine neue Strategie für seine Profi-Linie. So kam es zu einer Kooperation mit einem konkurrierenden Kamerahersteller, der im Profi-Bereich einen guten Ruf hatte: Nikon. Kodaks erste Profi-Digitalkamera basierte auf einer Spiegelreflexkamera vom Typ Nikon F3, hatte einen 1,3 Megapixel-Sensor und benötigte eine Extra-Einheit für die Bildspeicherung, die auf der Schulter getragen wurde. Drei Jahre später brachte Kodak die DCS 460 auf den Markt, die Aufnahmen mit 6 Megapixeln Auflösung ermöglichte – zu einem Preis von 28.000 Dollar. Bis zum Jahr 2005 erweiterte Kodak seine Profi-Serie DCS n (im Bild), die letztlich bis zu 14 Megapixel Auflösung bot. Doch dann entschied der Konzern, sich künftig auf kompakte Digitalkameras zu konzentrieren und gab die Fertigung der Profi-Geräte auf.

Foto: Pressebild

Vor zehn Jahren brachte Kodak den ersten digitalen Bilderrahmen auf den Markt – doch dabei war der Fotoriese fast zu früh dran: Viele Konsumenten verstanden im Jahr 2000 noch nicht so recht, was sie mit dem Rahmen anfangen sollten. Technisch innovativ war der digitale Fotorahmen namens Smart Picture Frame allemal: Es zog seine Bilder entweder von einer Speicherkarte oder lud sich Fotos via analoger Telefonleitung aus dem Internet herunter. Mit 349 Dollar Verkaufspreis war der Rahmen nicht gerade billig. Das neueste Modell Pulse (im Bild) ist mit einem Preis von 130 Euro deutlich preiswerter, kann sich via WLAN Bilder vom Computer holen – und sogar automatisch Facebook-Fotoalben abrufen.

Foto: Pressebild

Sie sind das neueste Pferd im Kodak-Stall: Seit 2007 forciert der Konzern seine neuen Fotodrucker, deren Tintenkosten laut Kodak bis zu 50 Prozent unter jenen der Konkurrenz liegen sollen. Die Strategie schien zunächst aufzugehen: Im dritten Quartal 2010 stiegen die Umsätze mit Druckern und Tinten um 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Kodaks Drucker-Marktanteil in Großbritannien lag im September 2010 bei 16,4 Prozent – das war damals eine Verbesserung von 121 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Im Bild der Multifunktionsdrucker ESP 9250.

Foto: Pressebild

Das Unternehmen, das einst eine Kamera für ein Dollar auf dem Markt brachte, hat den Trend in der Fotografie des neuen Jahrtausends verschlafen: die neue Kamera-Generation kommt ohne Kodakfilme aus. Im digitalen Zeitalter kann jeder „magische Kodak-Momente“ liefern: Kompaktkameras, Handys, Handhelds, sogar MP3-Spieler. In dieser Zeit ist das Fotografieren mit analogem Film zu einem Ritual nostalgischer Bohemiennes verkommen.

Die Kodak-Chronik
Der Amerikaner George Eastman gründete zusammen mit Henry Strong die Eastman Dry Plate Company, aus der elf Jahre später Kodak hervorgeht. Zunächst stellt das Unternehmen trockene Fotoplatten her.
Die erste Kodak-Kamera kommt auf den Markt. Dank der 1900 eingeführten "Kodak Brownie" wird das Fotografieren massentauglich, die Kamera zum Preis von einem US-Dollar ist für jeden Hobbyfotografen erschwinglich.
Kodak bringt den ersten Farbfilm auf den Markt, der auch für Hobbyfotografen geeignet ist.
Der Ingenieur Steven Sasson entwickelt die erste Digitalkamera für Kodak.
Kodak verliert einen Rechtsstreit um die Sofortbildkamera gegen Konkurrent Polaroid. Das führt neben der Strafe in Milliardenhöhe zu einem bedeutenden Imageverlust und gilt als der Wendepunkt in der Geschichte des Foto-Riesen.
Das Unternehmen erzielt einen Rekordumsatz von 19,4 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig bringt Kodak mit der "DC-100" die erste Digitalkamera in den Handel. Massentauglich ist sie nicht - das Modell kostet 25 000 Mark.
Kodak stellt den Verkauf von Kleinbildkameras ein, um sich ganz auf den Markt zu konzentrieren.
Kodak schreibt das vierte Jahr in Folge rote Zahlen.
Am 19. Januar 2012 stellte Kodak einen Insolvenzantrag gemäß Chapter 11 des amerikanischen Insolvenzrechts. Das Unternehmen stellte die Produktion von Digitalkameras, Diafilmen, des Schwarzweiß-Films Kodak P3200 T-Max, Videokameras und digitalen Bilderrahmen ein und kündigte an, sich auf das Druckergeschäft konzentrieren zu wollen. Die Onlineplattform Kodak Gallery wurde an den Konkurrenten Shutterfly verkauft.
Am 3. September 2013 verkaufte Kodak seine Filmproduktion und gab damit das ehemalige Kerngeschäft auf. Am gleichen Tag wurde Kodak aus dem Gläubigerschutzverfahren entlassen. Das neue Unternehmen Kodak Alaris entstand.

Dabei war Kodak durchaus ein eifriger Erfinder im Bereich der digitalen Fotografie. „Kodak hat den ersten Megapixel-Sensor erfunden, die erste Kamera mit hoher Resolution, die digitale Kompression“, zählte Sasson im Interview eifrig auf. Gewiss, Kodak erfand zahlreiche Technologien, doch das Geld damit verdienten die anderen. HP und Canon, Nikkon und Panasonic eilten dem alten Fotopionier davon.

Märklin, Schiesser, Rosenthal - Sie schafften es aus der Insolvenz

Solarmodul der Conergy AG in Frankfurt an der Oder. Die deutsche Solarbranche gerät durch die stark subventionierte chinesische Konkurrenz zunehmend unter Druck. Allein im vergangenen Dezember meldeten die Solarzellen- und Modulhersteller Solon und Solar Millenium Insolvenz an. Beim Konstanzer Solarzellenhersteller Sunways hat der langjährige chinesische Partner LDK die Mehrheit übernommen. Sunways hatte im vergangenen Jahr mit dem Preisverfall in der Solarbranche und schwächerer Nachfrage zu kämpfen. Der Umsatz dürfte sich 2011 auf 110 Millionen Euro halbiert haben. LDK kann nun von den Technologien und dem Vertriebsnetz des Konstanzer Unternehmens profitieren.

Foto: dapd

So wichtig die Solarbranche ist, viele ihrer Unternehmen sind der breiten Bevölkerung unbekannt. Bei Märklin ist das ganz anders: Im Februar 2009 musste der schwäbische Modelleisenbauer Insolvenz anmelden. Bereits ein knappes Jahr später schrieb das Unternehmen wieder schwarze Zahlen. Zwischenzeitlich war das Lager reduziert, das Werk in Nürnberg geschlossen und mehrere hoch dotierte Manager entlassen worden. Das Ergebnis: der Gewinn vor Steuern (Ebit) betrug 10,1 Millionen Euro. Derzeit arbeitet Geschäftsführer Stefan Löbich daran, Kinder wieder mehr für die Modelleisenbahn zu begeistern.

Foto: dpa

1879 von Philipp Rosenthal in Selb nahe der tschechischen Grenze gegründet, musste der Hersteller hochwertigen Porzellans 2009 Konkurs anmelden. Der langjährige irisch-britische Mehrheitsgesellschafter Waterford Wedgewood hatte das deutsche Traditionsunternehmen mit in den Strudel gezogen. Bereits einige Monate später ist Rosenthal Teil der italienischen Besteckherstellers, Sambonet Paderno. Seitdem führten die Brüder Pierluigi und Franco Coppo, Geschäftsführer von Rosenthal, beispielsweise eine günstigere Linie für die Gastronomie unter der Marke Arthur Krupp ein. 2011 lag der Umsatz mit 85 Millionen Euro allerdings nur etwa auf Vorjahresniveau.

Foto: dpa

Schiesser Feinripp mit Eingriff: Im Februar 2009 konnte eine Insolvenz der Kultfirma aus Radolfzell am Bodensee nicht mehr abgewendet werden. Hauptgrund waren damals unrentable Verträge mit Lizenzpartnern wie Tommy Hilfiger und Puma. Der Unterwäschehersteller entließ daraufhin Mitarbeiter und stieg aus vielen Verträgen aus. Mit Erfolg: Bereits im gleichen Jahr kehrte Schiesser in die Gewinnzone zurück. Eine geplante Zusammenarbeit mit Modemacher Wolfgang Joop war dann nicht mehr nötig. Ein für das zweite Quartal 2011 geplanter Börsengang ist jedoch schon mehrmals verschoben worden.

Foto: dpa

Keine große Überraschung war 2009 die Pleite der Billigkaufhauskette Woolworth. Im Juli 2010 übernahm schließlich die HH-Holding, die Dachgesellschaft der Tengelmann-Gruppe, Woolworth Deutschland. Zur Gruppe gehört auch der Textil-Discounter Kik. Aktuell betreibt Woolworth in Deutschland rund 180 Kaufhäuser mit 4.300 Mitarbeitern.

Foto: dpa

Mitarbeiter vor der Zentrale des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor in Essen. Die Pleite des Handelskonzerns im Juni 2009 war eine der spektakulärsten der vergangenen Jahre. Während die Einzelhandelskette Karstadt vorerst durch den Investor Nicolas Berggruen gerettet werden konnte, wurde der Versandhandel Quelle abgewickelt. Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz verlor als Bürgin den größten Teil ihrer Milliarden-Erbschaft.

Foto: ap

Der Remscheider Automobilzulieferer Edscha, spezialisiert auf Cabriodachsysteme und Türscharniere, konnte dem weltweiten Absatzeinbruch 2009 nicht standhalten. Im Februar 2009 meldete das Unternehmen Insolvenz an. Die Cabriodach-Sparte kaufte der bayerische Konkurrent Webasto AG. Im März 2010 stimmten die Kartellbehörden auch dem Kauf der Scharniersystem-Sparte durch den spanischen Zulieferer Gestamp Automoción zu.

Foto: dpa

Der Spezialist für Bremsbeläge, TMD Friction mit Sitz in Luxemburg, geriet 2009 ebenfalls in den Abwärtsstrudel der Automobilindustrie. Die Unternehmensgruppe, die täglich mehr als eine Million Teile herstellt, hat in Leverkusen ihren größten Produktionsstandort. Noch 2009 hatte der Londoner Finanzinvestor Pamplona das Unternehmen gerettet. Zwei Jahre später, im September 2011, kaufte der japanische Mischkonzern Nisshinbo den Luxemburger Konzern für 440 Millionen Euro.

Foto: TMD Friction

Karstadts Tochter Hertie überlebte die Krise nicht. Bereits im Juli 2008 stand die Handelskette vor der Pleite. Der britische Mehrheitseigner Dawnay Day hatte mit seinen finanziellen Problemen die deutsche Tochter mitgerissen. Im Mai 2009 gab der Insolvenzverwalter das endgültige Aus bekannt, einige Monate später schloss die letzte der 54 verbliebenen Filialen.

Foto: ap

Der Nähmaschinenhersteller Pfaff aus Kaiserslautern hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Bereits 1999 musste das 1862 gegründete Unternehmen Insolvenz anmelden. Danach wechselte mehrmals der Besitzer, 2007 dann ein Versuch an der Börse. Ohne Erfolg: Im September 2008 stand das Traditionsunternehmen erneut vor der Pleite. Schließlich übernahm Joachim Richter im April 2009 die operative Führung - als Alleineigner. Er besitzt bereits ein Maschinenbauunternehmen im pfälzischen Konken.

Foto: ap

Ein Rasenmäher mit 3-Gang-Schaltung der Firma Wolf-Garten auf der Internationalen Gartenfachmesse: Mittlerweile existiert Wolf-Garten nur noch als Marke. MTD Products, ein US-amerikanischer Hersteller von Gartenmotorgeräten, kaufte im April 2009 über seine Saarbrücker Tochter den insolventen Konkurrenten Wolf-Garten. 2010 schloss MTD das verbliebene Werk im rheinland-pfälzischen Betzdorf, Wolf-Gartens Hauptsitz. Das Unternehmen hatte im Januar 2009 Konkurs angemeldet.

Foto: ap

Kerzen vor der Qimonda-Niederlassung in Dresden. Der Speicherchip-Hersteller, der mehrheitlich zu Infineon gehört, strich zuerst tausende Stellen. Der Insolvenz konnte das Unternehmen trotzdem nicht entgehen. Im April 2009 ging der Antrag im Münchner Landgericht ein. Seitdem hat die Mutter Infineon bereits hunderte Millionen Euro für die Pleite-Tochter auf die Seite gelegt.

Foto: dpa

Beim Osnabrücker Cabriodachhersteller Karmann ging nach der Insolvenz der japanische Produktionsstandort an den österreichischen Wettbewerber Magna Steyr. Volkswagen kaufte Maschinen, Anlagen und Grundstücke und gründete die Tochtergesellschaft Volkswagen-Osnabrück GmbH. Ein Erfolg: Das neue Golf Cabriolet läuft seit vergangenem März wieder in Osnabrück vom Band.

Foto: dpa

Schimmel meldete im Sommer 2009 Insolvenz an. Der Klavier- und Flügelhersteller entschied sich für ein Insolvenzplanverfahren. Mit Erfolg: Das Unternehmen ist gerettet und in Familienhand. Der Minderheitseigner Yamaha, der zuvor 25 Prozent gehalten hatte, ist nicht mehr am Braunschweiger Unternehmen beteiligt. Schimmel verzeichnet jetzt sogar wieder steigenden Umsatz: 2010 waren es 14,5 Millionen Euro, 2011 sollten es 18 Millionen werden.

Foto: dpa

Sinn Leffers ist auf einem guten Weg: Als eine der ehemaligen Karstadt-Töchter ist Sinn Leffers erfolgreich aus der Planinsolvenz hervorgegangen. Das Hagener Unternehmen hatte im Sommer 2008 Konkurs angemeldet und sich daraufhin von der Hälfte seiner 49 Filialen getrennt. Vergangenen Sommer verzeichnete Sinn Leffers mit mehr als 300 Millionen Euro ein Umsatz-Plus von sechs Prozent.

Foto: ap

Knaus-Tabbert, Hersteller von Wohn- und Reisemobilen aus dem bayrischen Wald, schreibt wieder schwarze Zahlen. Der niederländische Investor HTP hatte im Januar 2009 die insolvente Firma übernommen, das Management getauscht und einige hundert Mitarbeiter entlassen. 2011 lag der Umsatz bei etwa 240 Millionen Euro, ein Plus von rund 60 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr. 12 800 Wohnwagen und Reisemobile wurden produziert, 2300 mehr als noch 2010.

Foto: dpa

Der Münchner Luxus-Konzern Escada überlebte die Finanzkrise nicht. Allerdings fand sich ein solventer Käufer: Die Schwiegertochter des indischen Stahlmagnaten Mittal, Megha Mittal, erwarb im Dezember 2009 die Gesellschaftsanteile des Modeherstellers. Sie verhalf der Marke zu neuem Glanz, konnte damals sogar den Großteil der Arbeitsplätze erhalten. Mittlerweile schreibt das Unternehmen wieder schwarze Zahlen.

Foto: dpa

Der Druckmaschinenhersteller litt schon seit Jahren unter der schrumpfenden Zeitungsbranche. Im Dezember 2011 meldete das Unternehmen aus Offenbach bei Frankfurt den Konkurs. Derzeit laufen die Verhandlungen mit potenziellen Investoren und Käufern. Es sollen um die zehn Interessenten sein. Die 6500 Mitarbeiter sind besorgt und wollen vor den Konzernzentralen der bisherigen Eigner Allianz und MAN demonstrieren.

Foto: Reuters

Und so ist es nicht verwunderlich, dass zu guter Letzt das Tafelsilber unter den Hammer kommen sollte: die Patente. Kodak Chef Antonio Perez stimmte das noch vor kurzem zuversichtlich. Man wolle die 1100 Patente veräußern, verkündete er im Sommer 2011, um sich Liquidität zu verschaffen. Zu dem Zeitpunkt war Kodak nur noch ein Schatten seiner selbst. Mit dem Verkauf von Druckern versuchte sich das Traditionsunternehmen vom allmählichen Niedergang zu retten, doch die Gewinne in diesem Bereich kompensierten die Einbrüche im Kerngeschäft nicht. Die Umsätze befanden sich im freien Fall. 2011 schrieb Kodak einen Verlust von mehr als 230 Millionen Dollar. An der Börse wollte Kodak auch niemand mehr, schließlich drohte die New York Stock Exchange Anfang des Jahres 2012, das Unternehmen aus der NASDAQ-Listung zu nehmen, sollte die Aktie nicht bald deutlich über einem Dollar notieren.

Als letzte Waffe dienten also die Patente. Die Strategie schien erfolgversprechend. Experten bezifferten den Wert des geistigen Eigentums von Kodak auf bis zu drei Milliarden Dollar. Die Riesen der IT-Branche meldeten Interesse an: Apple, Google, Microsoft, Samsung standen Schlange. Doch die Verhandlungen kamen nicht voran. Die Sorge der potenziellen Käufer: sollte es zur Insolvenz kommen, könnten Gläubiger die wertvollen Patente für sich beanspruchen. Es wäre eine Investition voller Risiken geworden.

Kodak schien vor diesem Hintergrund die Nerven zu verlieren. Mitte Januar 2012 verklagte das Unternehmen Apple und HTC wegen Patentverletzung. Ein Tag vor dem Insolvenzantrag verklagte Kodak dann auch Samsung. Es war der letzte verzweifelte Schritt des Fotopioniers.

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