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Korruptionsskandal Siemens-Sumpf nimmt kein Ende

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Abtritt der Führungsriege

Die Folgen der Korruptionsaffäre sind noch nicht abzusehen Quelle: dpa

Das System habe circa anderthalb Jahre reibungslos funktioniert, sagte Siekaczek vor Gericht aus, 2004 sei es wegen einer Geldwäsche-Prüfung in Liechtenstein kritisch geworden.

Der Manager war 2004 nach 38 Jahren bei Siemens aus dem Unternehmen ausgeschieden. Im Juli 2008 verurteilte ihn die Staatsanwaltschaft München zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe und einer Zahlung von 108.000 Euro. Das Gericht wies Siekaczek Untreue in 49 Fällen nach.

Die Ermittlungen gegen den von Siekaczek ebenfalls beschuldigten damaligen Bereichsvorstand Thomas Ganswindt wurden im Mai 2011 eingestellt. Das Landgericht München legte ihm eine Geldstarfe von 175.000 Euro auf. Ganswindt war der höchstrangige Angeklagte in der Siemens-Korruptionsaffäre. Er war ab 2001 Chef der Telefonsparte ICN, rückte 2004 in den Konzernvorstand auf und galt als möglicher Nachfolger des damaligen Siemens-Chefs Heinrich von Pierer.

Ganswindt kam glimpflich davon
Laut Anklage hatte Ganswindt zahlreiche Anhaltspunkte für Korruption, ignorierte sie aber. Das ausgeklügelte System mit Scheinberaterverträgen und Auslandskonten habe er zwar nicht gekannt, jedoch weggeschaut und letztlich nicht verhindert, dass sich ein nigerianischer Minister für Kommunikation, Direktoren russischer Telefonunternehmen und andere von Siemens schmieren ließen, so die Anklage.

Ganswindt wies die Anklage zurück, sagte aber vor Gericht: "Ich übernehme die Verantwortung für diese Vorgänge." Aus heutiger Sicht hätte er noch stärker nachfassen müssen.
Auch Heinrich von Pierer, seit Januar 2004 Aufsichtsratsvorsitzender der Siemens AG nahm im April 2007 in Folge der Korruptionsaffäre seinen Hut und macht den Weg frei für den ehemaligen Thyssen-Krupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme.

Milliardenkosten für Strafzahlungen
Im September 2007 teilte dann der Vorstandsvorsitzenden Klaus Kleinfeld mit, nicht mehr für eine Vertragsverlängerung zur Verfügung zu stehen. Im Juli 2007 übernahm der ehemalige Merck-Manager Peter Löscher das Amt.

Cromme und Löscher traten für eine gnadenlose Aufklärung der Schmiergeldaffäre ein. Siemens forderte Schadensersatz von Heinrich von Pierer und bekam ihn. Fünf Millionen Euro musste der Jurist berappen.

2008 geriet Siemens in der USA zunehmend unter Druck. Das Unternehmen ist an der New Yorker Börse notiert musste langwierige Untersuchungen der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Comission, kurz SEC, über sich ergehen lassen. Siemens musste schließlich rund 800 Millionen US-Dollar (rund 600 Millionen Euro) an die US-Behörden leisten. Rund 450 Millionen US-Dollar flossen Gerichtsunterlagen zufolge an das US-Justizministerium und 350 Millionen US- Dollar an die SEC.

Bisher hat die Schmiergeldaffäre Siemens rund 2,5 Milliarden Euro unter anderem an Strafzahlungen und Anwaltshonoraren gekostet. Weitere Kosten sind nach derzeitigem Stand der Ermittlungen nicht auszuschließen.

Mit Material von dpa, ap, reuters

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