Matthias Schranner über Monsanto-Übernahme "Bayer hat keine Zeit für lange Verhandlungen"

Nur zehn Tage nach Amtsantritt gibt Bayer-Chef Baumann ein Milliarden-Angebot für Monsanto ab. Ein Verhandlungsexperte spricht über Bayers Strategie und Risiken, die mit der Übernahme des Saatgutriesen zusammenhängen.

Der Verwaltungsjurist, Verhandlungsexperte und -coach Matthias Schranner im Interview mit WirtschaftsWoche. Quelle: Presse

Herr Schranner, Bayer plant die größte Übernahme in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Wie sehen Sie die Erfolgschancen?
Matthias Schranner: Das Zeitfenster, in dem die Übernahme zu bewerkstelligen ist, ist relativ klein. Je länger die Verhandlungen dauern, desto mehr Schwierigkeiten kommen auf Bayer zu. Wenn Bayer den Deal in den nächsten Wochen nicht abschließt, scheitern die Verhandlungen wahrscheinlich.

Woran machen Sie das fest?
Das liegt in erster Linie an der starken Öffentlichkeit, die den Deal begleitet. Monsanto hat hierzulande ein sehr negatives Image, was den Druck durch die Medien und die Aktionäre erhöht. Normalerweise wird so etwas im kleinen Kreis verhandelt, damit die Beteiligten mit einem Ergebnis an die Öffentlichkeit treten können – natürlich im Rahmen der Richtlinien, die für Börsenkonzerne gelten.

Vertreter von Monsanto haben die Übernahmepläne von Bayer allerdings rasch in die Öffentlichkeit getragen – war das Kalkül oder lediglich ein Unglück?
Das zeugt von einer sehr aggressiven Taktik seitens Monsanto. Sie üben auf diese Weise hohen Druck auf Bayer aus, was den Preis wiederum in die Höhe treibt. Wenn Bayer jetzt nicht zugreift, sucht Monsanto andere Bieter.

Zur Person

Der zuerst von Bayer gebotene Kaufpreis lag bereits bei 55 Milliarden Euro, was von vielen Aktionären als sehr hoch empfunden wird. Ist es gefährlich, das erste Angebot so hoch anzusetzen?
Die Frage ist, wie viel Zeit bleibt. Bayer hat nicht die Zeit für einen langwierigen Verhandlungsprozess. Mit einem geringeren Gebot einzusteigen und sich langsam anzunähern war von daher keine Option. Das ist nur möglich, wenn unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt wird.

Was bei Bayer nicht der Fall ist.
Deswegen musste Bayer hoch einsteigen.

Glauben Sie, dass der hohe Preis auch dafür sorgen soll, Konkurrenz wie BASF herauszuhalten?
Nein, das denke ich nicht. Die Preise werden ja nicht nur verhandlungstaktisch eingebracht, sondern im Rahmen der sogenannten Due Dilligence bewertet, der Risikoprüfung.

Das Gebot liegt 37 Prozent über dem Aktienwert von Monsanto. Verwundert es Sie, dass das nicht gleich angenommen wurde?
Das erste Gebot anzunehmen wäre sehr ungewöhnlich. Monsanto hat allerdings nicht direkt abgelehnt – es war ein konstruktives Nein. Der Preis ist zu niedrig für die Amerikaner, aber sie sind zu weiteren Gesprächen bereit.

Bayer hat sich laut Berichten einen Spielraum für eine höhere Offerte verschafft. Sollte man so etwas öffentlich machen oder schwächt das die Position, wenn Monsanto weiß, was Bayer zu zahlen vermag?
Auf der einen Seite zeigt Bayer damit, dass sie wirklich interessiert sind und die finanzielle Kraft haben, den Deal zu stemmen. Allerdings signalisieren die Leverkusener so auch, dass noch mehr Geld da ist. Wenn die kolportierten Zahlen stimmen, dann hat Bayer einen großen Puffer. Den wird Monsanto ausreizen wollen.

Wer bei Bayer für Gewinn sorgt

Glauben Sie, dass die Konzerne sich einigen werden?
Ich bin da eher skeptisch.

Warum?
Die Leute, die solche Deals vorantreiben, sind absolute Experten in ihrem Gebiet, sehen aber oft nicht die Begleitumstände. Ich bin mir sicher, dass der Deal sehr gut zu Bayers Unternehmensstrategie passt und auch gut ausgearbeitet ist, kein Zweifel. Die Frage ist, haben die Verantwortlichen berücksichtigt, dass in Amerika der Wahlkampf läuft, haben die Verantwortlichen die US-Politik berücksichtigt, die gerade jetzt wahnsinnig sensibel auf ausländische Übernahmen reagiert?

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