Medigene, Morphosys, GPC Biotech: Die Biotech-Branche ist tot – und doch lebendig
Am Ende war es wohl eine Mischung aus Fehleinschätzungen, Strategiewechseln, zu hohen Kosten und schlichtweg Pech, die das Schicksal von Medigene besiegelte: Das Münchner Biotechunternehmen, gegründet 1994, seit dem Jahr 2000 an der Börse, spezialisiert auf Krebsforschung, ist insolvent. Und Medigene ist nicht der einzige Biotech-Pionier, dessen Ende naht.
Auch Morphosys, gegründet 1992, trifft es. Der Schweizer Pharmakonzern Novartis, der Morphosys erst Anfang 2024 übernommen hatte, wickelt den einstigen Hoffnungsträger nun ab – nachdem eine Studie über ein hoffnungsvolles Medikament gegen eine seltene Knochenmark-Erkrankung enttäuschende Ergebnisse geliefert hatte. Und GPC Biotech, noch so eine Biotech-Hoffnung aus den Neunzigern, gibt es schon seit Jahren nicht mehr.
Ein Fanal für den Standort? Nein. Denn die Nachfolger der Biotech-Pioniere machen es oft besser – und weisen konkrete Erfolge auf. Biontech, das nun an zahlreichen Medikamenten gegen Krebs forscht, ist nur das markanteste, aber nicht das einzige Beispiel. Aicuris aus Wuppertal etwa bekämpft Infektionen – und hat schon vor Jahren ein Mittel erfolgreich auslizenziert.
Formycon aus München spezialisiert sich erfolgreich auf den Nachbau von Biotech-Medikamenten – auch wenn die wirtschaftliche Performance noch zu wünschen übrig lässt. Unternehmen wie ITM (radioaktive Substanzen gegen Krebs) und Tubulis (neue Formen von Antikörpern gegen Krebs) verfügen zumindest über sehr interessante Forschungsansätze. Und aus der Riege der einstigen Pioniere haben es etwa immerhin Qiagen oder Evotec geschafft, sich langfristig zu etablieren.
Biotech ins Kanzleramt?
Es kann, es muss natürlich noch besser werden. In den USA können Biotech-Firmen auf deutlich mehr Kapital zurückgreifen. In Deutschland braucht es noch mehr Finanzierungsanreize, etwa für Privatanleger. Und eine Regulierung mit Augenmaß. Die Nutzung neuer Technologien wie etwa Zelltherapien ist hierzulande oft nur eingeschränkt möglich.
Der Branchenverband Bio Deutschland fordert, Biotech als Schlüsselindustrie im Kanzleramt zu verankern – mit freundlichen Grüßen an die Koalitionäre in Berlin. Weitere Pleiten würde das wohl nicht verhindern. Womöglich aber ein Umfeld schaffen, in dem noch mehr dieser höchst riskanten, aber im Zweifel eben auch höchst erfolgreichen Geschäftsmodelle zur Umsetzung kommen.
Lesen Sie auch: Wo Deutschland bei Biotech Spitze ist