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Milliarden mit dem Krebsmittel An Bavencio entscheidet sich die Zukunft von Merck

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Große Schritte sollen folgen

Bei Merck sollen dem bescheidenen Anfang große Schritte folgen. Die Forscher arbeiten an diversen Anwendungen für deutlich häufigere Erkrankungen wie Lungen-, Magen-, Nieren- und Eierstockkrebs. Oschmann hat sich selbst unter Druck gesetzt: Als er vor gut einem Jahr die Führung des Konzerns übernahm, versprach er, künftig jedes Jahr im Schnitt mindestens ein neues Medikament oder eine neue Anwendung auf den Markt zu bringen.

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Eine wahre Revolution, hat sich doch seit zwei Jahrzehnten bei Merck ein Flop an den nächsten gereiht. Kein einziges Medikament hat es aus dem Labor an den Markt geschafft. Geplante Mittel– etwa ein Krebsimpfstoff – scheiterten, vor allem hausgemachter Fehler wegen: Kritische Prüfungen fanden kaum statt, Studien waren schlecht vorbereitet. Geld brachten Rebif und Erbitux zwar ganz ordentlich, doch die waren zugekauft, nicht selbst entwickelt.

Die Familie Merck, der der Konzern mehrheitlich gehört, konnte wohl nur wegen der satten Gewinne aus der Sparte für Spezialchemie an dem Pharmazweig festhalten. Vor allem die in der Spezialchemie produzierten Flüssigkristalle, die in Smartphones und Fernsehern verbaut werden, lieferten Traumrenditen von 50 Prozent – und nährten so den ganzen Konzern.

Oschmann aber reicht das nicht. Der 59-Jährige, der manchmal ohne Krawatte, selten ohne Einstecktuch und nie ohne zurückgekämmte Haare auftritt, hat als Tierarzt promoviert, bei den Jusos Politik gemacht und für die UNO in Afrika geforscht, bevor er schließlich den Weg in die Pharmabranche fand. Heute wählt er FDP und besucht in seiner Freizeit Galopprennen. Die Rastlosigkeit, die sein früheres Leben prägte, aber ist geblieben.

Das zeigte er direkt nach seinem Amtsantritt als Pharmavorstand bei Merck vor sechs Jahren. Da feuerte er erst mal die meisten Manager und ersetzte sie durch Führungskräfte internationaler Topadressen wie Sanofi, Novartis und Bristol-Myers. Er strich etliche Forschungsprojekte, zum Beispiel für Diabetes, und förderte die Krebsimmuntherapie. Dafür holte er auch den US-Konzern Pfizer an Bord, der sich für stolze 2,8 Milliarden Dollar an Entwicklung und Vertrieb beteiligte.

Dass Pfizer anbiss, spricht für das Potenzial des Merck-Immunpräparats. Den deutschen Konkurrenten Bayer und Boehringer sind die Darmstädter hier einen Schritt voraus, allerdings nicht den US-Konzernen Merck & Co. und Bristol-Myers. Die setzen mit Immunpräparaten schon Milliarden um, auch Roche aus der Schweiz ist in den USA bereits mit einem Mittel gegen Blasen- und Lungenkrebs auf dem Markt.

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