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Pharmakonzern Stada-Aufsichtsratschef gibt Leitung der Hauptversammlung ab

Dass die Hauptversammlung von Stada spannend werden dürfte, wurde allgemein erwartet. Nach einem Paukenschlag zu Beginn des Aktionärstreffens teilt der aktivistische Investor AOC kräftig gegen den Aufsichtsrat aus.

Logo des Pharmakonzerns Stada. Quelle: dpa

Auf der Stada-Hauptversammlung hat der Großaktionär Active Ownership Capital (AOC) die Chef-Aufseher des Pharma-Konzerns frontal angegriffen. Der Aufsichtsratsvorsitzende Martin Abend und sein Stellvertreter Carl Ferdinand Oetker hätten in ihrer Kontrollfunktion über Jahre versagt, sagte der AOC-Mitbegründer Florian Schuhbauer am Freitag auf der Hauptversammlung in Frankfurt.

Sie hätten unter dem inzwischen ausgeschiedenen Vorstandschef Hartmut Retzlaff „Gehaltsexzesse und Vetternwirtschaft“ in dem Unternehmen geduldet. „Abend und Oetker können nicht Teil des Neuanfangs sein, denn sie sind Teil des alten Systems.“ Kontinuität im Aufsichtsrat sei vor diesem Hintergrund kein Wert an sich. „Wir möchten ja gerade kein 'Weiter so'“.

Schuhbauer versicherte, dass AOC langfristig orientiert sei und das Unternehmen als Ankerinvestor in die Zukunft führen wolle. „AOC will Stada nicht zerschlagen“, erklärte ein weiterer Vertreter der Beteiligungsgesellschaft.

Die Kandidaten für den Stada-Aufsichtsrat

AOC wolle vielmehr operative Verbesserungen erreichen. Stada habe das Potenzial, in einigen Jahren ein operatives Ergebnis (Ebitda) von einer Milliarde Euro zu erreichen. „Dann reden wir nicht mehr über eine Marktkapitalisierung von drei Milliarden Euro, sondern von zehn Milliarden Euro“, sagte Schuhbauer.

Abend leitet nicht die Hauptversammlung

Die Hauptversammlung selbst hatte am Freitagmorgen mit einem Paukenschlag begonnen. Aufsichtsratschef Martin Abend leitet das Aktionärstreffen nicht selbst. Er wolle damit jeden Verdacht der Befangenheit vermeiden, sagte der Dresdner Rechtsanwalt am Freitag in Frankfurt. „Diese Hauptversammlung ist von großer Bedeutung für die Zukunft unseres Unternehmens“, sagte Abend zu Beginn der Versammlung.

Der aktivistische Stada-Aktionär Active Ownership Capital (AOC) hat Abends Abwahl beantragt, mehrere einflussreiche Stimmrechtsberater haben sich hinter die Forderung gestellt. Die institutionellen Anleger sind mit den Geschäftszahlen nicht zufrieden. An Abends Stelle leitet die Berliner Notarin Karin Arnold die Hauptversammlung. Unterstützung hat sich Stada auch von dem prominenten Wirtschaftsanwalt Christoph Seibt von der Kanzlei Freshfields geholt, der mit auf dem Podium sitzt.

Der AOC-Kandidat ist der ehemalige Novartis-Manager Eric Cornut. Cornut sagte bei seiner Vorstellung, er würde Stada auch als Aufsichtsratsvorsitzender dienen. Cornut war bis Juni für ethische und regulatorische Fragen bei Novartis zuständig.

Zum Auftakt des mit Spannung erwarteten Aktionärstreffens betonte der Vorstandsvorsitzende Matthias Wiedenfels die Eigenständigkeit des Unternehmens. „Stada braucht sich nicht neu zu erfinden“, sagte der erst wenige Wochen amtierende Chef laut Redemanuskript.

Neuer Chef muss noch bestätigt werden

Selbstkritisch merkte Firmenchef Wiedenfels an, dass Stada in der Vergangenheit sein Potenzial nicht voll ausgeschöpft habe. Man sei nicht transparent genug und zu hierarchieorientiert gewesen. Der Nachfolger des langjährigen Firmenchefs Hartmut Retzlaff wie auch Abend dankten Retzlaff für seine Aufbauleistung. Wiedenfels stellte den Aktionären einen Wachstumskurs vor, der neue Vertriebsregionen und Produktfelder erschließen soll. Die strategische Grundausrichtung werde nicht geändert.

Wiedenfels ist aber noch nicht auf Dauer im Amt. „Dauerhaft einen Vorstandsvorsitzenden zu bestellen, wird einem neu zusammengestellten Aufsichtsrat vorbehalten sein“, sagte Aufsichtsratschef Abend. Der Status von Wiedenfels war unklar, nachdem er dem langjährigen Stada-Chef Hartmut Retzlaff im Amt gefolgt war. Retzlaff hatte sich im Frühjahr krank gemeldet und war in der vergangenen Woche endgültig zurückgetreten. Stada hatte damals betont, Wiedenfels sei auf Dauer Vorstandschef. Auch Wiedenfels selbst hatte erklärt, er verstehe sich als Dauerlösung.

Der Angriff auf den Aufsichtsrat wird in der Branche als Auftakt für einen grundlegenden Umbruch beim letzten eigenständigen Hersteller von Nachahmermedikamenten (Generika) in Deutschland verstanden. Kritiker aus Aktionärskreisen vermuten, dass AOC nach einer gewonnenen Kampfabstimmung auch den Vorstand neu besetzen und letztlich Stada übernahmereif machen wolle.

Konkrete Absichten dazu hat AOC bislang bestritten und sich zunächst darauf beschränkt, die Geschäftsentwicklung der vergangenen Jahre mit zuletzt 2,1 Milliarden Euro Umsatz als ungenügend zu kritisieren. Der dafür verantwortliche Vorstandschef Hartmut Retzlaff hat Stada kürzlich verlassen.

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