Siemens und GE in Brasilien Dabei sein ist alles

Siemens und General Electric haben große Hoffnungen in Brasilien gesetzt. Die Krise macht sie zunichte – einzelne Prestige-Objekte wie eine U-Bahn oder ein Stadion-Flutlicht während Olympia werden das kaum ändern.

Krise in Brasilien: Olympia verbessert die Situation für Siemens und General Electric kaum. Quelle: imago

Der feine Regen peitscht hart durch den Olympiapark von Rio de Janeiro. Links des weitläufigen Areals liegt das Stadion für die Wettkämpfe im Turmspringen, rechts stehen die drei Arenen für Sportarten wie Judo, Ringen und Handball.

In einer der Sporthallen steht Chris Katsuleres und versucht, so etwas wie Aufbruchstimmung zu verbreiten. Auf der Tribüne hinter ihm wird geschraubt und gezimmert; der Lärm einer Kreissäge zerreißt seine Worte. „General Electric beleuchtet mit seinen Lampen bei den Spielen eine Fläche von rund 4,3 Millionen Quadratmetern“, sagt der Manager tapfer, der bei dem US-Konzern für das Olympiageschäft zuständig ist. „Das ist so viel wie 1068 Fußballfelder.“

Schon seit 2005 ist General Electric (GE) einer der Hauptsponsoren des sportlichen Großereignisses. Das Engagement in Rio sollte den Konzern im Schwellenland Brasilien eigentlich entscheidend voranbringen. Doch nun steckt das Land in einer schweren Krise, westliche Konzerne mussten ihre großen Erwartungen deshalb drastisch reduzieren. Einzelne Prestigeprojekte bei den Spielen werden daran nichts ändern. Bis auf Weiteres werden GE und auch Konkurrent Siemens in dem Land nur noch dabei sein. Und nicht mehr gewinnen.

Rio 2016 in Zahlen

Diesen Freitag wurde in Rio das olympische Feuer entflammt. Für das kriselnde Land ist das allenfalls ein schwacher Hoffnungsschimmer. Brasilien erlebt die schlimmste Rezession seit den Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts, im ersten Quartal ist das Bruttoinlandsprodukt im Jahresvergleich um 5,4 Prozent geschrumpft. Ein Amtsenthebungsverfahren gegen Präsidentin Dilma Rousseff lähmt die Politik. Schulen sind geschlossen, weil der Staat die Lehrer nicht mehr bezahlen kann. Das Öl- und Gasgeschäft liegt am Boden, weil ein Korruptionsskandal den staatlichen Energiekonzern Petrobras erschüttert.

„Brasilien erlebt aktuell eine schwierige Situation“

Darunter leidet GE. Der Konzern macht fast die Hälfte des Brasiliengeschäfts im Öl- und Gassektor, doch wegen der Krise bei Petrobras werden derzeit keine neuen Aufträge vergeben. Die Krise hat deutliche Spuren in der Bilanz hinterlassen. Im vergangenen Jahr kam GE in Brasilien auf einen Umsatz von 3,4 Milliarden US-Dollar, das waren 20 Prozent weniger als im Vorjahr.

Die Kosten von Olympia

Bei Siemens sieht es nicht ganz so finster aus. Der Umsatz schrumpfte im Geschäftsjahr 2015, das am 30. September endete, von gut 1,6 Milliarden Euro auf etwas mehr als 1,4 Milliarden Euro. „Brasilien erlebt aktuell eine schwierige Situation“, sagt Landeschef Paulo Stark. Man sehe aber Zeichen einer „raschen Erholung“. Olympia aber wird die kaum bringen. Siemens hat für die Spiele bei einer neuen U-Bahn-Linie und einer Station die Versorgung mit Strom und Energie gebaut. Olympiasponsor ist der Konzern nicht.

Konkurrent GE dagegen hat etwa 170 Olympiaprojekte in Rio realisiert, sagt Manager Katsuleres. Die Spanne reicht von Ultraschallgeräten für die Olympiaklinik bis zur Stromübertragung im Fernsehzentrum. Auch hier aber Rückschritt: Vor acht Jahren in Peking waren es noch mehr als 400 Projekte.

Über konkrete Zahlen schweigt Katsuleres. Im Durchschnitt habe Olympia dem Konzern aber seit 2005 etwa 1,5 Milliarden Dollar zusätzliches Geschäft gebracht. Das Sponsoring solle vor allem die Reputation verbessern und zu Folgeaufträgen führen.

Die wenigen Lichtblicke in Brasilien finden sich weit abseits der Sportstätten. Hoch in den Bergen über Rio etwa baut und wartet GE Triebwerke für Fluglinien aus aller Welt, das Geschäft wächst jedes Jahr stabil um zehn Prozent. Olympia wird daran nichts ändern. Das teure Sponsoring auch nicht.

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