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Stiftungsunternehmen Das Machtzentrum von Zeiss

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Keine gemeinnützige Stiftung

Carl Zeiss Stiftung Quelle: AP

Auch mit den Regeln guter Unternehmensführung war der Aufbau nicht vereinbar. Zwischen Stiftung und Unternehmen gab es einen Haftungsverbund – ein Gräuel für jeden Risikomanager. Und für die Kontrolle der Geschäftsführung war immer noch der vom Ministerium ernannte Stiftungskommissar zuständig. „Die Reform von 2004 war für uns ein Befreiungsschlag“, sagt Kaschke. Damals wurden Zeiss und Schott in Aktiengesellschaften umgewandelt, die Anteile der Stiftung übertragen. Seitdem sind Führung und Kontrolle beider Firmen sauber getrennt, die Stiftung hält sich aus unternehmerischen Entscheidungen heraus. Zentrales Organ ist die Stiftungsverwaltung, die den Stiftungsrat bestellt. Um die Bindung zur Wissenschaft zu sichern, besteht die Verwaltung aus den Forschungsministern der Länder Baden-Württemberg und Thüringen.

Förderung der Wissenschaft

Machtzentrum ist der Stiftungsrat als Vertreter der Anteilseigner, bestehend aus Theo Spettmann, Ex-Südzucker-Vorstand, Arend Oetker, Präsident des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft, und DIHT-Ehrenpräsident Ludwig Georg Braun. Spettmann als Vorsitzender ist laut Satzung auch Aufsichtsratschef bei Zeiss und Schott. Drittes Organ ist der Stiftungsbeirat mit den Unternehmensvorständen.

Gut sieben Millionen Euro hat die Stiftung 2011 für Doktoranden-Stipendien und andere Projekte der Wissenschaftsförderung spendiert. „Wie viel die Stiftung für Förderzwecke ausgeben kann, hängt von den Dividendenausschüttungen ab, deren Höhe richtet sich nach dem Stiftungsstatut und der Konzern-Eigenkapitalquote“, sagt Stiftungsgeschäftsführer Klaus Herberger. Für das Geschäftsjahr 2008/09 fiel die Dividende aus, in normalen Jahren zahlt Zeiss 10 bis 20 Millionen Euro. Ein Teil davon fließt aber als Kredit zurück in die Unternehmen – derzeit insgesamt knapp 38 Millionen Euro. Das ist zwar nicht viel, wegen dieser Rückflüsse gilt die Stiftung aber als nicht gemeinnützig und muss auf die Dividendeneinnahmen Körperschaftsteuer zahlen.

Junge Produkte

Zeiss-Chef Kaschke kann mit der Stiftung als Eigentümer bestens leben. Zwar kann er kein Eigenkapital aufnehmen, dafür aber aufgrund der geringen Ausschüttungen viel Geld in die Rücklagen einstellen. Das erlaubt langfristiges Handeln. „Wir haben einen langen Atem“, sagt Kaschke. „Wenn es nötig ist, arbeiten wir auch mal 10 oder 15 Jahre an einem neuen Produkt, um es perfekt zu machen.“ Schwerfällig ist Zeiss deshalb aber nicht: Die Hälfte des Umsatzes entfällt auf Produkte, die jünger sind als drei Jahre, fast 360 Millionen Euro fließen in Forschung und Entwicklung. „Unser Ziel ist es, über Innovationen die Marktführerschaft zu erreichen oder zumindest die Nummer zwei zu werden“, sagt Kaschke.

In Arbeit
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Der Rendite bekommt das gut: Bei Halbleitern und in der Medizintechnik spielt Zeiss mit einer Umsatzrendite von fast 14 Prozent vorne mit, auch die Mikroskopie erreicht einen zweistelligen Wert. Nur die Augenoptik hat noch Nachholbedarf.

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