Thyssenkrupp-Partner Jindal: Die Putin-Dividende

Als sich Anfang des Monats die Spitzenvertreter diverser Länder von China bis Iran zum Treffen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit versammelten, ging danach ein Bild um die Welt: Narendra Modi und Wladimir Putin, die Staatschefs aus Indien und Russland, Hand in Hand. Einige Meter spazierten sie so durch die Konferenzzone und demonstrierten dabei, wie sich die Gewichte in der Welt verschoben haben, seit Russlands Ukrainefeldzug vor nunmehr drei Jahren begonnen hat.
Indien, das sich bis heute als neutral in dieser Auseinandersetzung gibt, ist de facto längst zum stillen Verbündeten Russlands geworden – und wirtschaftlich zu einem der großen Profiteure der Auseinandersetzung. Wie eng die beiden Länder inzwischen zusammenarbeiten, zeigte sich jüngst beim gemeinsamen Militärmanöver von Russland und Belarus („Sapad“) auf belarussischem Boden. Neben den Soldaten der beiden Länder mit dabei: eine kleine Delegation von 65 Soldaten aus Indien.
So intensiv die Beziehung zwischen Delhi und Moskau inzwischen ist, so dringend stellt sich für den Westen die Frage, wie sich die Wirtschaftsbeziehungen zu Indien weiterentwickeln sollen. Das Land gilt als einer der großen Hoffnungsmärkte auch für die deutsche Industrie, nicht wenige Unternehmen setzen auf ein zweites Wirtschaftswunder wie in China. Gerade erst war eine Delegation der Bundesregierung in Indien, um dort deutsche Produkte zu verkaufen.
Kohle zum Schnäppchenpreis
Aber offensichtlich ist eben auch: Viele Geschäfte, von denen deutsche Unternehmen derzeit aus moralischen Gründen die Hände lassen, übernehmen ihre indischen Konkurrenten gerne.
Welche Folgen das hat, zeigt sich nun am Beispiel des möglichen Thyssenkrupp-Partners aus Indien: Jindal. Das Unternehmen, das sich bereits bei einer tschechischen Stahlfirma eingekauft hat, würde mit dem Einstieg bei Thyssenkrupps Stahlsparte seine Präsenz in Europa deutlich ausweiten.
Wie der Konzern sich das leisten kann? Nun, unter anderem auch indem er Geschäfte macht, die für Konkurrenten wie etwa für Thyssenkrupp Tabu sind. Russische Kokskohle etwa, seit den westlichen Sanktionen zum Schnäppchenpreis zu haben, setzt die Jindal Group massenhaft ein. Zugleich füllen neben Konzernen aus China auch indische Unternehmen die Lücke, die westliche Firmen nach ihrem Abgang in Russland hinterlassen haben. Schätzungsweise ein Viertel von Jindals Stahlexporten – ganz aktuelle Zahlen gibt es nicht – gehen nach Russland. Und Thyssenkrupp, Salzgitter, Saarstahl? Kämpfen derweil um jeden Umsatzeuro, sparen, wo es geht. Und müssen am Ende noch froh sein, wenn sich Sanktionsprofiteure wie Jindal finden, die ihr Überleben sichern.
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