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Tierseuche Wie Lanxess von der Schweinepest profitiert

Männer in Schutzanzügen tragen bei einer Übung zur Schweinepest einen Schweinekadaver zu einem Behälter. Quelle: dpa

Die Afrikanische Schweinepest steht vor der deutschen Grenze. Gegen das Virus gibt es kein Medikament und keine Impfung – aber ein Desinfektionsmittel des Kölner Chemiekonzerns Lanxess. Dessen Umsätze sind sprunghaft gestiegen.

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Der Wildschweinkadaver lag nur rund zwanzig Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, in der Nähe der polnischen Kleinstadt Zary. Schnell war klar, dass das verendete Tier die Afrikanische Schweinepest (ASP) in sich trug. Die für Tiere tödliche Seuche breitet sich seit Jahren rasant aus. Über China, Vietnam, Südkorea, Russland und die Ukraine bis nach Polen und Belgien. Und bald womöglich auch nach Deutschland. Die deutschen Schweinezüchter dürften dann ihr Fleisch nicht mehr außerhalb der EU verkaufen. Zigtausende Schweine müssten möglicherweise getötet werden.

Gegen die Seuche, die etwa über weggeworfene Brote mit infizierter Wurst übertragen werden kann, gibt es kein Medikament und keine Impfung. Was noch helfen kann, sind Schutzzäune und hygienische Vorsorgemaßnamen. Davon wiederum profitiert der Kölner Chemiekonzern Lanxess: Das Unternehmen bietet ein Desinfektionsmittel an, mit dem sich Ställe, Gummistiefel oder Autoreifen abspritzen lassen, um die weitere Ausbreitung zu verhindern.

Mit Virkon, so der Name des Mittels, machen die Kölner derzeit gute Geschäfte. Seit 2017 ist der Umsatz jedes Jahr um etwa 27 Prozent gestiegen, erklärt das Unternehmen. Die steigende Nachfrage kommt vor allem aus China. Aber auch in Europa, insbesondere in Osteuropa, ziehen die Verkäufe an. Eben überall dort, wo die Schweinepest wütet. Absolute Umsatzzahlen veröffentlicht Lanxess nicht. Die Tierseuchen-Vorsorge-Gesellschaft, die im Seuchenfall die Landwirte unterstützen soll, hält größere Vorräte an Virkon bereit. Tausend Gramm kosten bei Amazon 36,90 Euro.

In der Branche gilt Virkon (Wirkstoff: Kaliummonopersulfat) als Marktführer in seiner Klasse. Die entsprechenden Wirksamkeitstests führte das Centre for Animal Health Research (CISA) in Spanien durch, das der EU seit 2002 als Referenzlabor für die Schweinepest dient. „Die neuen Testergebnisse belegen die Fähigkeit von Virkon S und Virkon LSP, das Virus der Afrikanischen Schweinepest unter möglichst praxisnahen Bedingungen in landwirtschaftlichen Betrieben schnell, effektiv und vollständig abzutöten“, erklärt Anneliese Bischof, Leiterin des Marktsegments Desinfektion im Geschäftsbereich Material Protection Products (MPP) bei Lanxess.

Hergestellt wird das Mittel im britischen Sudbury. Die Anlage gehörte einst zum US-Konzern Chemours, den Lanxess 2016 übernahm. Es war der erste größere Zukauf unter der Führung von Lanxess-Chef Matthias Zachert, der sein Amt 2014 antrat. Zachert hatte dem Unternehmen eine neue Strategie verordnet: weg von großen Chemieprodukten, hin zu kleinen Spezial- und Nischenmärkten, in denen Lanxess eine gute Wettbewerbsposition besitzt. Im Fall von Virkon scheint das ganz gut gelungen zu sein.

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