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Unbeirrbare Grenzgänger Die Erfolgsgeschichte von Villeroy & Boch

Exklusiv
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Die Probleme sind heute anders

Die besten Restaurants
Restaurant: SchwarzwaldstubeOrt: Baiersbronn Mehr geht nicht. Alle Punkte, Hauben, Sterne, Löffel, die man haben kann. Und die meisten davon seit 20 Jahren. Harald Wohlfahrt von der Schwarzwaldstube in der Traube Tonbach in Baiersbronn ist allein wegen der Dauer, mit der er erfolgreich alle Höchstauszeichungen jedes Jahr aufs Neue bestätigt bekommt der Primus inter Pares. Nicht wenige seiner ehemaligen Mitarbeiter, wie Klaus Erfort, sind heute selber ganz oben angekommen. Auch das unterstreicht Wohlfahrts Stellung und Verdienste. Quelle: Presse
Restaurant: VendômeOrt: Bergisch Gladbach Joachim Wissler hat ebenfalls von allen Testern die höchsten Noten erhalten – auch er kann nicht mehr erreichen bei deutschen Restaurantführern. Seine Küche im Vendome im Schlosshotel Bensberg bei Köln gilt aus ausgesprochen komplex und zählt zu den anspruchsvollsten der Welt. Quelle: Presse
Restaurant: SonnoraOrt: Dreis Der stille Star – Helmut Thieltges kocht. Ebenfalls mit allen Lorbeeren ausgezeichnet, die man als Koch erhalten kann. Darauf konzentriert er sich, dafür lebt er. Es gibt keine Fernsehshow, kein Kochbuch, keine ausgedehnten Kreuzfahrten mit ihm als Gastkoch. Thieltges steht im Sonnora in Dreis am Herd und beglückt seine Gäste. Quelle: Screenshot
Restaurant: Gästehaus ErfortOrt: Saarbrücken Er ist einer der jüngsten Spitzenköche und sicher der Jüngste unter denen mit Höchstwertungen in fast allen Führern. Er ist Unternehmer, der mit seiner Kochkunst sowohl sein Stammhaus, das Gästehaus Erfort, betreibt, aber auch so gut organisiert ist, dass er einen bürgerlichen Betrieb, die Brasserie Schlachthof, in unmittelbarer Umgebung in Saarbrücken leiten kann. Er ist ohne Anschluss an ein Hotel damit einer der wenigen Spitzenköche, die die nötigen Investitionen für Küche auf diesem Niveau erwirtschaften können. Quelle: Presse
Restaurant: Restaurant BareissOrt: Baiersbronn Er ist kein Mann überflüssiger Worte – in seinem frisch erschienenen Kochbuch macht er erst gar keine. Fotos aus der Küche, dem Restaurant, den Mitarbeitern sind im edel aufgemachten Einband die Begleitung zu den Bildern der Gerichte, so dass ein Eindruck eines Abends im Restaurant Bareiss im gleichnamigen Hotel in Baiersbronn entsteht. Quelle: Presse
Restaurant: La VieOrt: Osnabrück Lange musste Thomas Bühner zittern – dieses Jahr hat der Hoffnungsträger der vergangenen zwei Ausgaben nun den dritten Michelinstern erhalten. Im La Vie in Osnabrück, dessen Eigner Jürgen Großmann sicher mit Freude die Auszeichnung gefeiert hat, kocht Bühner seit Jahren erfolgreich. Sein Konzept hatte er aber 2011 noch mal verändert. Der Erfolg gibt ihm Recht. Quelle: dpa
Restaurant: Victor's Gourmet-RestaurantOrt: Perl Christian Bau ist nicht unbescheiden. Bau-Stil nennt er sein jüngstes Kochbuch. Eine Wahl hat der Gast im Schloss Berg in Perl eigentlich nicht. Die Gäste müssen Bau die „Carte Blanche“ erteilen, um sich mit ihm auf eine „Voyage Culinaire“ zu begeben. Am Ende aber sind die Tester aller Führer hochzufrieden und nur ein halber von 20 möglichen Punkten im Gault Millau fehlt Bau, um auf Augenhöhe mit Wohlfahrt, Wissler oder Thieltges zu sein. Quelle: Victor's

Im Osten enteignet

Sein wirtschaftliches Überleben verdankt Villeroy & Boch auch dem Umstand, dass das Unternehmen die Produktpalette seit der Fusion 1836 systematisch ausgeweitet hat. Zu Fliesen und Tischporzellan kamen zunächst Gläser aus der 1843 gegründeten Cristallerie Wadgassen hinzu. 1856 eröffnete das Werk in Dresden, das auch den „Dresdner Milchladen“ beliefern sollte, heute eine der größten touristischen Attraktionen der Stadt. 1870 begann die Faiencerie in Wallerfangen mit der Fertigung von „Wasserleitungsgegenständen“, den Vorläufern der späteren Sanitärkeramik, mit der Villeroy & Boch heute gutes Geld verdient.

Einen ebenfalls tiefen Einschnitt brachte das Ende des Zweiten Weltkrieges. Die Fabriken in Deutschland waren erheblich beschädigt, die Werke in Breslau (heute Polen) sowie Dresden und Torgau in der späteren DDR enteignet. Die saarländischen Fabriken gehörten erneut zum französischen Wirtschaftsraum. Plötzlich wurde Frankreich der Hausmarkt des Unternehmens. Doch schon zehn Jahre später, 1955/56, war es damit wieder vorbei. Wettbewerber wie Rosenthal oder Hutschenreuther hatten jedoch die Zeit genutzt, um in Deutschland zu wachsen. Villeroy & Boch machte aus der Not allerdings eine Tugend und war binnen weniger Jahre auf zwei Märkten zu Hause, dem französischen und dem deutschen.

Heute, 265 Jahre nach der Gründung, sind die Probleme des Unternehmens andere, aber nicht kleiner. Villeroy & Boch musste in den vergangenen Jahren Tausende Arbeitsplätze abbauen und mehrere Werke schließen. Seit drei Jahren stagniert der Umsatz. 2009 und 2010 machte das Unternehmen Verlust. Zudem wurde Villeroy & Boch wegen verbotener Preisabsprachen im Sanitärbereich zu einer Kartellstrafe von 71,5 Millionen Euro verurteilt.

Grund für die Zuspitzung war die Flut billiger Porzellanimporte aus Asien, verschärft durch die Konkurrenz von Möbelhändlern und Discountern sowie das veränderte Konsumverhalten. Die Zeiten, in denen Hochzeitslisten und Wunschzettel für Geburtstage und Jubiläen die Kassen von Herstellern und Händlern füllten, gehören der Vergangenheit an.

In Deutschland, mit 202,5 Millionen Euro Umsatz voriges Jahr der größte Markt von Villeroy & Boch, gaben die Verbraucher 2012 nach Schätzungen des Marktforschungsunternehmens Marktmedia24 pro Kopf gerade einmal 105,45 Euro für Glas, Porzellan, Keramik und Haushaltswaren aus. Frankreich schwächelt ebenfalls und brachte 2012 nur ein Drittel des Umsatzes in Deutschland. Der Unternehmensbereich Bad und Wellness litt in den ersten neun Monaten 2013 erneut unter Europas Schuldenkrise.

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