Verkauf des Farbgeschäfts: BASF verabschiedet sich vom Endkunden-Geschäft
Die BASF will sich stärker aufs Kerngeschäft besinnen.
Foto: dapdWeniger BASF, dafür mittelfristig steigende Gewinne – so lautet die Strategie den BASF-Konzernchefs Markus Kamieth. Neben Sparmaßnahmen und geringere Investitionen steht auch die Besinnung zurück auf das Kerngeschäft auf dem Programm des Managers. Heißt: Der Fokus gilt künftig wieder dem klassischen Chemiegeschäft.
Nicht dazu zählt etwa die Agrarsparte, das Geschäft mit Batteriematerialien, Auto-Abgaskatalysatoren sowie die Produktion von Farben und Lacken, beides ist Teil des Unternehmensbereichs Coatings. Die Geschäftsbereiche werden schon jetzt als separate Einheit geführt und stehen aktuell zumindest teilweise zur Disposition.
Einen ersten Deal verkündete BASF am Montag: Der Chemiekonzern trennt sich von seinem brasilianischen Geschäft mit Bautenanstrichmitteln und verkauft es für 1,15 Milliarden Dollar an den US-Farbenkonzern Sherwin-Williams. Der Preis gilt ohne Berücksichtigung von Barmitteln und Finanzschulden, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Zum Verkaufspaket gehören die Produktionsstandorte in Demarchi und Jaboatão sowie rund 1000 Beschäftigte. Im vergangenen Jahr erzielte das Geschäft, das neben Farben und Farbvorbereitungsprodukten auch digitale Lösungen umfasst, einen Umsatz von rund 525 Millionen Dollar. Der Abschluss der Transaktion ist für das zweite Halbjahr geplant.
Das letzte Produkt für den Endkunden
BASF war in Brasilien vor allem mit der Marke Glasurit erfolgreich. Zum Portfolio des Chemiekonzerns hatte der Geschäftsbereich aber schon lange nicht mehr gepasst: Das brasilianische Farbgeschäft ist der letzte Geschäftsbereich, der seine Produkte direkt an den Endkonsumenten und nicht an die Industrie vertreibt. Noch dazu stellt BASF den Haupt- und teuersten Bestandteil der Farbe, das Weißpigment Titandioxid, nicht selbst her.
In Europa hat sich BASF bereits Ende der 90er Jahre von seinem Farbgeschäft getrennt, 1998 verkaufte der Konzern die Sparte an das holländische Unternehmen Akzo Nobel. Seither fokussiert man sich dort auf das profitablere und deutlich größere Geschäft mit Industrielacken. Dazu gehören Autoserien- und Reparaturlacke sowie Oberflächenbehandlungen. Sie werden am Standort Münster hergestellt.
Auch müssen sich die Mitarbeiter auf Veränderungen einstellen: Im zweiten Quartal will BASF strategische Optionen für das verbleibende Coatings-Geschäft prüfen. Dazu gehören Autoserien- und Reparaturlacke sowie Oberflächenbehandlungen.
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