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Weltmarktführer Roto „Es gibt Firmen, die günstiger sind. Aber wir sind besser“

Weltmarktführer: Wie die Roto Frank AG sich durchsetzt Quelle: PR

Die Roto Frank AG baut Beschlagsysteme für Fenster und Türen und ist in dieser Nische weltweiter Champion. Ihr Vorstandsvorsitzender Eckhard Keill über Innovationsdruck, Fachkräfte und Donald Trump.

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Eckhard Keill ist einer von 455. Einer von 455 Vorstandsvorsitzenden in Deutschland, die Chef eines Weltmarktführers sind. Der 65-Jährige steht der Roto Frank AG vor, die Fenster- und Türbeschlagsysteme herstellt. Erst durch die kleinen Beschläge können Fenster und Türen geöffnet und gekippt werden. Ein Nischenprodukt, aber ein ertragreiches: Das Unternehmen aus Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart setzte zuletzt 630 Millionen Euro um und beschäftigt knapp 5000 Mitarbeiter.

Sie sind Weltmarktführer, aber der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt. Stört Sie das?
Nein. Schon das Fenster an sich hat hierzulande keinen starken Markenbezug. Und wir sind darin enthalten. Da ist die Beschlagmarke nicht relevant. Das ist aber auch nicht schlimm. Denn nicht der Endverbraucher entscheidet, welche Beschläge in dem Fenster integriert werden, sondern der Fensterhersteller. Und der ist unser Kunde. Deshalb sind wir auch nicht gezwungen, Marketing beim Endverbraucher zu machen.

Eckhard Keill ist seit 2005 Vorstandsvorsitzender der Roto Frank AG. Quelle: PR

Wie sind Sie zum Weltmarktführer geworden?
Wilhelm Frank hat das Unternehmen 1935 gegründet und nach wenigen Jahren ein Fenster erfunden, das nach innen kippen kann. Das war eine Weltneuheit. Die Gründer haben das Produkt dann schnell industriell vermarktet. Und was nicht unerwähnt bleiben darf: Meine Vorgänger haben schon weit vor der Öffnung der Ost-Märkte in den 1990er-Jahren mit Unternehmen im Ausland kooperiert. Das hat den Grundstein für unseren heutigen Weltmarktführer-Status gelegt.

Und wie verteidigen Sie diesen Titel?
Wir müssen mit unserem Produkt stark sein. Nur dann kann unser Kunde gute Fenster anbieten, nur dann ist der Endverbraucher zufrieden. Das Thema Produktentwicklung ist ganz wesentlich für das Verteidigen und Ausbauen der Marktführerschaft.

Sie stehen also unter einem Innovationsdruck?
Definitiv. Deshalb investieren wir viel in Forschung und Entwicklung. Von unseren 3000 Mitarbeitern in der Fenster- und Türtechnologie sind allein 150 Entwickler.

Wie groß ist der Anteil am Umsatz?
Dazu will ich nichts sagen. Unsere Wettbewerber sind relativ öffentlichkeitsscheu. Wir sind dagegen erheblich offener. Aber alles kann ich Ihnen nicht erzählen.

Dann versuche ich es anders: Was bedeutet es, innovativ zu sein?
Für den Endverbraucher ist das nur ein Fenster, das dreht und das kippt. Wir legen zum Beispiel großen Wert auf das Thema Einbruchsicherheit. Für uns ist wichtig, ob der Einbrecher nach fünf Sekunden im Gebäude ist oder nach zehn Minuten immer noch nicht. Dahinter steckt für uns ordentlich Entwicklungsarbeit. Das sind Innovationsschritte, die für den Endverbraucher nur sichtbar sind, wenn zu Hause eingebrochen worden ist – oder eben nicht.

Woher nehmen Sie Ihre Ideen?
Eine Quelle ist in der Tat: Nachdenken. Wir versuchen frühzeitig, Entwicklungen zu erkennen. Auch die Diskussionen mit Fensterbauern helfen uns weiter.

Wie wichtig ist das Ausland für Sie?
Wir sind ganz klar auf andere Länder angewiesen: Wir machen in der Fenster- und Türtechnik fast 80 Prozent unseres Geschäfts außerhalb von Deutschland.

Wenn wir über das Ausland sprechen, müssen wir auch über Donald Trump reden.
Ich beobachte seine Aussagen mit Sorge. Die Einschränkung des Welthandels durch Zölle ist für uns als Weltmarktführer eine riesige Gefahr. Wenn die Märkte nicht mehr offen sind, wird es für uns extrem schwer.

Ist es auch ein Problem, dass Anbieter aus Billigländern Ihnen nacheifern?
Ich gehe nicht jeden Morgen mit Sorgenfalten ins Büro. Sicher gibt es Firmen, die günstiger anbieten. Wir sind aber besser. Auf längere Sicht, da bin ich mir sicher, schätzen unsere Kunden die Qualität, die Kontinuität und unser Siegel German Made.

Dafür benötigen Sie gut ausgebildete Mitarbeiter.
Das ist in der Tat ein Thema. Im Großraum Stuttgart gibt es einen großen Wettbewerb um Ingenieure. Mittelbar sind wir auch von Problemen der Fensterhersteller betroffen. Sie finden kaum noch geeignete Mitarbeiter, die das Fenster ins Mauerwerk einbauen. Der Trend zum Studium wird uns noch erhebliche Probleme machen. Es gibt zu wenige gute Handwerker. Das macht mir Sorge.

Machen Sie sich deshalb auch Sorge um Ihre Position als Weltmarktführer?
Ja, derzeit vor allem aus politischen Gründen. Wir sind ja Teil des Baugewerbes. Und da mischt sich die Politik traditionell immer stark ein. Ich fände es besser, wenn sich die Politiker um die Kernkompetenzen des Staates kümmern würden, um Innere und Äußere Sicherheit, um Bildung und um die Digitalisierung. In keinem Land habe ich so schlechten Empfang auf der Autobahn wie hierzulande. Das könnte uns in unserer Entwicklung verlangsamen – und unsere Position als Weltmarktführer gefährden.

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