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„Wir sind zu spät“ CureVac: Das kostet der Aktien-Rutsch den Bund

Quelle: dpa

CureVac wollte den „besten“ Corona-Impfstoff produzieren. Diese Träume sind geplatzt. Das Unternehmen zieht die Reißleine und sein Vakzin zurück. Die Folgen sind weitreichend – auch für die Aktionäre und den Bund.

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Die Worte von CureVac-Chef Franz-Werner Haas wiegen schwer: „Für das pandemische Produkt sind wir zu spät, das Zeitfenster hat sich geschlossen.“ So begründete Haas, dass der Tübinger Impfstoffhersteller seinen Impfstoff gegen das Coronavirus aus dem laufenden Zulassungsverfahren bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) zurückzieht.

CureVac geht davon aus, dass für den Impfstoff mit einer Zulassung frühestens im zweiten Quartal 2022 gerechnet werden könne. Zu diesem Zeitpunkt erwarten der Konzern und sein Partner GlaxoSmithKline jedoch, dass ein überarbeiteter „Impfstoff der zweiten Generation“ in der klinischen Entwicklung weit fortgeschritten ist. „Der weltweite Kampf gegen COVID-19 geht weiter, und wir sind fest entschlossen, mit einem sicheren und wirksamen Impfstoff einen entscheidenden Beitrag dazu zu leisten. An diesem Ziel halten wir fest“, so Haas. Allerdings hätten sich die Anforderungen für eine wirksame Bekämpfung des Virus und aufkommender Varianten verändert.

Es war eine harte Entscheidung für das Unternehmen. Während die Konkurrenten Biontech und Moderna Milliardengewinne einfahren, wies CureVac im ersten Halbjahr 2021 einen Verlust von 264 Millionen Euro aus. Seit der Veröffentlichung der miserablen Studiendaten zu Jahresbeginn war der Aktienkurs bereits um etwa 30 Prozent eingebrochen. Die Entscheidung, den Impfstoff zurückzuziehen, ließ den Börsenkurs weiter einstürzen. Der Aktienkurs gab am Dienstag zeitweise knapp 15 Prozent nach.

Das trifft auch große Anteilseigner: Der Bund etwa war im vergangenen Jahr über die Aufbaubank KfW mit 300 Millionen Euro bei CureVac eingestiegen und hält einen Anteil von 16 Prozent. Aktuell ist die Beteiligung grob eine Milliarde Euro wert – 90 Millionen weniger als am Vortag. Vom Aktienhoch im Dezember 2020 aus gerechnet, hat der Wert der Bundesbeteiligung mehr als 2,5 Milliarden Euro verloren.

Ein neuer Hoffnungsträger?

Für die nahe Zukunft sind CureVacs Aussichten getrübt: Mit der Entscheidung, den Corona-Impfstoff vorerst nicht rauszubringen, wird unter anderem ein mit der EU geschlossener Liefervertrag hinfällig. Die hatte sich insgesamt 405 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffs gesichert. CureVac prüft, inwieweit die in diesem Zusammenhang eingegangenen Verpflichtungen auch auf die Impfstoffkandidaten der zweiten Generation übertragen werden könnten.

Ursprünglich hatte CureVac den Kampf gegen Corona mit großen Ambitionen aufgenommen. Das Unternehmen wollte den „besten“ Impfstoff herstellen. Es folgte ein herbe Enttäuschung: Das Vakzin CVnCoV hatte in der entscheidenden klinischen Studie nur eine Wirksamkeit von insgesamt 48 Prozent gezeigt – weitaus weniger als die inzwischen zugelassenen Mittel von Biontech/Pfizer oder Moderna. Unklar war zuletzt, ob der Impfstoff überhaupt zugelassen wird. Im September hatte Curevac die ersten Produktionspartnerschaften mit WackerChemie und dem Schweizer Auftragshersteller Celonic gekündigt.

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Das verbesserte Vakzin der zweiten Generation entwickelt CureVac anders als das ursprüngliche nicht alleine, sondern gemeinsam mit GlaxoSmithKline. In einer präklinischen Studie habe dieses Vakzin eine verbesserte Immunantwort und eine höhere Schutzwirkung gezeigt. In einer Untersuchung an Affen habe der Impfstoff eine stärkere Antikörperneutralisierung aller ausgewählten Virusvarianten erreicht, darunter auch der hochansteckenden Delta-Variante. Die Kooperation hat ein Volumen von 150 Millionen Euro.

Seit seiner Gründung im Jahr 2000 hat CureVac kein Medikament auf den Markt gebracht – und bis es so weit ist, wird es wohl auch noch länger dauern.

Mit Material von dpa und Reuters

Mehr zum Thema: CureVac muss seinen Impfstoff zurückziehen. Gründer sind enttäuscht, Mitarbeiter frustriert – und langsam wird klar, was alles schief lief.

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