Schmitz zieht überall Aufmerksamkeit auf sich. Hier beim Verlassen eines Gerichtsgebäudes in Auckland 2012.
Foto: mauritius images / one-image phoDeutscher Internetstar: Was wurde eigentlich aus Kim Dotcom?
Sein Alias Kim Dotcom klingt heute etwas aus der Zeit gefallen – so wie das Phänomen der Internetpiraterie, mit dem Kim Schmitz damals Millionen scheffelte. Der gebürtige Kieler, 1974 geboren, bekannt auch als Dr. Kimble und Kim Tim Jim Vestor, sorgte um die Jahrtausendwende als deutscher Internetstar und Unternehmerpromi für Furore, zählte zu den schillerndsten Figuren der New-Economy-Ära. Kim Dotcom, das verwies auf das Netzkürzel „.com“, auf die mit dem Internet verbundene Goldgräberstimmung an den Börsen, auf eine Zeit der wilden Spekulationen – und erinnert heute vor allem an das jähe Ende des Hypes, an das Platzen der Dotcom-Blase.
Schmitz wurde erst als Hacker berühmt, dann als Gründer der IT-Beratung Data Protect Consulting, schließlich als Betreiber der Filesharing-Plattform Megaupload. Der Lebemann mochte Limousinen, Jachten, Businessjets. Und wusste sich in Szene zu setzen, etwa mit zehn Millionen Dollar Kopfgeld, das er auf den Terroristen Osama Bin Laden aussetzte.
Schmitz behauptete, die Computer der NASA gehackt zu haben, um herauszufinden, ob Außerirdische existieren. Er wurde bereits als Jugendlicher wegen Telefonbetrugs und Hackerangriffen auf Telefonanlagen zur Bewährung verurteilt.
„Dr. Kimbles“ Villa verfügte unter anderem über einen Irrgarten und einen privaten Tennisplatz.
Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRSpäter betrieb er als Chef seiner Investmentfirma Kimvestor Insiderhandel mit Aktien der Handelsplattform Letsbuyit.com, wurde erneut angeklagt, setzte sich 2002 nach Thailand ab, wurde nach Deutschland ausgeliefert und zu 100 000 Euro Geldstrafe verurteilt. Ein Jahr später flüchtete „Dr. Kimble“ nach Hongkong und baute dort Megaupload mit auf.
Der Speicherdienst, der es Nutzern erlaubte, beliebige Dateien ins Netz zu laden und zu teilen, avancierte zu einer der meistgenutzten Plattformen für raubkopierte Medien, Musik und Filme. Die Seite soll zeitweilig rund vier Prozent des weltweiten Internetverkehrs verursacht haben. 2010, in einer Zeit, in der Streamingdienste wie Netflix und Spotify noch nicht existierten, zählte Megaupload rund 180 Millionen registrierte Nutzer und Zigmillionen Abonnenten, um auf Raubkopien zugreifen zu können. Den Schaden durch Urheberrechtsverletzung taxiert die US-Bundespolizei, die bis heute gegen Schmitz ermittelt, auf eine halbe Milliarde Dollar.
Kim Dotcom sieht sich schuldlos. Er wisse nicht, was seine Kunden bei Megaupload speicherten, sagt er damals und bezieht in Neuseeland eine der teuersten Villen des Landes. Dort wird er 2012 aufgrund eines Auslieferungsantrages aus den USA verhaftet. Das Vermögen wird beschlagnahmt. Schmitz klagt mit wechselndem Erfolg gegen seine Auslieferung – der Neuseelands Justizminister im August 2024 aber schließlich zustimmt. Zur Abschiebung ist es gleichwohl bis heute nicht gekommen. Am 25. November schreibt Kim Dotcom bei „X“, er habe einen Schlaganfall erlitten. Ein Foto, das er an Weihnachten veröffentlicht, zeigt ihn, umgeben von Frau und Kindern, in einem motorisierten Rollstuhl.
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