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Einstieg bei Go-Jek Googles große Asien-Offensive

Weil Google in China kaum Chancen hat, will der Konzern in Indien und Indonesien stärker Fuß fassen. Dort hat das Unternehmen aber starke Wettbewerber. Helfen soll nun die Beteiligung an einer äußerst populären App.

Die App, die in Indonesien auch globale Größen wie Uber hinter sich lässt, ist in den drei Jahren seit ihrem Start zu Indonesiens wertvollsten Start-up aufgestiegen. Quelle: Reuters

BangkokDas Verkehrschaos in Jakarta hat die App von Nadiem Makarim zu einem Hit gemacht. Wenn endlose Staus zur Rush-Hour die Straßen der indonesischen Hauptstadt lahmlegen, dann ist das Smartphone-Programm des indonesischen Gründers eine der wenigen Möglichkeiten, um doch noch einigermaßen schnell ans Ziel zu kommen. Go-Jek heißt die App, mit der die Indonesier rund um die Uhr Motorradtaxis bestellen können, die sich auch bei dichtem Verkehr zwischen Autokolonnen noch irgendwie durchschlängeln können.

Makarims Transport-App, die in Indonesien auch globale Größen wie Uber hinter sich lässt, ist in den drei Jahren seit ihrem Start zu Indonesiens wertvollsten Start-up aufgestiegen. Aktiv ist das Unternehmen in mehr als zwei Dutzend Metropolen, jeden Tag gibt es Hunderttausende Buchungen – auch weil sich mit der App inzwischen nicht nur Taxis, sondern auch Mahlzeiten, Masseure oder Putzfrauen bestellen lassen. Auch einen eigenen digitalen Bezahlservice bietet das Unternehmen.

Die herausragende Stellung von Go-Jek im indonesischen E-Commerce-Sektor hat das Unternehmen nun auch für den Internetkonzern Google interessant gemacht. Das US-Unternehmen verkündete am Montag den Einstieg bei Go-Jek als Teil einer Finanzierungsrunde, mit der das Start-up insgesamt 1,2 Milliarden Dollar einwirbt. 100 Millionen Dollar sollen laut der Nachrichtenagentur Reuters von Google kommen.

„Die Investition ermöglicht uns die Partnerschaft mit einem lokalen Champion“, schwärmt Google-Manager Caesar Sengupta. Er leitet bei dem Konzern das „Next Billion Users“-Team, das neue Nutzer in aufstrebenden Schwellenländern gewinnen möchte.

Bei dieser Mission geht Google in Asien derzeit in die Offensive: Das Go-Jek-Investment ist Googles erste Beteiligung an einem indonesischen Start-up. Erst vor wenigen Wochen verkündete Google den ersten direkten Einstieg bei einem Start-up in Indien: Das Unternehmen Dunzo aus Bangalore gehört seither zum Reich des Internetgiganten. Es ermöglicht den Nutzern, Alltagsarbeiten an Dienstleister auszulagern. Google wittert in den Schwellenländern einen rasant wachsenden Markt, steht in der Region aber auch vor Problemen: Neue Konkurrenten machen es dem Konzern im Wettbewerb um neue Internetnutzer schwer.

Ein besonders dramatisches Bild zeigt sich aus Googles Sicht bei Smartphone-Browsern. Die Programme sind für Handynutzer die zentrale Schnittstelle zum Internet. In Ländern wie Indien und Indonesien muss Google die Marktführerschaft aber einer App überlassen, die im Westen so gut wie niemand kennt: UC Browser heißt das Programm, das der chinesische Internetkonzern Alibaba auf den Markt gebracht hat.

Es ist schnell und braucht wenig Speicherplatz und ist deshalb vor allem bei den Besitzern von Billig-Smartphones beliebt. In Indien liegt der Marktanteil von UC Browser laut dem Marktforscher StatCounter bei 51 Prozent. In Indonesien liegt der Anbieter mit 41 Prozent auf dem ersten Platz. Googles Chrome-Browser, der global führend ist, kommt in den Ländern nur auf 30 beziehungsweise 34 Prozent der Nutzer.

Google versucht nun aufzuholen und richtet seine Produkte stärker an den Bedürfnissen der Schwellenland-Nutzer aus: Indien und Indonesien waren die ersten Länder, die Google im Rahmen seines Programms Google Station mit schnellem W-Lan an öffentlichen Plätzen ausstattete. Im Dezember brachte das Unternehmen für Nutzer in den beiden Ländern die App Google Go auf den Markt, die das Suchen im Internet bei einer langsamen Verbindung einfacher machen soll.

Mit Blick auf indische und indonesische Nutzer hatte Google bereits vor anderthalb Jahren YouTube Go veröffentlicht. Das Programm macht es einfacher, Videos offline anzusehen. In den vergangenen Monaten arbeitete Google auch an seinem Chrome-Browser – und konnte damit in den Schwellenländern wieder Marktanteile hinzugewinnen.

Die Länder sind gemessen an der Bevölkerungsgröße die Nummer zwei und Nummer drei in Asien. Zusammen verfügen sie über rund 1,6 Milliarden Einwohner – ein Fünftel der gesamten Weltbevölkerung. Indien und Indonesien sind für Google auch deshalb so bedeutsam, weil das Unternehmen im bevölkerungsreichsten Land des Kontinents, China, so gut wie keine Rolle spielt. Dort macht die staatliche Zensur Produkte wie Googles Suchmaschine und den E-Mail-Dienst GMail für die meisten Nutzer unerreichbar.

Der Kampf um die neuen Internetwachstumsmärkte ist aus Googles Sicht noch lange nicht entschieden. In der Heimat von Go-Jek-Gründer Makarim sind zwar bereits mehr als 130 Millionen Menschen online – Indonesien ist damit gemessen an den Nutzerzahlen der fünftgrößte Markt der Welt. Doch die Hälfte der Indonesier ist noch immer offline. Google-Manager Sengupta sieht deshalb großes Potenzial: „Verblüffenderweise hat Indonesiens Internet-Reise gerade erst begonnen.“

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